Sembach
Wie Michael Kadel und Peter Heinz den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt geschafft haben
Die beiden Zoar-Schützlinge sind über das Landesprogramm „Budget für Arbeit“ bei dem metallverarbeitenden Unternehmen beschäftigt. Diese Initiative habe das Ziel, Menschen mit Beeinträchtigungen eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt und damit eine Alternative zur Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu bieten, erläutert Sarah Linnebacher, Fachkraft für Integration bei den Zoar-Werkstätten Kaiserslautern. Der Arbeitgeber erhält dabei einen Lohnkostenzuschuss vom Land Rheinland-Pfalz, der bis zu 75 Prozent des vorgesehenen Gehalts betragen kann. Diese Leistung wird anstelle der Werkstattkosten gewährt, erläutert Linnebacher die Rahmenbedingungen. Die Beschäftigten hätten im Übrigen ein dauerhaftes Rückkehrrecht in eine der Werkstätten, falls es bei der neuen Arbeitsstelle nicht klappen sollte. „Das erhöht auch die Bereitschaft der Arbeitgeber, sich auf das Projekt einzulassen“, so die Integrationsfachkraft. Diese erhielten motivierte Mitarbeiter, die ihre Angestellten im Unternehmen entlasten könnten. „Daneben unterstützen wir die Unternehmen fachlich bei allen Fragen, was die Beschäftigung angeht. Die Betriebe müssen sich halt darauf einlassen, und es muss menschlich passen“, nennt Linnebacher einen weiteren Vorteil für die Firmen.
Fertigkeiten, die das Unternehmen braucht
„Die beiden bringen die Fähigkeiten mit, die wir für unser Unternehmen brauchen“, zieht Lukas Geib, Prokurist bei der Rema Fertigungstechnik GmbH, ein positives Fazit. Bei dem derzeitigen Fachkräftemangel sei es schwierig, passende Mitarbeiter zu finden. Durch die Betreuung der Zoar-Mitarbeiter sei die Einarbeitung nicht so aufwendig gewesen. „Das hat gut geklappt. Dass die beiden hier sind, ist auch gut fürs Betriebsklima“, so Geib, der auch auf ein anderes Projekt der Firma verweist, bei dem ebenfalls jungen Menschen eine Chance auf eine gute Berufsausbildung gegeben wird: Seit 2015 bildet das Unternehmen in Sembach Auszubildende aus Ruanda aus.
„Am liebsten arbeite ich an den Maschinen“, sagt Michael Kadel über seinen Arbeitsplatz bei dem Unternehmen, das unter anderem Aluprofile und Frästeile aus Stahl herstellt. Der 33-Jährige hat sich inzwischen so gut eingearbeitet, dass er jetzt sogar überlegt, eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer zu machen. Das sei über ein weiteres Landesprogramm, das „Budget für Ausbildung“ möglich, so Linnebacher.
Keine leichte Aufgabe: die Fahrt zur Arbeit
Ihm gefalle es gut in dem Unternehmen, sagt Peter Heinz, der mit Montagearbeiten, dem Waschen von Werkteilen, deren Beschriftung mit Laser und der Verpackung betraut ist. „Das erfordert ein großes Maß an Gewissenhaftigkeit, und die bringt er mit“, lobt Michael Vorherr, zuständig für Produktionsplanung und Steuerung bei der Rema Fertigungstechnik GmbH. Zugute komme Heinz, dass er zuvor bei Bischoff Winnweiler eine ähnliche Tätigkeit ausgeübt habe.
Der Kontakt zu Zoar kam über Bernd Verlei, Technischer Koordinator Produktionssysteme/-steuerung, zustande, der bei seinem vorigen Arbeitsplatz, einer Zoar-Werkstatt in Heidesheim, als technischer Leiter gearbeitet hat. „Ich weiß daher, wie die Beschäftigten dort arbeiten und wo die Schwierigkeiten liegen könnten.“ Linnebacher und ihre Kollegen hätten zu Beginn beim Anlernen an den Maschinen unterstützt und bei Missverständnissen vermittelt, schildert er. Auch die Wohnsituation oder die Fahrt zur Arbeit mit dem Bus zu bewältigen, sei für beeinträchtigte Menschen nicht einfach, weiß er. Erschwerend komme hinzu, dass die ÖPNV-Anbindung an das Gewerbegebiet in Sembach schlecht sei, ergänzt Vorherr. So fährt Heinz jeden Tag von seinem Wohnort Gerbach mit dem Zug nach Winnweiler und von dort mit dem Bus weiter nach Sembach und wieder zurück. Das ÖPNV-Problem zeige sich auch immer wieder bei minderjährigen Auszubildenden, die keinen Führerschein hätten, so Prokurist Geib. „Das schränkt die Auswahl an Bewerbern für das Unternehmen deutlich ein“, gibt er zu bedenken.
Intensive Betreuung durch Zoar-Mitarbeiter
Die Zoar-Mitarbeiter hatten die beiden jungen Männer in den vergangenen Monaten intensiv auf ihren Einsatz bei Rema vorbereitet. Diese stellten ihre Fertigkeiten zunächst bei einem Praktikum unter Beweis. Im nächsten Schritt waren die beiden dann in einem sogenannten ausgelagerten Werkstattarbeitsplatz bei dem Unternehmen beschäftigt. Das bedeutet, dass sie weiterhin über die Werkstatt betreut, versichert und bezahlt wurden. „Diese Beschäftigungsform bietet für alle Beteiligten die Möglichkeit, eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erst einmal zu erproben. Längerfristig wird damit aber ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis angestrebt“, so Linnebacher. In einem dritten Schritt erfolgte dann die Anstellung im „Budget für Arbeit“.
