Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Widerstand gegen Windenergieanlagen bei Enkenbach-Alsenborn

Auf großes Interesse ist die Waldbegehung der Ortsgemeinde Enkenbach-Alsenborn gestoßen. Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel (rechts
Auf großes Interesse ist die Waldbegehung der Ortsgemeinde Enkenbach-Alsenborn gestoßen. Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel (rechts) informierte über die Pläne der Windkraftbetreiber.

Gleich mehrere Betreiber von Windenergieanlagen haben ein Auge auf den Bergrücken zwischen Alsenborn und Neuhemsbach geworfen. Gegen die Pläne formiert sich Widerstand.

Der Quirnbacher Verein Naturschutzinitiative hat sich nun den Enkenbach-Alsenborner Windrad-Kritikern angeschlossen. Für die Initiative steht fest: Als größtes weitgehend unzerschnittenes Waldgebiet Westeuropas ist das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen nach den Vorgaben der Weltnaturschutzorganisation Unesco ein Ausschlussgebiet für die Windenergienutzung. Naturräumlich gehöre die geplante Windindustriefläche zum Pfälzerwald – auch wenn sie knapp jenseits der Schutzgebietsgrenze liege. Ähnlich sei die Situation in anderen Waldgebieten des nördlichen Pfälzerwaldes, wo bereits drei Windparks mit elf Windenergieanlagen auf Waldstandorten stehen.

„So frisst man sich langsam von den Rändern her in den Naturraum Pfälzerwald, einen der letzten noch weitgehend windkraftfreien Wälder, zu dessen vollständiger Öffnung für die Windindustrie noch viele Pläne aus den vergangenen Jahren in den Schubladen liegen“, kritisieren Landesvorsitzender Harry Neumann und Guido Pfalzer, Länder- und Fachbeirat der Naturschutzinitiative. Nicht umsonst benutzen beide daher gerne den Begriff „Windindustrieanlagen“.

Pläne angepasst

Die Windrad-Pläne sind nicht neu. Im Waldgebiet zwischen Billesweiher und Eselsmühle wollen drei Energieunternehmen auf der nördlich von Alsenborn gelegenen Anhöhe bis zu fünf Windräder errichten. Nachdem der Ortsgemeinderat vor neun Jahren das Vorhaben abgelehnt hat, haben die Betreiber ihre Pläne noch einmal der Entwicklung angepasst.

Der Gemeinderat von Enkenbach-Alsenborn sei geteilter Meinung, was den Windpark im eigenen Gemeindewald angehe, so die Initiative. Tatsächlich kristallisiert sich innerhalb des Rates eine deutliche Mehrheit gegen die Windkraftpläne heraus. Lediglich Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel (CDU) und die Grünen-Fraktion wollten ergebnisoffen „Fakten über die einzelnen Standorte sammeln“, bevor sich die Gremien mit dem Thema weiter beschäftigen. Ob sich die Anhöhe rund um den Leberberg, den kleinen und großen Griesberg sowie den Galgenwald dafür eignet, wollte Wenzel bei einer Waldbegehung im April mit 120 Bürgern erkunden. Zuvor hatte sich der Ortsgemeinderat Neuhemsbach bereits geschlossen gegen die Pläne ausgesprochen.

Waldbegehung mit dem Gemeindeförster

„Im Ergebnis bleibt es befremdlich, wenn von forstlicher Seite erklärt wird, es sei in Ordnung, an allen fünf Standorten gesunden Mischwald mit zum Teil über 100 Jahre alten Buchen für Windindustrieanlagen opfern zu können. Bei der Angabe, dass dabei nur 0,5 Hektar je Standort gerodet würden, verschweigt man, dass noch einmal etwa die gleiche Fläche für Transport-, Arbeits- und Montageflächen hinzukommt und über die gesamte Betriebszeit der Anlagen baumfrei gehalten werden muss“, erklärt Guido Pfalzer. Er befürchtet, dass die Rodungen in der Dimension von „mindestens zehn Fußballfeldern den Gemeindeforst durchlöchern und aus einem bislang vitalen, unzerschnittenen Wald mit Kronenschluss ein Windindustriegebiet machen werden“.

Gemeindeförster Tim Diekmann gab bei der Waldbegehung differenzierte Einschätzungen zu den Plänen der potenziellen Betreiber. Während zwei Standorte aus seiner Sicht „ökologisch noch akzeptabel“ seien, eigneten sich die drei anderen Örtlichkeiten deutlich weniger, da dort wegen einer Senke ein erheblicher Eingriff in die Bodenstruktur nötig und die Zuwegung nur mit großem Aufwand realisierbar wäre. Ein weiterer von den Betreibern vorgeschlagener Standort befindet sich in unmittelbarer Nähe eines Biotops.

Initiative befürchtet großflächige Schäden

Biodiversitätsverlust, Wasserhaushaltsschäden und entgangene Klimaregulation wirkten über Randeffekte bis weit außerhalb der gerodeten Flächen in die angrenzenden Bestände hinein und führten zu großflächigen Waldschäden, die dann reflexartig dem Klimawandel in die Schuhe geschoben werden, so die Naturschutzinitiative. „Noch haben die Alsenborner einen gesunden naturnahen Wald mit ungestörtem Waldinnenklima, der die Hitze- und Dürrejahre des letzten Jahrzehnts vollkommen unbeschadet überstanden hat. Die Entscheidungsträger im Gemeinderat haben es in der Hand, ob das so bleibt“, unterstreicht Harry Neumann.

„Es ist im Übrigen kein Widerspruch, für Klimaschutz und regenerative Energien einzutreten und gleichzeitig gegen Windenergienutzung in Wäldern zu sein“, sagt Pfalzer und ergänzt: „Es gibt naturverträglichere und nachhaltigere Wege, die Energiewende umzusetzen, ohne dabei unseren wichtigsten Verbündeten beim Klima-, Grundwasser-, Boden- und Artenschutz zu zerstören.“

Petition gegen Windkraftpläne

Unterdessen hat Heiko Bauer aus Enkenbach-Alsenborn eine Petition gegen die geplanten Windenergieanlagen gestartet. In der Begründung heißt es unter anderem: „Es ist an der Zeit, dass wir den Entscheidungsträgern zeigen, dass wir nicht bereit sind, unser natürliches Erbe zu opfern. Lassen Sie uns gemeinsam handeln, um die Wälder zu schützen und gleichzeitig nach nachhaltigen alternativen Energiequellen zu suchen.“ Knapp 2000 Bürger haben sich der Petition bislang angeschlossen.

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