Enkenbach-Alsenborn / Neuhemsbach RHEINPFALZ Plus Artikel Widerstand gegen Windradpläne zwischen Alsenborn und Neuhemsbach

Nordöstlich vom einstigen Alsenborner Bahnhof erstreckt sich der Bergrücken – hier der Leberberg–, auf dem fünf Windräder gebaut
Nordöstlich vom einstigen Alsenborner Bahnhof erstreckt sich der Bergrücken – hier der Leberberg–, auf dem fünf Windräder gebaut werden sollen.

Windenergieanlagenbetreiber wollen auf dem Bergrücken zwischen Alsenborn und Neuhemsbach fünf Windräder errichten. Dagegen formiert sich heftiger Widerstand.

Ein konkretes Pachtangebot läge zwar noch nicht auf dem Tisch, allerdings hätten in den vergangenen Wochen drei Unternehmen ihr Interesse an dem Standort bekundet, berichtet Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel. Konkret geht es um das Waldgebiet zwischen Billesweiher und Eselsmühle, das auf einem Bergrücken nördlich von Alsenborn liegt. Die Anhöhe umfasst den Leberberg, den kleinen und großen Griesberg sowie den Galgenwald. Die fünf von den Interessenten ins Auge gefassten Standorte seien dabei nahezu deckungsgleich, erläutert Wenzel.

Standort bereits vor Jahren abgelehnt

Bereits im Jahr 2017 wurde das Waldgebiet als potenzieller Standort im Landesentwicklungsplan IV ausgewiesen. Die Verpachtung des Grundstücks hätte der Gemeinde damals fast 20.000 Euro pro Jahr eingebracht. Doch der Ortsgemeinderat kippte die Pläne. Wohl auch deshalb, weil sich zuvor rund 2000 Bürger aus der gesamten Verbandsgemeinde mit ihren Unterschriften klar gegen das Projekt ausgesprochen hatten.

In einem Antrag der SPD wurde kategorisch gefordert, dass die Gemeinde keine Waldfläche zur Nutzung für Windkraft zur Verfügung stellt. Die Fraktion begründete den Vorstoß mit dem „enormen ökologischen Schaden“, der durch den Flächenbedarf für einen Windpark entstünde. Nachdem die CDU den Antrag um den Zusatz, „dass alle planerischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Errichtung von Windrädern“ in den besagten Flächen zu verhindern, ergänzt hatte, wurde er von der großen Mehrheit des Rates angenommen.

Brandbrief aus Neuhemsbach

Auch neun Jahre später steht die Kommunalpolitik den Windkraft-Projekten in Waldgebieten durchaus skeptisch gegenüber. Das hat der Ortsgemeinderat Neuhemsbach in einer gemeinsamen Stellungnahme bereits unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. In einem Schreiben von Anfang März an die Ratsmitglieder in Enkenbach-Alsenborn heißt es: „Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass in Ihren Gremien erneut die Errichtung von bis zu fünf Windkraftanlagen im angrenzenden Waldgebiet erörtert wird.“

In dem Brandbrief der Nachbarn aus Neuhemsbach, der von allen im Ortsgemeinderat vertretenen Fraktionen unterschrieben wurde, wird bezweifelt, dass die Windhöffigkeit in dem Gebiet ausreichend sei, um einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb sicherzustellen. „Neben wirtschaftlichen Aspekten sehen wir insbesondere auch die möglichen Auswirkungen auf Natur, Naherholung und Tourismus mit großer Besorgnis“, so die Ratsmitglieder. „Das Gebiet rund um den Billesweiher stellt für unsere Bürgerinnen und Bürger sowie für Gäste aus der Region einen wichtigen Erholungsraum dar.“ Eine industrielle Überprägung des angrenzenden Waldes durch mehrere großdimensionierte Anlagen würden, so das Argument, „dieses sensible Gebiet nachhaltig verändern und aus unserer Sicht erheblich beeinträchtigen“.

Waldbegehung am 18. April

Die Neuhemsbacher, die seit Jahrhunderten kurioserweise als „Windmacher“ geneckt werden, appellieren an ihre Kollegen in Enkenbach-Alsenborn, „die Interessen und Bedenken unserer Gemeinde sowie das klare Stimmungsbild in der Bürgerschaft in Ihre weiteren Beratungen einzubeziehen“. Die vier Fraktionen betonen, dass sich sämtliche politischen Akteure in Neuhemsbach über Parteigrenzen hinweg einig seien, dieses Vorhaben in der vorgesehenen Form abzulehnen. Diese Geschlossenheit unterstreiche die große Bedeutung des Themas für ihre Gemeinde.

Bevor sich der Ortsgemeinderat Enkenbach-Alsenborn intensiver mit den Angeboten der drei Betreiber beschäftigen wird, wollen sich Wenzel und die Ratsmitglieder „ein fundiertes Bild verschaffen“. Geklärt werden soll dabei vor allem, wie viel und welcher Wald betroffen ist. Die Wertigkeit der Waldabschnitte spiele dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, wie viel Wald für die Zuwegung gerodet werden müsste. Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel lädt aus diesem Grund die interessierte Bevölkerung zu einer Waldbegehung mit Gemeindeförster Tim Diekmann ein, bei der die favorisierten Standorte der Windräder erkundet werden können. Treffpunkt ist am Samstag, 18. April, um 10 Uhr am Parkplatz Billesweiher.

x