Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Folgen eine Miss-Wahl für Barbara Bonarrigo hatte

Lebte heute in Florida: Barbara Bonarrigo.
Lebte heute in Florida: Barbara Bonarrigo.

Sie war zarte 17, als sie von Alsenborn aus in die weite Welt auszog: Barbara Bonarrigo, die damals noch den Mädchennamen Reimund trug, nahm vor 40 Jahren an der Wahl zur „Miss World“ teil, zierte später als Model unzählige Magazin-Cover und war für ein Jahr mit Fürst Albert II. von Monaco befreundet, als dieser noch Erbprinz war. Heute lebt die 57-Jährige in der Nähe von Daytona Beach in Florida.

„The sunny side of the street“ ist sechs Stunden und 8000 Kilometer von Alsenborn entfernt. Dort lebt Barbara Bonarrigo gemeinsam mit ihrem Ehemann Thomas, einem Italoamerikaner, mit dem sie seit 1989 verheiratet ist und in dessen Metallbau-Unternehmen sie mitarbeitet. Kennengelernt hatten sich die beiden in der Schweiz. Zu einer Zeit, als Barbara Reimund bereits auf eine erfolgreiche Model-Karriere zurückblicken konnte. Mit allen „Nebengeräuschen“, die ein solches Leben mit sich bringt. Aber der Reihe nach.

Vier Jahre nach ihrer Hochzeit zog das Paar nach Florida, die Kinder Christina (31), Christopher (29) und Julianna (24) haben das Familienglück im Laufe der Jahre komplettiert. Barbara Bonarrigo war angekommen. Denn lange Jahre zählte sie zum internationalen Jetset, reiste von einem Fotoshooting zum nächsten und führte ein Leben auf der Überholspur. „Ich war auf der ganzen Welt, aber nirgends zuhause“, erzählt sie rückblickend im RHEINPFALZ-Gespräch.

Der Zufall hilft nach

Dabei begann die Model-Karriere eher zufällig. Aus einer Laune heraus nahmen Barbara und ihre Schwester Patrizia an der Wahl zur „Miss Pfalz“ teil. Patrizia gewann, ihre Schwester musste mit dem zweiten Platz vorliebnehmen. Das Problem: Mit 15 und 17 Jahren waren die Geschwister eigentlich noch zu jung, um an den weiterführenden Miss-Wahlen teilnehmen zu dürfen. Da Barbara aber einige Monate später 18 wurde, hielten die Veranstalter eine Teilnahme an der Wahl zur „Miss Rheinland-Pfalz“ für vertretbar. Sie wurde Zweite und behauptet heute: „Patrizia hätte damals sicher gewonnen, sie war wirklich bildschön.“

Im Hilton-Hotel in München landete Barbara Reimund bei der Wahl zur „Miss Germany“ auf dem zweiten Platz – und löste das Ticket für die Wahl zur „Miss World“ im November 1981. Marion Kurz, die eigentliche Titelträgerin, wurde von den Organisatoren zurückgezogen, da sie nach dem Halbfinale bei der Wahl zur „Miss Universe“ in einem Magazin zu viel Haut zeigte.

Die amtierende Miss trat zurück

Um weitere Skandale zu vermeiden, bekam die erst 17-jährige Barbara den Vorzug. Bereits ein Jahr zuvor fielen dunkle Schatten auf die Schönheitskonkurrenz: Die amtierende „Miss Germany“ Gabriella Brum trat nur einen Tag nach ihrem Sieg bei der Wahl zur „Miss World“ zurück, da ihr Freund angeblich mit dem Leben an der Seite einer Schönheitskönigin nicht einverstanden war. Späteren Berichten zufolge war sie zum Rücktritt gezwungen worden, weil es Nacktfotos von ihr gab.

Ein Jahr später also ein Déjà-vu für die Organisatoren. Und die Eintrittskarte in ein neues Leben für Barbara Reimund. Doch bevor es so weit war, absolvierte sie nach einem zweiten Platz bei der Wahl zur „Miss Nation“ in Marokko und einem fünften Platz bei der Wahl zur „Miss International“ in Japan in der Lauterer Modeboutique „Marie Luise“ erst einmal eine Ausbildung und lernte in einer Sprachschule Wirtschaftsenglisch. „Mir war das alles zu viel mit 17, trotz der vielen Angebote war ich noch nicht bereit für den Beruf des Models“, sagt sie rückblickend.

Fotografen stehen Schlange

Doch aufgeschoben war noch längst nicht aufgehoben. Star-Fotografen wie Irving Penn standen plötzlich Schlange. Es folgten Model-Aufträge für Yves Saint Laurent und Lacoste, die Laufstege in Mailand und Paris wurden zu ihrer zweiten Heimat. In Modemagazinen wie Vogue, Elle und Harper’s Bazaar zierte sie die Titelblätter, und für den Designer Manfred Schneider war sie das, was man wohl als Muse bezeichnet. Insgesamt fünf Jahre lang lebte Barbara Reimund in dieser Traumfabrik.

Mit 23 lernte sie Prinz Albert II. von Monaco kennen. Barbara ging im Fürstenpalast ein und aus. Mit dem damals ledigen Thronfolger war sie mehrere Tage lang zu Gast in Frank Sinatras Haus, lernte dort Schauspiel-Legenden wie Cary Grant, Gregory Peck oder Roger Moore, aber auch Regisseur Roman Polanski kennen. Sie lacht, wenn sie an die Zeit zurückdenkt. „Ich habe so viel erlebt und gesehen, aber irgendwann will man das Ganze hinter sich lassen.“

Die Alsenbornerin führt heute ein deutlich ruhigeres Leben. Neben ihrer Tätigkeit in der Firma ihres Mannes engagiert sich Barbara Bonarrigo bei der Vereinigung republikanischer Frauen in ihrer Region. Im vergangenen Jahr kandidierte sie für den County Council, eine Art Bezirksrat, und unterlag nur knapp ihrem Kontrahenten. Doch sie engagiert sich weiter, will konkrete Verbesserungen in ihrem County erreichen. Nur manchmal schaut sie sich noch die alten Model-Fotos und Hochglanz-Cover an. Erinnerungen an ein anderes Leben, das vor 40 Jahren mit dem zweiten Platz bei der Wahl zur „Miss Pfalz“ begonnen hatte.

Barbara und ihre Schwester Patrizia bei Wahl zur „Miss Pfalz“: Patrizia gewann.
Barbara und ihre Schwester Patrizia bei Wahl zur »Miss Pfalz«: Patrizia gewann.
Mit Prinz Albert II. von Monaco war sie einst befreundet, aber geheiratet hat sie vor über 30 Jahren ihren Mann Thomas.
Mit Prinz Albert II. von Monaco war sie einst befreundet, aber geheiratet hat sie vor über 30 Jahren ihren Mann Thomas.
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