Mehlingen
Was das Entsorgungsunternehmen Jakob Becker alles leistet
Tatsächlich übernimmt die Unternehmensgruppe, die in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen feiert, Aufgaben jeder Stufe des Abfallkreislaufs. „Nach der Aufbereitung der Abfälle entstehen hochwertige Rohstoffe und Produkte, die wir durch den Verkauf wieder in den Wertstoffkreislauf zurückführen möchten“, erklärt Thorsten Kohl, Geschäftsführer der Jakob Becker GmbH & Co. KG. Dazu gehörten beispielsweise Mutterboden oder Altholz für die Spanplattenindustrie. Unter anderem würden auch aus Kunststoff-Abfällen Recycling-Kunststoffprodukte hergestellt. So könnten Kunden auch Außenmobiliar wie Tische, Blumenkübel oder Komposter sowie Profile bei der WKR GmbH, die zur Becker-Gruppe gehört, erwerben, nennt der promovierte Wirtschaftsmathematiker einige Beispiele.
Knapp 400 Mitarbeiter am Hauptsitz
Am Hauptsitz in Mehlingen, zu dem auch die Niederlassung in Sembach gehört, sind aktuell knapp 400 Mitarbeiter beschäftigt, sagt Philipp Becker, Betriebsleiter des Standorts Mehlingen. 130 Lkw mit der auffälligen orangefarbenen Lackierung starten dort von dem Betriebsgelände aus. „Das sind die klassischen Müllautos, die der Bürger kennt, die den Hausmüll abholen“, ergänzt Kohl. Rund 200.000 Euro kostet so ein Fahrzeug, das mit einem speziellem Press-System ausgestattet ist, welches den gesammelten Abfall aus den Tonnen im Inneren des Fahrzeugs verdichtet.
Da das Unternehmen ein weit gefasstes Spektrum an Kanalservice-Leistungen mit Reinigung, Wartung und Sanierung anbietet, hält es in Mehlingen auch mehrere Fahrzeuge mit einer Kameratechnik zum Befahren von Abwasserkanälen dafür vor. Rund 400.000 Euro koste so ein Sprinterfahrzeug mit der entsprechenden Technik, erläutert Becker.
Papier und Kartonagen werden zu Ballen verpresst
Papier und Kartonagen, die im Landkreis Kaiserslautern in der blauen Tonne gesammelt werden, werden in Mehlingen mit einer großen Papierpresse zu Ballen verpresst. Diese gehen dann wieder zurück in die Papierindustrie. Während der Coronapandemie habe der Anteil an Kartonagen stark zugenommen. Seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs sei dieser allerdings wieder rückläufig, so Becker. Der Anteil an Zeitungs- und Schreibpapier habe in den vergangenen Jahren allgemein abgenommen.
Zurück in die Kreislaufwirtschaft geführt wird auch der Beton, der großteils von Abrissarbeiten stammt. In Mehlingen wird daraus Recyclingschotter hergestellt. In den Betonbrecher, in dem das Material zerkleinert und von Fremdstoffen gereinigt wird, hat das Unternehmen laut Becker im vergangenen Jahr rund 470.000 Euro investiert. Der Recyclingschotter wird dann in der Baubranche wiederverwendet.
Sachgerechte Lagerung von Sonderabfällen
Sonderabfälle wie Lösungsmittel, Farben oder Stoffe aus der Medikamentenherstellung könnten bei der Jakob Becker Entsorgungs GmbH sachgerecht zwischengelagert werden, erläutert der Geschäftsführer ein weiteres Aufgabenfeld. Die Auflagen seien deutlich höher als bei normalem Müll. Diese Art des Abfalls werde in speziellen, luftdicht abgeschlossenen Behältern an einer eigens dafür vorgesehenen Stelle auf dem Betriebsgelände gelagert. Diese sei mit einer entsprechend dafür vorgesehenen Bodenwanne ausgestattet. Von dort wird dieser Müll dann an diverse Verwertungsanlagen weitertransportiert. „Für den ganzen Prozess brauchen wir gut ausgebildete Chemiker in diesem Bereich“, unterstreicht Kohl, dass das Thema Sicherheit eine hohe Priorität habe.
An der Niederlassung in Sembach wird Gewerbeabfall sortiert und Ersatzbrennstoffe für die Zementindustrie werden hergestellt. Daneben bietet die Rhenus Becker GmbH & Co. KG dort Dienstleistungen sowohl zur Akten- und Datenträgervernichtung als auch zur Archivierung an: Herkömmliche Akten auf Papier werden geschreddert und zu Ballen verpresst. Festplatten, CDs und DVDs werden mechanisch zerkleinert. Im Gegensatz dazu können Kunden in dem dortigen Lagersystem ihre Akten auch physisch einlagern lassen. Dies werde häufig von Krankenhäusern und Banken genutzt, so Kohl.
Große Bandbreite an Berufen
Die Bandbreite an Berufen, die das Entsorgungsunternehmen beschäftigt, ist groß: Neben Chemikern arbeiten dort unter anderem auch Biologen, Geografen, Raum- und Umweltplaner, Ingenieure und Juristen. Kfz-Mechaniker reparieren die Fahrzeuge in der firmeneigenen Kfz-Werkstatt auf dem Gelände. Daneben sorgen noch eigene Lackierer dafür, dass die Fahrzeuge in dem auffälligen Orange erscheinen. Schlosser, Schweißer und Elektriker halten die Anlagen instand. Neben den Industriekaufleuten in der Verwaltung kümmern sich Fahrer, Lader, Sortierkräfte um die Abfuhr und Weiterverarbeitung des Mülls. „Wir sind einer der stabilsten Arbeitgeber der Region“, sagt der Geschäftsführer über das Unternehmen, das zurzeit zehn Azubis am Standort Mehlingen ausbildet. Die Mitarbeiter kämen aus einem Radius von rund 50 Kilometern.
Dringend Fahrer gesucht
Aber auch das Entsorgungsunternehmen spürt den Fachkräftemangel. Am dringendsten würden aktuell Fahrer, aber auch junge Leute für die Verwaltung mit einem guten Hochschulabschluss, wie etwa Informatiker und Ingenieure, gesucht. Um Nachwuchs zu rekrutieren, kooperiert das Unternehmen unter anderem mit dem Umweltcampus Birkenfeld, einem Außenstandort der Hochschule Trier, und ist auf Berufsmessen vertreten. „Eine gute Arbeitseinstellung, ein gewisses Maß an Fleiß und Identifikation mit der Firma“: Wer das mitbringe, habe bei Becker gute Chancen, so der Geschäftsführer. Viele der Mitarbeiter seien bereits seit vielen Jahrzehnten bei dem Unternehmen. „Diese Konstanz gilt heutzutage vielleicht nicht mehr als modern, ist aber bei uns ein Erfolgsrezept“, so Kohl.

