Weilerbach RHEINPFALZ Plus Artikel Warum das Bistro Café Stellwerk ein Betrieb mit besonderem Auftrag ist

Kümmern sich im Bistro Café Stellwerk um die Gäste (von links): Carolin Steinhauer, Vanessa Lorenz und Martina Kalker, die sich
Kümmern sich im Bistro Café Stellwerk um die Gäste (von links): Carolin Steinhauer, Vanessa Lorenz und Martina Kalker, die sich beim Ökumenischen Gemeinschaftswerk Pfalz um das Inklusionsprojekt kümmert.

Das Bistro Café Stellwerk liegt am Dorfplatz in Weilerbach. In dem etwas anderen gastronomischen Betrieb arbeiten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

Seit fast elf Jahren betreibt das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz, Westpfalz-Werkstätten, das Bistro Café. „Wir wollen viele Gäste ansprechen“, sagt Martina Kalker, die sich beim Ökumenischen Gemeinschaftswerk um das Inklusionsprojekt kümmert und den Gastrobereich der Westpfalz-Werkstätten koordiniert. Und das klappt offensichtlich, es ist immer etwas los im Betrieb. Das Café liegt nicht nur zentral, der Standort ist ideal für Radfahrer und Spaziergänger, da der Radweg direkt am Gebäude vorbei führt. Dessen moderne Architektur erinnert an die frühere Bahnhofshalle, alte Eisenbahnfotos schmücken die Wände. Selbstverständlich für das Inklusionsprojekt ist auch, dass das Gebäude barrierefrei gestaltet wurde – auch wenn sich manche Fußgänger erst mal an das Öffnen der Türen per Knopfdruck gewöhnen müssen.

Menschen für den ersten Arbeitsmarkt befähigen

Im Stellwerk arbeiten sieben Hauptamtliche, also gewerblich Beschäftigte und fünf Menschen mit Beeinträchtigungen. Hinzu kommen immer Leute aus den Westpfalz-Werkstätten, die mal in den Betrieb hineinschnuppern und ausprobieren, ob die Arbeit in der Gastronomie etwas für sie wäre. „Die Arbeitszeiten in drei Schichten und der Umgang mit Gästen – das ist schon Stress“, schildert Martina Kalker. Das Ökumenische Gemeinschaftswerk habe den Auftrag, die Menschen für den ersten Arbeitsmarkt zu befähigen. Und es klappt. „Wir bekommen viele positive Rückmeldungen. Die Leute haben aber auch Verständnis, wenn mal was nicht so gut läuft“, sagt Kalker.

Ins Stellwerk kommen Junge wie Ältere, Radfahrer ebenso wie Menschen, die auf den Bus warten, um einen Kaffee zu trinken. Im Sommer kehren die Kleinen von der Kita beispielsweise regelmäßig zum Eisessen ein. Und an einem ganz normalen Wochentag kommen kurz vor 12 Uhr die ersten älteren Ehepaare, die sich das Mittagessen schmecken lassen.

Die Karte des Stellwerks listet nämlich nicht nur Salate und kleine Gerichte sowie Hauptgerichte wie Schnitzel und Spaghetti sowie verschiedene Burger auf, es gibt auch jede Woche zwei Tagesgerichte und verschiedene Suppen – je nach Jahreszeit. Das Essen wird vor Ort hergestellt, doch der Küchenleiter des Gemeinschaftswerks in Landstuhl unterstützt, sodass die Mahlzeiten in Weilerbach fertiggemacht werden können. Das ist auch deswegen nötig, weil die Küche hier relativ klein ist.

Wechsel von Winter- auf Sommerkarte vor Ostern

„Renner“ sind laut Kalker Burger und Schnitzel, aber der Salat mit Ziegenkäse sei ebenfalls sehr gefragt. Auch Vegetarier und Veganer werden auf der Karte des Stellwerks fündig, an Gäste mit Unverträglichkeiten wurde ebenso gedacht. Warme Küche gibt es von 11 bis 14 und 17 bis 21 Uhr. Kuchen bezieht das Stellwerk von der Feinbäckerei Rohde aus Kaiserslautern, die leckere Auswahl wird in einer Glasvitrine präsentiert.

Von der Winter- auf die Sommerkarte wird jeweils kurz vor Ostern gewechselt. Was es aktuell an Speisen sowie saisonalen Suppen gibt, steht auf Tafeln angeschrieben. Und für die Kleinen gibt es eine eigene Kinderkarte mit den Klassikern.

Die Getränkekarte listet verschiedene Kaffee- und Teesorten auf, im Winter gibt es zudem beispielsweise Glühwein oder Latte Macchiato mit Eierlikör. Softdrinks und Bier dürfen nicht fehlen, beim Wein kommt fast alles aus der Pfalz, nur ein roter Italiener bildet die Ausnahme. „Wir beziehen alles vom örtlichen Weinhändler“, betont Martina Kalker. Was es aktuell an Aperitifs gibt, wird ebenfalls auf eine Tafel geschrieben, doch „Aperol geht immer“.

Arbeitsschritte gemeinsam erarbeiten

Das Stellwerk ist täglich außer dienstags geöffnet – und wenn dienstags ein Feiertag ist, kann ausnahmsweise auch eingekehrt werden. Nur über den Jahreswechsel sind Betriebsferien. Die Koordinatorin ist überzeugt: „Die Servicequalität braucht sich nicht zu verstecken.“ In der Außenarbeitsgruppe der Westpfalz-Werkstätten habe man die Chance, die Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigung zu erweitern. Dazu müssten die einzelnen Arbeitsschritte gemeinsam erarbeitet werden, teilweise mit Bildern, wenn die Menschen nicht lesen könnten, und diese immer wieder üben. Besonders schön findet es Kalker, Fortschritte bei den Mitarbeitenden zu beobachten. Auch die Größe des Bistro Cafés sei genau richtig: „Jeder unterstützt jeden, das klappt gut.“

Und bei besonderen Veranstaltungen, beispielsweise dem Valentinsmenü oder am Muttertag, ist sie auch vor Ort, um die Frauen und Männer zu unterstützen. Geburtstage oder Trauerfeiern können ebenfalls ausgerichtet werden. Besonders viel los ist im Stellwerk, wenn auf dem Dorfplatz der Bauernmarkt stattfindet oder das Weihnachtsdorf aufgebaut wird. Doch auch an ganz normalen Tagen lockt das Gebäude mit seiner roten Farbe viele Vorbeifahrende zur Einkehr. Zu den 40 Sitzplätzen im Inneren kommen im Sommer noch einmal 40 draußen. „Das Stellwerk ist eine echte Bereicherung für Weilerbach“, sagt denn auch ein Gast.

Info

Geöffnet ist täglich außer Dienstag von 11 bis 22 Uhr.

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