Kaiserslautern
Trotz Uni-Nähe: Zu wenig Innovationskraft im Landkreis?
Wie ist die Stimmung in den acht pfälzischen Landkreisen? Um das besser einschätzen zu können, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz erstmals eine Standort-Umfrage in den Kreisen gestartet. 60 Prozent ihrer Mitglieder sind dort beheimatet. Befragt wurden rund 43.000 Unternehmen, der Rücklauf lag bei sechs Prozent. Trotzdem sei das Ergebnis repräsentativ, es spiegele alle Größen und Branchen wider und decke sich mit den Strukturdaten des Statistischen Landesamts, so Veronika Pommer, IHK-Regionalleiterin für die Nordwestpfalz, und Nicole Rabold, Leiterin des IHK-Geschäftsbereichs Infrastruktur und Digitale Wirtschaft, beim Pressegespräch am Freitag.
Was die IHK betont: Im Gegensatz zu den Standortumfragen in den kreisfreien Städten sei der Vergleich zwischen den Landkreisen kein direktes Ranking. Dazu seien die Strukturen zu unterschiedlich. So habe der Kreis Kaiserslautern im Gegensatz zu Nachbarkreisen wie Kusel und Donnersbergkreis beispielsweise einen höheren Anteil an Unternehmen unter fünf Jahren. Darüber hinaus sei die Bevölkerungsdichte größer, er zähle also mehr Einwohner.
Mangel an Auszubildenden
Über gemeinsame Projekte und Verkehrsinfrastruktur sowie die gemeinsame Wirtschaftsförderungsgesellschaft profitiere der Kreis von der Nähe zur Stadt. Der Wermutstropfen liegt laut IHK darin, dass die Entwicklung seit dem Jahr 2020 zwar von einem guten Viertel der Unternehmen positiv bewertet wird, ein ebenso großer Anteil sie aber als negativ einstufe. Zudem bleibe die Bewertung der Wirtschafts- und Innovationskraft im Kreis trotz der Nähe zum Hochschulstandort Kaiserslautern unter dem Durchschnitt der Pfälzer Landkreise.
Diese Nähe wirke sich außerdem nicht positiv auf das Reservoir an Fach- und Arbeitskräften aus. Bei der Verfügbarkeit von Auszubildenden und Berufseinsteigern bilde der Kreis Kaiserslautern in der Umfrage sogar das Schlusslicht. Wie bei allen Beurteilungen könnten die Gründe vielfältig sein, so Pommer. Zum Beispiel könnten die jungen Leute in Kaiserslautern studieren, statt im Landkreis eine Ausbildung zu machen, und danach die Region verlassen.
Große Heimatverbundenheit
Das große Pfund ist gemäß Umfrage die Heimatverbundenheit – auch bei den Unternehmen. Dafür sei an anderer Stelle noch Luft nach oben, und zwar dort, wo es um die Entwicklung gehe. Mehr Gewerbeflächen seien ein Thema, ebenso bezahlbarer und dennoch attraktiver Wohnraum. Eher schlecht beurteilt werden Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Kommunalpolitik, und zwar mit durchweg weniger als fünf von zehn möglichen Punkten. Es geht um Bearbeitungszeiten, Online-Angebote, Steuern und andere Abgaben. Das heißt aus Sicht der IHK: Wenn Unternehmen die Infrastruktur mitfinanzieren, wollen sie auch Leistung zurückzuerhalten.
„Wir haben belastbare Zahlen und auch die Stimmung eingefangen“, fasst Veronika Pommer zusammen. Der Arbeitsauftrag sei klar: Unternehmen noch stärker zu unterstützen und dabei den Schulterschluss mit den Kreisen und der Wirtschaftsförderung zu proben. Klar sei aber auch: Weder IHK noch Kommunen könnten das aktuelle Marktgeschehen, sprich: die schwierige wirtschaftliche Gesamtlage angesichts Fachkräftemangel, hoher Energiepreise oder zu viel Bürokratie, ändern.
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