Interview
Kreischef: Bestätigt unsere Forderung nach „Masterplan Westpfalz“
Herr Leßmeister, ist das Ergebnis für Sie überraschend?
Das Gesamtergebnis ist erfreulich, da unser Landkreis im Vergleich etwas besser positioniert ist. Allerdings zeigt die Umfrage, dass sich die Westpfalz schwer tut. Die Gründe liegen in unseren strukturellen Nachteilen, die durch die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen noch verstärkt werden. Zusammengefasst könnte ich mich jetzt über unsere bessere Platzierung freuen. Aber über ein besseres Abschneiden der gesamten Westpfalz würde ich mich mehr freuen.
Wie überraschend sind denn die 6,0 für die Gesundheitsversorgung angesichts der öffentlichen Debatte um die Ärzteversorgung und das Westpfalz-Klinikum?
Es spiegelt unsere intensiven Bemühungen um eine bessere Ärzte- und Gesundheitsversorgung leider nicht wider, vor allem nicht nach unserer interkommunalen Initiative „Ärzte für die Westpfalz“.
Wie ordnen Sie die Kritik, die Verwaltung bleibe hinter den Erwartungen zurück, ein?
Man darf nicht übersehen, dass es sich hier um ein aktuelles Stimmungsbild handelt, das auch durch externe Faktoren beeinflusst wird. Damit wir in Politik und Verwaltung etwas verändern können, benötigen wir konkrete Fakten von der IHK. In diesen finanziell schwierigen Zeiten müssen wir priorisieren – und dafür braucht es gute Analysen. Jeden Wunsch können wir natürlich nicht erfüllen.
Und wie sehr schmerzt das fehlende „offenen Ohr“?
Das schmerzt schon, weshalb wir uns mit der Umfrage und dessen Umfragedesign eingehend beschäftigen. Bedauerlicherweise können wir der Umfrage nichts Konkretes entnehmen. Sind damit politische Vertreter gemeint? Institutionen wie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFK)? Verwaltungsmitarbeiter? Oder vielleicht sogar Landes- oder Bundestagsabgeordnete? Eventuell haben sich hauptsächlich Unternehmen zurückgemeldet, die mit den Institutionen unserer Verwaltung oder der WFK oder auch politischen Vertretern keine direkten Kontakte hatten. Vielleicht ist die Gruppe der Zufriedenen schlichtweg still? Insofern bleibt nach dieser Umfrage vieles für uns undurchsichtig.
Trotzdem: Fühlen Sie sich durch die Umfrage in der Forderung nach einem Masterplan Westpfalz bestätigt bzw. legen Sie die Umfrage-Ergebnisse in Mainz vor?
Natürlich bin ich weiterhin mit meinen beiden Landratskollegen aus Kusel und dem Donnersbergkreis der Meinung, dass der „Masterplan Westpfalz“ dringend notwendig ist. Die dort angesprochenen Punkte sind zu lösen, und wir hoffen, dass die Landesregierung das auch so sieht. Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat uns gegenüber bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Gibt es denn auch schon einen Termin?
Bislang noch nicht.
