Kreis Kaiserslautern
Schwedelbach: Ziegenzüchter unterstützt mit Almauftrieb seiner Herde Kindergartenprojekt
Zum „Almauftrieb“ ihrer Ziegen hatten Michael und Sabine Gras aus Schwedelbach für Sonntagmittag eingeladen. Erstmals siedelte ihre Herde unter dem Motto „Ziegen laufen für Afrika“ von ihrem Winterquartier auf die Weide außerhalb des Dorfes um. Der Erlös aus dem Verkauf von Speisen und Getränken kommt einem Hilfsprojekt in Awaka/Nigeria zugute.
Die Glöckchen am Hals von Mia, Ida und einigen anderen Ziegen bimmeln fröhlich. Die elfköpfige Herde wartet auf der Wiese eines Anwesens in der Schwedelbacher Hauptstraße auf ihren Spaziergang. Zu ihnen haben sich etwa 50 Mitläufer auf zwei Beinen gesellt, die sie auf ihrem Weg zur „Alm“ begleiten werden. Seit einigen Jahren lädt Züchter Michael Gras im Frühjahr und im Spätherbst zu diesem geselligen Auf- und Abtrieb ein. Diesmal jedoch für einen guten Zweck.
Kaum ist das Gatter geöffnet, setzen sich Mensch und Tier in Bewegung. Einige der älteren Tiere werden am Strick geführt, während die drei im März geborenen Zwillingspärchen aufgeregt um ihre Mütter herum hüpfen. Michael Gras und seiner Frau Sabine fällt es nicht schwer, einen kurzfristigen Hirten zu finden. Einer davon ist Ortsbürgermeister Dieter Hirsch, der nicht zum ersten Mal dabei ist. „Wunderbar, ganz wunderbar“, bezeichnet er lachend die Erfahrung, von der Geiß Emma nach vorne gezogen zu werden. Er findet auch lobende Worte für die Züchterfamilie, die die Tiere auf der Wiese außerhalb des Dorfes zuverlässig versorge und immer zu diesem kleinen Event einlade. „Diesmal ist es doppelt gut, weil es ja für den guten Zweck ist.“
Zustande kam die Unterstützung für das Hilfsprojekt über Christina Mayer, die gemeinsam mit Michael Gras musiziert. Sie ist genauso wie ihre Mutter Ulrike Mayer und Sabine Paulus beim Almauftrieb mit von der Partie. Die beiden Frauen sind die treibenden Kräfte für den Neubau eines Kindergartens in Awaka/Nigeria. „Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung“, sagt Mayer.
Mit schnellem Schritt geht es aus dem Dorf und weiter zur Anhöhe am Rande eines kleinen Waldgebiets. Eilig haben es die weiß-braun-schwarz-gescheckten Vertreter der Tauernscheckenziege, einer gefährdeten Nutztierrasse aus den Alpen. Vor allem Mia, die von dem Nachwuchshirten Noah am Strick geführt wird. „Sie will immer die Nase vorne haben“, erzählt der Bub, der die straff gezogene Leine fest in seinen Händen hält und Gras’ Herde bestens kennt.
Täglich habe er in den Wintermonaten die Ziegen im Stall besucht, um nach ihnen zu sehen und sie auch mal zu füttern, berichtet sein Vater Stefan Müller. Auch im Sommer sei dem jungen Tierfreund der Weg zur Alm nicht zu weit. „Der ist super“, lobt Michael Gras den Jungen. „Er hat ein gutes Händchen für die Ziegen. Selbst kleinste Nuancen im Aussehen oder im Verhalten entgehen ihm nicht.“
Oben angekommen, öffnet Gras das Gatter und die Herde erstürmt das Terrain. Die Ziegen stecken ihre Nasen ins frische Grün, zupfen daran und beginnen sofort, davon zu kosten. Kaum ist der erste Appetit gestillt, beginnt das Erkunden des Geländes. Ein Großteil der Gruppe hat sich an der Einzäunung versammelt, um dieses Schauspiel zu verfolgen. Gerade die Kitze tollen wild herum. Sie hüpfen und springen mit allen Vieren gleichzeitig in die Höhe. Sie erklimmen immer wieder die Böschung, um dann aus erhöhter Position über die Rücken der anderen zu springen und beginnen dann von vorne.
Unter drei Pavillons stehen Getränke und Speisen bereit. Die Anwesenden greifen gerne zum Brot mit Ziegenkäse, zu Käsespießen und einem Getränk. Der Ziegenzüchter freut sich über die Gäste – diesmal sind es doppelt so viele wie sonst. Ihm sei es ein Anliegen, naturverbundene und tierfreundliche Menschen zusammenzubringen und „im Kleinen Gutes zu tun“. Bis in den frühen Abend haben die Teilnehmer noch beisammen gestanden, berichtet er. Geschätzte 400 Euro seien eingenommen worden.