Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schrollbach: Bei der Kerwe wird an die 600-jährige Dorfgeschichte erinnert

In Spendierlaune: Ralf Hechler (auf der Bühne links) gibt das Geld für die 200 Liter Freibier. Das freut die Festgäste im Schrol
In Spendierlaune: Ralf Hechler (auf der Bühne links) gibt das Geld für die 200 Liter Freibier. Das freut die Festgäste im Schrollbacher Kerwezelt.

Dreifachen Grund zum Feiern hatten die Schrollbacher am vergangenen Wochenende. Der Niedermohrer Ortsteil beging seine Zeltkerwe mit einem Festakt zum 600-jährigen Bestehen des Dorfes und der Ausrichter der Zeltkerwe, der Verein Fröhlicher Feierabend, wurde 40 Jahre alt. Am Sonntag war zum offiziellen Festakt geladen.

Kaum ein Platz im Schrollbacher Kerwezelt ist noch frei, und auf der Bühne hat die Werkvolkkapelle Niedermohr ihren Platz eingenommen. Der Vormittag hatte zuvor erstmals mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen, an dessen Gestaltung der Gemischte Chor und der Frauenchor beteiligt waren. Danach führt Ortsbürgermeister Uli Zimmer (CDU) die Gäste durch die 600-jährige Geschichte des Dorfes. Er beginnt mit einem Zitat des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU): „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ Seinen historischen Abriss beschließt er mit einer Viehzählung von 1904 und leitet über zu den heute knapp über 500 Einwohnern und 178 Hunden im Dorf.

Als Gratulant ergreift Ralf Leßmeister (CDU), der Landrat, das Wort. Nicht nur in dieser Funktion, sondern auch als „Spesbacher Nachbarsbu“ sei er gekommen. Sein Dank gilt dem Historiker Roland Paul und dem ehemaligen Wochenblattredakteur Eckhard Richter, die die heimatgeschichtliche Aufarbeitung übernommen haben. „Schrollbach ist nicht nur ein Ortsteil von Niedermohr, es zeichnet sich durch seine eigenen und besonderen Aktivitäten aus“, sagt er und zollt dem Verein Fröhlicher Feierabend für sein bürgerschaftliches Engagement Anerkennung. Mit den Worten „Zukunft braucht Herkunft“ betont er die Bedeutung des Auseinandersetzens mit der Vergangenheit, um Orientierung zu geben.

Ramstein-Miesenbachs Verbandsbürgermeister Ralf Hechler (CDU) verkündet den Sieg beim Kerwespiel und hat einen Blick in die Statistik geworfen. Mit 506 Bürgern sei Schrollbach zwar der kleinste der drei Ortsteile, aber es seien nicht alle tierischen Bewohner wie etwa das Damwild im Gehege erfasst worden. Würden Richters Bienenstöcke mitzählen, könne die Bruchstraße, in der er wohnt, den höchsten Bevölkerungsanteil verzeichnen.

Im Anschluss an den offiziellen Teil stellt sich die Kindertagesstätte Sterntaler aus Niedermohr mit einem flotten Tanz vor. Im hinteren Bereich des Zeltes zeigt Richter aus seinem persönlichen Archiv Bilder und Zeitungsausschnitte über die Aktivitäten des Vereins Fröhlicher Feierabend, die er in seiner 40-jährigen Tätigkeit als Fotograf und Redakteur angefertigt hat. Ihm war es wichtig, unwiederbringliche Augenblicke festzuhalten. Pfingstquack, Theatergruppe, Maibaumfest und vor allen Dingen die Kerwen sind auf den Bildern zu erkennen. Da wird auf die Gesichter gezeigt, wiedererkannt, sich erinnert und gelacht.

Die 17-köpfige Straußjugend hat einen eigenen Tisch im Zelt. Einige der jungen Leute stärken sich noch, bevor sie zum Bürgerhaus ziehen, wo sie sich mit den 20 Straußkindern im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren treffen, um dann gemeinsam zum Kerweplatz zu ziehen. Die Kids haben unter Anleitung von Jessica und Christina Lampath ihren eigenen Strauß geknibbelt und sind auch an der Kerwerede beteiligt.

Auf dem Platz sind Kinderflieger, Buden und eine Messekonditorei aufgebaut. Freitags wurde mit einem Beerpongturnier gestartet und Samstagabend mit der Band „Barbed Wire“ aus Tauberbischofsheim gefeiert. Am frühen Sonntagnachmittag öffnet der Künstler Konrad Schmitt sein Atelier. Am Montag klingen die Kerwetage mit Frühschoppen, Wellfleischessen und Unterhaltungsmusik aus.

Für das Dorf- und das kleine Vereinsjubiläum hat der ehemalige Schrollbacher Wolfgang Rinder 200 Liter seines selbst gebrauten Bieres gespendet. Das Bühnenbild, auf dem die katholische Kirche und das Dorfgemeinschaftshaus zu sehen sind, stammt aus dem Fundus der ehemaligen Theatergruppe. Gestaltet wurde es vor 20 Jahren von Bernhard Schmitt, dem Ehrenvorsitzenden der Fröhlichen Feierabendler.

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