Kreis Kaiserslautern Sammelleidenschaft trotzt Zeitgeist

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Eine Modelleisenbahn und Spielwarenbörse mutet anachronistisch an in einer Zeit, in der die Welt vernetzt, verkabelt erscheint und Spiele der Unterhaltungsbranche Kinderzimmer und öffentliches Leben längst erobert haben. Doch das besondere Jubiläum der 44. Börse – veranstaltet von den „Modelleisenbahnfreunden Westpfalz“ – mit Ausstellung im Ramsteiner Haus des Bürgers machte am Sonntag deutlich, dass es zur virtuellen Welt auch eine stabile Gegenposition gibt.

Im Gespräch mit dem Organisationsleiter Günther Wenner und seinem Assistenten und Neffen Thomas Wenner aus dem Großraum Trier wird deutlich, dass der Spieltrieb und die damit verbundene Sammelleidenschaft dem Zeitgeist trotzen: Der konstant gute Besuch mit rund 500 Gästen zeige, dass die von 40 Ausstellern und Vereinen aus dem Saarland, der Pfalz und weiten Teilen Deutschlands - bis zur Schweiz - angebotenen und gezeigten Spielwaren nichts an Attraktivität verloren haben. Zu den aufgebauten Modelleisenbahnen und Autobahnen kamen Zubehör, Puppen, Blechspielzeug, nachgebaute Jahrmärkte und vieles mehr an Raritäten und Kuriositäten, die oft im Fachhandel nicht mehr erhältlich sind und hier Kindheitserinnerungen lebendig werden ließen.

Die Börse diene daher dem An- und Verkauf, dem Tausch und kompletten Handel dieser Liebhaberstücke, die – so Wenners Beobachtungen – einerseits die noch unvoreingenommenen und begeisterungsfähigen Kindergarten- und Grundschulkinder besonders ansprechen. Und schließlich nach Generationslücken wieder die „großen Kinder“ über 50, die sich jetzt in Hobbyräumen ihre Jugendträume nach und nach selbst erfüllen. Daher besteht der Reiz der Ausstellung auch darin, dass auf Teststrecken die Neuerwerbungen auch gleich gefahren werden können, ein reger Gedankenaustausch stattfindet und Neuerungen vorgestellt werden können.

Trotz des nostalgischen Flairs, der über alten Schuco-Spielzeugautos mit Modellen der 50er Jahre lag, ist die Zeit doch nicht spurlos an diesen Anlagen vorbeigegangen und bekräftigt eher noch den Reiz des zeitlosen Hobbys: Wenner nennt als Beispiele digitale Loks, sodass mehrere gleichzeitig im einprogrammierten Abstand auf einem Gleis fahren können. Bei den Autos sei die Verwendung von verschiedenen Lichtarten (etwa Front- und Rückstrahler sowie Sirenen) immer detaillierter und aufwändiger. Bastler finden nicht nur im Modellbau, sondern auch bei der Umstellung von Wechsel- auf Gleichstrom interessante Aufgabengebiete; manch einer entdecke, so Wenner, Marktlücken und biete seine Errungenschaften auch an.

Da bei den Eisenbahnen alle Spuren angeboten wurden, konnten auch die für den Außenbereich geeigneten überdimensionierten bestaunt und erworben werden. Fachgeschäfte und Fachwissen – inzwischen in diesem Sektor von Seltenheitswert – fand man am Sonntag in einer geballten Intensität, die Verkäufer standen mit Rat und Tat (bei kleineren Reparaturen) zur Seite. Manche Lücke konnte so bei den häuslichen Modellanlagen geschlossen oder um eine Attraktion bereichert werden. So wurde das Ramsteiner Haus des Bürgers wieder zum Mekka der Anhänger von Modellbahnen. (rhe)

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