Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Kläranlagen: Jetzt geht es den Spurenstoffen an den Kragen

Begutachten „SpurO“ (von links): Bürgermeister Peter Degenhardt, Henning Knerr von der RPTU und Ministerin Katrin Eder.
Begutachten »SpurO« (von links): Bürgermeister Peter Degenhardt, Henning Knerr von der RPTU und Ministerin Katrin Eder.

Drei Jahrzehnte lang wurde daran gearbeitet, ab 2025 ist sie nun verbindlich: „Karl“, die neue Kommunalabwasserrichtlinie der Europäischen Union. Diese hat auch Auswirkungen für viele Kläranlagen-Betreiber. Einfach gesagt, muss das Abwasser sauberer werden, und das mit weniger Energie.

Damit das Abwasser sauberer wird, müssen nun auch Spurenstoffe entfernt werden. Das sind beispielsweise Rückstände aus Kosmetik, Putzmitteln und Medikamenten oder Einträge aus Industrie und Landwirtschaft. Dafür ist die sogenannte vierte Reinigungsstufe ein Baustein – zusätzlich zu den bestehenden mechanischen, biologischen und chemischen Reinigungsschritten. Es gilt, Verfahren zu entwickeln, die auch bezahlbar sind.

In Rheinland-Pfalz sind laut Umweltministerium aktuell 65 der 660 Kläranlagen betroffen. Dort muss die vierte Reinigungsstufe stufenweise umgesetzt werden. Die ersten Fristen enden 2033, die letzten 2045. Zu diesen 65 Anlagen gehören alle, die für mehr als 150.000 Einwohner ausgelegt sind. Hinzu kommen kleinere Anlagen – für eine Einwohnerzahl von 10.000 bis 150.000 –, bei denen die Gewässerbelastung aber aufgrund anderer Gründe hoch sein kann.

Landstuhl punktet mit „SpurO“

Dazu zählt die Kläranlage der Verbandsgemeinde Landstuhl (Kreis Kaiserslautern), die Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) jetzt besucht hat. Ausgelegt auf 50.000 Menschen, gehören auch zwei Krankenhäuser und die Air Base Ramstein zum Einzugsgebiet. Seit Monaten läuft ein Forschungsprojekt namens „SpurO“ mit dem Ziel, für eher kleine Kläranlagen ein einfaches und kostengünstiges Verfahren zu entwickeln und zu erproben, um Spurenstoffe aus dem Abwasser zu holen. Ein Schwerpunkt: die Kombination eines technischen Verfahrens, bei dem Aktivkohle eingesetzt wird, mit einem naturnahen, bei dem Schilf als Bodenfilter dient.

Rheinland-Pfalz bereite sich seit Jahren auf diese Entwicklung vor, sagte die Ministerin in Landstuhl. Dazu gehört ab jetzt auch eine Beratungsstelle Abwasser, die zusammen mit der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) eingerichtet wurde. An sie können sich alle Kläranlagen-Betreiber wenden, die eine vierte Reinigungsstufe brauchen. Sie soll die Kommunen kostenlos bei ihren Planungen unterstützen.

Mit der Beratungsstelle werde die seit langem bestehende gute Kooperation mit dem Umweltministerium ausgeweitet und vertieft, unterstrich Professorin Heidrun Steinmetz, Leiterin des Fachgebiets Ressourceneffiziente Abwasserbehandlung an der RPTU am Standort Kaiserslautern.

Südpfalz vorne

Neben Landstuhl haben sich auch schon andere Kläranlagen-Betreiber auf den Weg gemacht. Nach Angaben Eders haben 15 bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt, finanziell unterstützt vom Land. Drei davon – Edenkoben, Jockgrim und Schwegenheim in den Kreisen Südliche Weinstraße und Germersheim – hätten bereits die Genehmigungsplanung gestartet, in Mainz werde bereits gebaut. Und natürlich werde auch die Kläranlage Untere Ahr, die nach der Flutkatastrophe neu entsteht, mit der vierten Reinigungsstufe ausgestattet.

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