Katzweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Katzweiler: Die Anzahl der Störche stagniert, dennoch ist einiges in und um die Nester los

Ein Storch sucht in einem Tümpel nach Froschlurchen.
Ein Storch sucht in einem Tümpel nach Froschlurchen.

In diesem Jahr haben in Katzweiler bislang weniger Storchenpaare als im Vorjahr Nester bezogen. Dennoch ist in der Luft und auf den Dächern einiges los.

Offensichtlich stagniert die Anzahl der in Katzweiler nistenden Weißstörche. 2025 hatten sich noch 24 Storchenpaare in Katzweiler niedergelassen, wie der digitalen Karte von Sebastian Loepp, Vorsitzender des Vereins Katzweiler Touristik, zu entnehmen ist. In diesem Jahr sind bislang lediglich 23 Nester belegt.

Das Interesse sowohl der einheimischen Bevölkerung als auch von auswärtigen Gästen am Storchenboom in Katzweiler sei allerdings ungebrochen, freut sich Loepp. Vor allem der Radweg entlang der Bahngleise biete einen herrlichen Panoramablick auf viele Storchennester. Besonders beeindruckend sei die „Wohngemeinschaft“ auf dem Dach des ehemaligen Landgasthofs Christmann, wo sich auf und unter einer Mobilfunkantenne gleich drei „Kinderstuben“ auf engstem Raum befinden. Loepps Karte, die der Förderung des Tourismus dienen soll, kann im Internet unter www.katzweiler.de/stoerche aufgerufen werden.

Viel ist in Bewegung

Die Frage, wodurch der leichte Rückgang der Katzweilerer Storchenpopulation bedingt sei, könne nicht eindeutig beantwortet werden, sagt Gerhard Wilking. Derzeit gehe es noch ein wenig drunter und drüber bei den anwesenden Störchen. Der mittlerweile 87-jährige frühere Vorsitzende des Katzweilerer Vogelschutzvereins hat seit 2010 alle Storchensichtungen im Raum Katzweiler registriert und seine Beobachtungen weitgehend mit Fotos und Videos belegt. Während auf manchen Nestern schon fleißig geklappert werde, werde um andere Nester und Partner noch heftig gestritten.

Auf manchen Nestern lasse sich bislang nur ein Storch blicken. Und wie man an den Ringen erkennen könne, seien einige Störche noch gar nicht aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt, darunter auch das erste hier brütende Weibchen, bedauert Wilking. Es sei ohnehin zu vermuten, dass auch Katzweilerer Störche der im Herbst in Spanien wütenden Vogelgrippe zum Opfer gefallen seien. Da die Katzweilerer Jungstörche seit Jahren nicht mehr beringt würden, sei es überdies nicht einfach, die Stammgäste von fremden Störchen zu unterscheiden, bekennt Wilking.

Wenige Jungstörche überlebten

Wie Wilking aus seinen Aufzeichnungen entnehmen kann, überlebten im vergangenen Jahr in Katzweiler nur zwölf Jungstörche, obwohl in allen Nestern gebrütet wurde und jeweils zwei bis drei Junge schlüpften. Bei dem damals vorherrschenden nasskalten Wetter während der Brut- und Aufzucht seien viele Jungstörche umgekommen. Des Weiteren sei ein Tier vom Zug überfahren worden.

Alfred Klein vom Naturschutzbund (Nabu) in Weilerbach hält es für denkbar, dass der engere Raum um Katzweiler einfach nicht mehr aufnahmefähig für weitere Brutpaare ist. Schließlich verlangten sowohl die Alt- als auch die Jungstörche aus 23 Nestern nach ausreichender Nahrung. Als Indiz für diese Vermutung könnte gewertet werden, dass sich mittlerweile auch in den umliegenden Dörfern Störche angesiedelt haben beziehungsweise immer noch ansiedeln.

So ist zum Beispiel in diesen Tagen am Rande des Weilerbacher Naherholungsgebiets Busenwiesen ein Storchenpaar beim Bau eines neuen Nestes zu beobachten. Offenbar sieht man auch andernorts die Aufnahmefähigkeit eines lokalen Lebensraums für Störche als erschöpfbar an. So zitierte zum Beispiel Christina Fleischanderl in einem Internetbeitrag Hans Drumm von den Storchenfreunden Glantal im Hinblick auf die Situation in Theisbergstegen: „Jetzt sind es schon fast zu viele.“

Gibt es genügend Nahrung?

Erwachsene Störche benötigen täglich etwa ein Siebtel ihres Körpergewichts an Nahrung. Diese besteht aus Regenwürmern, Insekten, Schnecken, Froschlurchen, Maulwürfen, Mäusen, Ratten, Fischen, Eidechsen, Schlangen und Aas. Das entspricht bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von 3,5 Kilogramm einem Nahrungsbedarf von 500 Gramm täglich. Küken werden weitgehend mit Regenwürmern, Insekten und Kleinfröschen gefüttert. Die Katzweilerer Storchenkolonie zählt bei günstiger Witterung im Mai einschließlich des Nachwuchses 80 bis 100 Tiere. Daraus könnte man also durchaus schließen, dass diese große Anzahl hungriger Schnäbel insbesondere für die Amphibienbestände zu einer erheblichen Belastung führen könnte.

Der ebenfalls in Theisbergstegen wohnende Manfred Conrad, der um 2010 die Katzweilerer Storchenpopulation gemeinsam mit Gerhard Wilking und Uwe Fritzinger begründete, ist hingegen der Ansicht, dass die Natur da sehr anpassungsfähig sei. Er halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass eine Art ihre Beutetiere selbst auslöschen würde. Im Übrigen sei es für Störche kein Problem, auch in der weiteren Umgebung ihrer Standorte nach Nahrung zu suchen. Conrad nennt hier einen Umkreis von 30 Kilometern als normal. Er schließe nicht aus, dass sich die Katzweilerer Storchenkolonie in den kommenden Jahren sogar noch vergrößern könnte.

Auf dem Dach des ehemaligen Landgasthofs Christmann in Katzweiler hat sich eine „Wohngemeinschaft“ mit drei „Kinderstuben“ gebil
Auf dem Dach des ehemaligen Landgasthofs Christmann in Katzweiler hat sich eine »Wohngemeinschaft« mit drei »Kinderstuben« gebildet .
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