Kreis Kaiserslautern
Gastronomen im Landkreis Kaiserslautern gehen optimistisch in den Neustart
Denis Strak, der gemeinsam mit Simon Leppla das Restaurant „puur!“ in Weilerbach führt, atmet auf. „Wir sind froh, wieder öffnen zu dürfen und unsere Mitarbeiter sind froh, dass sie wieder arbeiten können“, sagt er. Mit einer gehörigen Portion Optimismus haben die beiden Geschäftsführer schon Anfang vergangener Woche und damit vor der Entscheidung der Bundesregierung begonnen, sich auf den Start vorzubereiten. „Davor haben wir die Zeit genutzt, um Arbeiten zu erledigen, die bei vollem Betrieb nicht möglich gewesen wären“, erzählt Strak. Mit Blick auf die vergangenen Wochen und das herrliche Wetter sagt er: „Das ist schon ein Riesenposten, der uns da entgangen ist.“
„Außengeschäft nur begrenzt möglich“
Die beiden Geschäftsführer sind sich aber noch nicht im Klaren, wie die gesetzlichen Vorgaben mit Mindestabständen umgesetzt werden können. „Für uns ist es schwer. Wir haben eine kleine Terrasse, dadurch ist das Außengeschäft nur sehr eingeschränkt möglich“, beschreibt er die örtlichen Gegebenheiten. Können regulär 18 Personen draußen Platz nehmen, werden es jetzt deutlich weniger. Wie viele genau, kann Strak gar nicht sagen. „Wir sind noch am Tische umstellen und ausmessen.“
Gleiches geschieht im Innenbereich. Dass sich mit weniger Gästen auch die Einnahmen verringern, ist ihm mehr als bewusst. Aber: „Besser 60 Prozent als gar nichts“, betont er. Der Mundschutz für die Servicemitarbeiter und sicherheitshalber auch für das Küchenteam liegen bereit. Für Gäste stellen die Geschäftsführer im Eingangsbereich Desinfektionsmittel zur Verfügung.
Erste Reservierungen entgegen genommen
Einen Abhol- und Lieferservice hatten die Gastronomen übergangsweise nicht eingeführt. Jetzt schauen sie nach vorne. Strak kann Positives berichten: „Am Mittwoch öffnen wir ab 16 Uhr und wir haben schon Reservierungen entgegengenommen. Es zeichnet sich ab, dass sich die Leute darauf freuen.“
Das Hotel-Restaurant Zum Schwan in Trippstadt ist ein Familienbetrieb. Im Sommer 2019 wuchsen erste Pläne zu einer Umfirmierung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Am 12. März war es nun soweit: Anne Schmitt, die Schwester der bisherigen Inhaberin Anke Henzelmann, übernahm die Geschäftsführung. Doch nur wenige Tage später, am 18. März, folgte der Lockdown. „Bei der Gewerbeanmeldung war das Virus noch in China“, berichtet Schmitt darüber, dass zu diesem Zeitpunkt die Auswirkungen für sie noch nicht einschätzbar waren.
Mit dem Wechsel in der Hausleitung gingen auch finanzielle Belastungen einher, aber: „Die Soforthilfe konnten wir nicht in Anspruch nehmen“, erzählt sie weiter. Denn unglücklicherweise lag der Stichtag dafür auf dem 11. März und damit nur einen Tag vor der Gewerbeanmeldung. Bezüglich vergünstigter Darlehen sei sie noch in Gesprächen mit der Bank. Doch trotz der ungünstigen Startbedingungen ist Schmitt optimistisch. „Wir konnten diese Zeit überbrücken und hatten damit gerechnet, dass wir den kompletten Sommer schließen müssen.“
„Abholservice ein Tropfen auf den heißen Stein“
Um dennoch etwas Umsatz zu machen, wurden Speisen über das „offene Fenster“ zum Mitnehmen angeboten und auch ausgeliefert. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint sie. Parallel dazu wurde die Zeit genutzt, um ein neues Dach für das Gästehaus anzugehen und die Homepage einem Relaunch zu unterziehen. Gleichzeitig wurde begonnen, einen „essbaren Gastgarten“ mit Kräutern und Gemüse für die eigene Küche anzulegen und Pläne für den Umbau der Scheune zu einer Kulturscheune zu konkretisieren.
Doch nun bereitet die Familie das Öffnen des Hauses vor. Der weitläufige Freisitz im Grünen bietet ausreichend Platz für den geforderten Abstand. „Da kann man die Tische gut stellen“, meint Schmitt. Im Restaurant, wo sonst 50 Sitzplätze zur Verfügung stehen, wird sich die Zahl etwa halbieren. In Anbetracht der Hygieneauflagen werden nicht die üblichen Speisekarten ausgegeben. Die Geschäftsführerin plant für den Übergang, eine, wie sie sagt, „kleinere, aber feine Karte“ als laminierten Aufsteller auf die Tische zu stellen. Die Servicekräfte werden mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet und Desinfektionsmittel für die Gäste bereitgestellt. Nachdem ein Restaurantbesuch nur nach Voranmeldung und mit dem Hinterlassen der Kontaktdaten möglich ist, überlegt sie noch, die Adressen entweder vorab bei der Reservierung oder erst bei Erscheinen aufzunehmen.
Etliche Stornierungen für den Hotelbetrieb
Für den Hotelbetrieb musste Schmitt einige Stornierungen speziell von Mountainbike- und Wandergruppen entgegennehmen. Bislang durfte sie nur Gäste beherbergen, die beruflich in der Region zu tun hatten. Das kann sich nun ändern. Bevor sie Urlauber begrüßt, will sie noch eine Plexiglasscheibe an der Rezeption montieren lassen.
„Natürlich haben wir Einbußen und Stornierungen. Das geht jedem so. Aber irgendwie geht es weiter. Machen wir das Beste daraus“, zeigt sich Schmitt trotz all der Schwierigkeiten und Umstände zuversichtlich.