Hütschenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Flurbereinigung ermöglicht drei Projekte, die der Natur zugute kommen

Anziehungspunkt: Der Kranichwoog bei Hütschenhausen ist ein Projekt, das im Zuge der Flurbereinigung verwirklicht werden konnte.
Anziehungspunkt: Der Kranichwoog bei Hütschenhausen ist ein Projekt, das im Zuge der Flurbereinigung verwirklicht werden konnte.

Was lange währt, wird endlich gut: Fast 20 Jahre hat es gedauert, aber jetzt ist der Grund und Boden rund um Hütschenhausen neu geordnet. Vor allem aber konnten durch diese Flurbereinigung drei Projekte realisiert werden, die der Natur zugutekommen.

Ohne den Ausbau der Air Base Ramstein im Jahr 2003 gäbe es den Kranichwoog bei Hütschenhausen heute wahrscheinlich nicht. Auch die Renaturierung von Teilbereichen des Glans bei Bruchmühlbach-Miesau und des Schwarzbachs bei Hütschenhausen hätte nicht stattgefunden. Dass die beiden Fließgewässer nun wieder zumindest auf zusammen knapp drei Kilometern in Mäandern dahinfließen, dient als Ausgleich für die Flugplatzerweiterung.

Die Suche nach geeigneten Flächen für diese Maßnahmen war der Auslöser für ein Flurbereinigungsverfahren, das nun, 19 Jahre später, beendet wurde. Denn, so erläutert es Barbara Meierhöfer, die Bundesrepublik Deutschland als Bauträger, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), benötigte dafür Flächen, die sie zwar hatte, die aber nicht an der richtigen Stelle lagen. So kam das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Westpfalz ins Spiel, dessen Abteilung für Landentwicklung und ländliche Bodenordnung Meierhöfer leitet. Die DLR-Mitarbeiter suchten nach geeigneten Arealen in der Nähe der Air Base und leiteten das Verfahren ein.

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Die Eigentümersuche braucht Zeit

Dass es nun fast zwei Jahrzehnte gedauert hat, bis dessen Abschluss gefeiert werden konnte, habe zwei Ursachen: Zum einen dauere es grundsätzlich sehr lange, den Besitz von Grund und Boden neu zu ordnen. Die Eigentümer müssten aus nicht immer aktuellen Grundbüchern ermittelt, in einigen Fällen nach Erben und oft auch nach den aktuellen Adressen geforscht werden. Dann sei zu ermitteln, wie hoch der Wert dieser Grundstücke ist, damit im Tausch- oder Entschädigungsfall alles gerecht zugehe. Stehe der Wert fest, werde mit jedem einzelnen Betroffenen geredet, um danach zu versuchen, alle Wünsche und Ansprüche unter einen Hut zu kriegen. Da es sich bei alledem um Verwaltungsakte handele, bestehe zudem immer die Möglichkeit, Einspruch zu erheben.

Zum anderen gebe es in Hütschenhausen eine Besonderheit, nämlich den Kranichwoog. Denn noch während die Flurbereinigung in vollem Gange war, kam 2017 der Naturschutzbund (Nabu) auf das DLR mit der Idee zu, einen neuen Lebensraum für Insekten, Amphibien und Vögel zu schaffen, die auf Wasser angewiesen sind. Die Nabu-Ortsgruppe Weilerbach hatte bereits einige Jahre zuvor mit einer wasserwirtschaftlichen Machbarkeitsstudie festgestellt, dass der heutige Standort zwischen A6 und Hütschenhausen dafür am geeignetsten wäre. Das Gelände dort aber gehörte nicht den Naturschützern. Wie schon für die Bima regelte daher das DLR auch für den Nabu alles Nötige, kümmerte sich um Flächentausch und Ausgleichszahlungen sowie in diesem Fall auch um das Baurecht. „Das hätte der Nabu selbst nicht hingekriegt“, schätzt die Fachfrau, die um die Komplexität eines solchen Verfahrens weiß.

Weniger, dafür größere Flurstücke

Nicht zuletzt profitierten aber auch die Privatleute, deren Besitz neu zugeschnitten wurde, von der Flurbereinigung, ist die DLR-Frau überzeugt. Denn Wege wurden ausgebaut und die Struktur der Agrarflächen verbessert. Zum Beispiel seien größere zusammenhängende Felder entstanden. Aus 2109 Flurstücken wurden 631. An anderer Stelle sei landespflegerisch eingegriffen worden.

965.000 Euro hat alles zusammen gekostet, wobei 290.000 Euro auf die Ausgleichsmaßnahmen für den Flugplatzausbau und rund 408.000 Euro auf den Bau des Kranichwoogs entfallen. Erstere wurden vom Bund, zweiterer vom Nabu Rheinland-Pfalz bezahlt. Dieser hatte dafür wiederum eine Förderung von Bund und Land erhalten.

Neuer Anziehungspunkt: der Kranichwoog

Dass insgesamt etwas sehr Gutes dabei herausgekommen ist, das findet sowohl Meierhöfer als auch der Ortsbürgermeister von Hütschenhausen, Matthias Mahl. Das zeige sich an den renaturierten Bach- und Flussbereichen, aber besonders gut lasse sich das eben am Kranichwoog festmachen. Dieser bietet tatsächlich schon jetzt einigen Tieren und Pflanzen ein neues Zuhause, er lockt aber auch viele Interessierte an. So viele sogar, dass nun, um das umzäunte Naturschutzgelände besser erlebbar zu machen, ein Aussichtsturm in einiger Entfernung gebaut werden soll.

„Es ist auch für uns schön, zu sehen, was man mit unseren Verfahren auslösen kann“, sagt Meierhöfer und weist darauf hin, dass der Kranichwoog mittlerweile überregional bekannt sei. Und Mahl freut sich, dass Hütschenhausen dieser Anziehungspunkt quasi zum Nulltarif in den Schoß gefallen ist. Er sieht in ihm einen Gegenpol zur Mehlinger Heide im Osten des Landkreises, dort dominiere das Element Erde, hier Wasser. „Er soll zum Kennzeichen der Ortsgemeinde werden“, wünscht sich der Ortsbürgermeister. Gleichzeitig verrät er, dass auch eine gewisse Portion Respekt vor der Aufgabe, die Besucherströme so zu lenken, dass kein Schaden an der Natur entstehe, mitschwinge.

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Darf sich wieder schlängeln: Der Glan wurde bei Bruchmühlbach-Miesau auf 900 Metern renaturiert – eine der Ausgleichsmaßnahmen für den Air-Base-Ausbau.
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