Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Fluglärm bis in den späten Abend

Das Dröhnen von Kampfflugzeugen, die innerhalb der TRA-Lauter oder der Polygone trainieren, ist in der Region gerade bei schönem
Das Dröhnen von Kampfflugzeugen, die innerhalb der TRA-Lauter oder der Polygone trainieren, ist in der Region gerade bei schönem Wetter oft zu hören.

Der Krach übender Kampfjets in der TRA Lauter nervt Tobias Sommer aus Trippstadt schon lange. Dass das Dröhnen am Himmel in dieser Woche jedoch bis in die späten Abendstunden andauerte, bringt für den Softwareentwickler im Homeoffice das Fass zum Überlaufen. Er ist nicht der Einzige, den das abendliche Training gestört hat. Was das Militär dazu sagt.

„Man kann sich tagsüber nicht konzentrieren und findet noch nicht mal abends Ruhe“, schimpft Tobias Sommer, der nicht nur in Corona-Zeiten, sondern – von Dienstreisen abgesehen – immer daheim arbeitet. Fluglärm sei ihm nicht fremd, schließlich sei er in Trippstadt aufgewachsen, bevor es ihn berufsbedingt für zehn Jahre in andere Ecken Deutschlands verschlagen habe. „Aber ich habe nicht in Erinnerung, dass es früher so schlimm war. Sonst wäre ich wohl nicht zurückgekommen.“

Seit drei Jahren lebt Sommer nun schon wieder in seiner Heimatgemeinde und arbeitet von dort aus als SAP-Berater und Softwareentwickler. Probleme mit dem Internet hat er kaum, dafür umso mehr mit dem Lärm, wie er klagt: „Ein Großteil meiner Arbeit sind Telefonate mit Kunden. Außerdem gebe ich Workshops im Netz und programmiere Programme. Für all das braucht man Ruhe, um sich konzentrieren zu können.“ Doch diese finde er immer seltener. „Wenn man in einem Meeting sitzt und permanent dieses Dröhnen ertragen muss, ist das sehr, sehr anstrengend.“ Und wenn er mal nicht arbeite und mit seinem Hund spazieren gehe, sei dies häufig wegen des Fluglärms ebenfalls nicht entspannend. „Im letzten Jahr habe ich im Wald mal eine Wandergruppe aus Bayern getroffen. Die haben mich gefragt: ,Was geht denn bei Euch hier ab?’“

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TRA Lauter und Polygone

„Beschwerden werden nicht ernst genommen“

Zahlreiche Male habe er sich bereits bei der Flugbetriebs- und Informationszentrale der Bundeswehr (FLIZ) beschwert. Doch die Beschwerden der Bürger würden nicht ernst genommen und es gebe darauf keine echte Reaktion.

„Ich hatte die Hoffnung, dass es irgendwie irgendwann besser wird mit dem Fluglärm“, sagt der 36-Jährige. „Aber wenn jetzt auch noch bis in die Nacht hinein Übungen stattfinden, mehren sich meine Zweifel, ob ich hier, wo ich aufgewachsen bin, wo meine Familie verwurzelt ist, weiter leben will und kann“, denkt Tobias Sommer inzwischen nach eigener Aussage ernsthaft darüber nach, sein Haus wieder zu verkaufen und in eine andere Region zu ziehen. „Traurig, ich mag Trippstadt! Aber ich muss auch auf meine berufliche Existenz schauen.“

Tobias Sommer ist nicht der Einzige, den der abendliche Fluglärm diese Woche massiv geärgert hat. Auch in Kaiserslautern gab es Menschen, die sich davon massiv gestört fühlten. Am Montag war das permanente Dröhnen in der Innenstadt West trotz geschlossener Fenster bis gegen 22.30 Uhr deutlich zu hören. Und am Mittwoch schrieb Hubert Schneider um 22.36 Uhr eine E-Mail an die Redaktion, in der er seiner Wut Luft machte: „Dieser Kampfjetlärm um diese Uhrzeit über Wohngebieten ist mit nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen!“ Er fragt: „Warum gibt es diesen Lärmterror nur in der Westpfalz?“ und fordert die Schließung von TRA Lauter und den Polygonen.

Aber welche Einrichtung war denn nun für den Lärm verantwortlich? Die Übungsanlage Polygone bei Bann, die TRA Lauter oder die Air Base? „Das 86. Lufttransportgeschwader und der Flugplatz Ramstein waren im angegebenen Zeitraum nicht in Übungen mit Kampfflugzeugen involviert“, teilt der Sprecher der Air Base, Kilian Blümlein, auf RHEINPFALZ-Anfrage mit und fügt hinzu, dass das 86. Transportgeschwader weder selbst Kampfflugzeuge „betreibt noch kontrolliert es deren Übungsflüge innerhalb der TRA Lauter und den Polygonen“.

Auch der Leiter der Polygone, Oberstleutnant Thomas Emig, winkt ab: „Der von Ihnen beschriebene Flugbetrieb hatte nichts mit meiner Dienststelle zu tun.“

Bleibt der militärische Übungsluftraum TRA Lauter, der sich über die südliche Hälfte von Rheinland-Pfalz und das Saarland – und damit auch über Stadt und Landkreis Kaiserslautern – erstreckt. Der Zeitraum vom 12. bis zum 16. April wurde für Nachtflugbetrieb genutzt, bestätigt der Sprecher des Luftfahrtamts der Bundeswehr auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Bei dem von Ihnen angesprochenen Flugbetrieb handelte es sich beispielsweise am Montag, 12. April, um insgesamt acht Luftfahrzeuge der US-Air Force vom Typ F-16.“ Die Kampfflugzeuge stammten von der Air Base Spangdahlem und hätten innerhalb der TRA Lauter von etwa 21.30 bis 22.30 Uhr trainiert.

Wann trainiert werden darf

Ein Verstoß gegen die Vorschriften war das nicht, betont der Bundeswehrsprecher und verweist auf das Militärische Luftfahrthandbuch für Deutschland, das der TRA Lauter folgende Nutzungszeiten erlaube: Von Oktober bis einschließlich April dürfe von Montag bis Donnerstag jeweils von 8 bis 23.30 Uhr trainiert werden, nach einer „freiwilligen Selbstbeschränkung“ (O-Ton Bundesverteidigungsministerium) darf freitags hingegen nur von 8 bis 12 Uhr, in Ausnahmefällen aber auch bis 17 Uhr im Übungsluftraum über der Region geflogen werden.

Etwas verkürzt – ebenfalls wieder als „freiwillige Selbstbeschränkung“ – sind die Trainingszeiten über Sommer, teilt der Bundeswehrsprecher weiter mit. Von Mai bis einschließlich September dürfen die Kampfflugzeuge von Montag bis Donnerstag jeweils von 8 bis 21 Uhr, in Ausnahmefällen bis 23.30 Uhr, ihre Übungsflüge durchführen, freitags ist dies nur von 8 bis 12 Uhr gestattet.

Versuche der Kommunalpolitik, die Übungsanlage Polygone Bann und die TRA Lauter in weniger belastete Regionen Deutschlands zu verlegen, scheiterten in der Vergangenheit am Widerstand der Bundeswehr. Als auf Initiative von Bündnis 90/Die Grünen der Lauterer Kreistag 2017 unter Hinweis auf die Dreifachbelastung des Landkreises die Verlegung forderte, lehnte das Verteidigungsministerium dies ab und begründete sein Nein mit militärischen Erfordernissen und eingeschränktem Platz im Luftraum.

Übrigens: In der kommenden Woche sind die Hubschrauber dran. Wie Landstuhls Verbandsbürgermeister Peter Degenhardt mitteilt, haben die Polygone Übungen von Helikoptern für Dienstag und Mittwoch angekündigt. Geflogen wird aber nicht abends, sondern jeweils an den Vormittagen.

Schreiben Sie uns

Fluglärm wird individuell unterschiedlich wahrgenommen. Lässt sie der Geräuschpegel kalt oder fühlen Sie sich gestört? Und: Was stört Sie am meisten? Das Dröhnen von Kampfflugzeugen, Starts und Landungen der Air Base, die Platzrunden der Transportflugzeuge oder der Bodenlärm des Ramsteiner Flugplatzes? Schreiben Sie uns eine kurze E-Mail an die Redaktionsadresse redkai@rheinpfalz.de
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