Kreis Kaiserslautern
Fünf Freunde radeln durch die Alpen
Ende August sind fünf befreundete Vollzugsbeamte gestartet, um die Alpen zum achten Mal mit dem Rad zu bezwingen. Manfred Reis und Thomas Rutz aus Bann, Steffen Cronebach aus Wiesweiler, Walter Moog aus Landstuhl und Alf Kraushaar aus Kaiserslautern wollten wieder wissen, wie sich Muskelschmerz auszubreiten vermag. Dabei kennen sie die nächtlichen Wadenkrämpfe nur zu gut, schließlich sind sie bereits siebenmal über die Alpen gestrampelt.
In nassen Klamotten über den Fernpass
Los ging’s gut trainiert. Den siebentägigen Streckenplan hat Steffen Cronebach ausgearbeitet. Die Vorfreude war riesig, die Räder top in Schuss. Nur die Bahn spielte nicht so richtig mit. Mit der wollten sie von der Westpfalz kommend bis Garmisch gelangen, um dann loszuradeln. Es hat zwar geklappt, aber mit Verspätung. Was soll’s, wer ärgert sich über die Bahn, wenn die Alpen rufen? Die fünf Freunde jedenfalls nicht. Genauso wenig wie sie sich über Regen geärgert haben. Es blieb ihnen ja nichts anders übrig, als das Wetter zu nehmen, wie es kommt – und es kam anfangs schon sehr nass. In patschnassen Klamotten ging's über den Fernpass. Murenabgänge zwangen die Radler obendrein zum Schieben. „Der Klimawandel erschwerte uns das Weiterkommen“, bringt es Alf Kraushaar auf den Punkt. Gewitter und Regen hatten kein Einsehen. Wie sollen wir die Klamotten trocken kriegen? Diese Frage stellten sie sich. Im Hostel Rutsche im Pitztal kehrte die Trockenheit in Form eines Winter-Trockenraums zurück. Der Wirt hatte ein Einsehen, schaltete im August auf Winterbetrieb und die Radler schalteten zurück auf sorgenfreie Gedanken.
Der nächste Tag konnte kommen – samt dem 62. Geburtstag von Steffen Cronebach. Der fing allerdings schon in der Nacht mit einer ungeplanten kleinen Feier an. Dementsprechend hart waren am Morgen die ersten acht Kilometer, auf denen 700 Höhenmeter lauerten. „Zwischen uns herrschte Stille“, berichtet Kraushaar von sozusagen erzwungener Ruhe durch anstrengende Steigungen von bis zu 20 Prozent und vielleicht dem einen Bierchen zu viel.
Auf 2139 Metern Höhe spielt die Musik
Sie bewältigten es, kämpften sich zwischendurch durch Nebel und Kälte und gönnten sich im Inntal Saunagänge. Die Beine waren am nächsten Tag wieder fit, es ging Richtung Altfinstermünz und Richtung Schweiz, wo die Preise genauso stiegen wie die Höhenmeter. 1000 Höhenmeter auf 21 Kilometern, das zwickt. Auf 2139 Metern Höhe auf der Alpe Astras angekommen, war unerwartete Musik angesagt. „Die Bedienung hat uns mit der Gitarre Jolene von Dolly Parton gespielt“, sagt Kraushaar. Solche Begebenheiten blieben hängen. Dass Walter Moog an der Gitarre dann ebenfalls sein Bestes gab, kam für die Freunde als Sahnehäubchen obendrauf. Es lief folglich am nächsten Tag wieder wie geschmiert – und das war notwendig. 1000 Höhenmeter wollten auf zehn Kilometern bewältigt werden. „Wir bevorzugten, bestimmte Strecken zu schieben, bevor der Hinterreifen durchdrehte“, lautet dazu ein nüchterner Kommentar der Radler, die sich angekommen am Döss Radond auf 2234 Meter erstmal eine Graubündener Gerstensuppe gönnten, bevor es durch das Tal des Val Mora ging. „Es war atemberaubend schön, aber teils nicht breiter als ein Meter“, umschreibt Kraushaar die von Murenabgängen gezeichneten Single-Trails, die ihnen alles abverlangten.
Die Schweiz lag hinter ihnen. Mit dem Eintreffen am Rifugio Monte am Lago die Cancano waren sie in Italien angekommen. Nach dem Stilfser Joch war Schluss. Eine Sperrung wegen Bauarbeiten hielt sie auf. Das FCK-Radtrikot am Körper von Kraushaar erwies sich als „Türöffner“, die Arbeiter ließen sie passieren. So erreichten sie den Pass Val Viola, die höchste Stelle dieser Alpenquerung. Außerplanmäßig verlief die letzte Etappe. „Vielleicht das Bergpanorama, die Erschöpfung, die Höhenluft – keine Ahnung“, die fünf Freunde wussten nicht, wie ihnen geschah. Sie verfuhren sich, gerieten auf eine Wanderroute und mussten die Räder abwärtstragen. Die Passage ließ nichts anderes zu. Aber sie kamen abends im Zielort Poschiavo an. 310 Kilometer und gewaltige 7100 Höhenmeter hatten sie in den Beinen – und nach dem letzten Abend beim gemeinsamen Kochen auch noch zwei Kilo Nudeln im Bauch. Ein durchaus angemessener Abschluss, bevor die fünf Freunde samt ihren Rädern mit der Rhätischen Bahn über den Berninapass die Heimreise antraten. „Fortsetzung folgt“, da sind sie sich alle einig.