Landstuhl
Eugen Ritter von Benzino – Vor 110 Jahren zum Landstuhler Ehrenbürger ernannt
In der 1975 erschienenen Landstuhler Stadtchronik ist Eugen Benzino zwar unter den Ehrenbürgern aufgeführt, als einziger jedoch ohne Bild, ohne Hinweis auf Familienstand und Nachkommen, was zeigt, dass bis zum Erscheinen der Chronik eben nicht allzu viel über ihn bekannt gewesen ist. Das änderte sich schließlich im Mai 1982, als sich mit Wolfgang Benzino ein Enkel des Generals auf die Spuren seiner Vorfahren und damit auch nach Landstuhl begab.
Ursprünglich waren die Benzinos, 1698 von Casanova am Comer See nach Kusel eingewandert, eine recht erfolgreiche Kaufmanns- und Handelsfamilie. Auch die daraus folgende Landstuhler Linie setzte diese Tradition fort, so ebenfalls der schon genannte Hofrat Joseph Benzino. „Alle Benzinos“, so schrieb Hermann Fauth in der Landstuhler Stadtchronik, „sind durch Unternehmungsgeist und kaufmännisches Geschick emporgekommen und haben in Landstuhl ein Großhandelsgeschäft entstehen lassen, das das bedeutendste seiner Zeit in der Pfalz gewesen ist.“ Mit Carl Georg Nikolaus Benzino war jedoch ein Spross darunter, der dem Kaufmannsberuf entsagte und als königlich bayerischer Landrichter erfolgreich im Staatsdienst gewesen ist. Er war verheiratet mit Pauline Hess, einer Tochter des Münchner Schlachtenmalers Peter von Hess und Schwester des bekannten Kunstmalers Peter Hess.
In den Adelsstand erhoben
Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, darunter am 9. Oktober 1856 auch Eugen Benzino, korrekt Peter Eugen Ludwig Franz Carl Benzino. Eugen besuchte zunächst die Volksschule Landstuhl und von 1867 bis 1875 das humanistische Gymnasium in Zweibrücken. Von 1875 bis 1876 war er an der Philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München immatrikuliert, begann aber während dieser Zeit bereits seine militärische Laufbahn, die ihn wegen seiner besonderen Befähigung und seines großen Fleißes steil nach oben führte. Von seinen zahlreichen Auszeichnungen bildete wohl das am 22. November 1907 an ihn verliehene „Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone und die Erhebung in den persönlichen Adelsstand“ den Höhepunkt seiner Karriere. Diese Adelung war auch der Grund dafür, dass die Stadt Landstuhl im Jahr 1910 ihren Sohn, den Generalleutnant und Kommandeur der ersten Bayerischen Division, seine Exzellenz Eugen Ritter von Benzino zum Ehrenbürger ernannte. Es gäbe vieles über diesen verdienten Offizier zu berichten. Nicht nur über seine militärischen Fähigkeiten, die in allen Beurteilungen mit sehr lobenden Worten beschrieben sind, oder auch über seine Begegnungen mit Fürstlichkeiten und König Ludwig III. von Bayern, an dessen Hoftafel er häufig zu Gast gewesen ist.
Der letzte männliche Nachkomme
Eugen Ritter von Benzino ist als General der Infanterie im Ersten Weltkrieg am 28. November 1915 an der Westfront in seinem Quartier an Lungenentzündung gestorben. Er wurde nach München überführt und seine Asche auf dem dortigen Waldfriedhof beigesetzt. Sein Sohn Hans Benzino, 1894 in München geboren und Patenkind des Hofrats Benzino, schlug ebenfalls die militärische Laufbahn ein, die er mit Ende des Zweiten Weltkrieges als Oberstleutnant abschloss.
Der letzte in dieser Reihe von ranghohen Militärangehörigen war Hans Benzinos Sohn Wolfgang, jener Enkel des Generals, der nähere Erkenntnisse der Familiengeschichte nach Landstuhl brachte. Auch er konnte auf eine sehr erfolgreiche Laufbahn zurückblicken. Er schied als Vizeadmiral am 31. März 1981 aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr aus. Mit ihm starb am 1. September 2004 der letzte männliche Nachkomme aller Benzinos, nachdem auch die Kuseler Linie vor einigen Jahrzehnten im Mannesstamm ausgestorben war.
