Ramstein-Miesenbach
„Eisige Ewigkeit“: Das ist in der Sonderausstellung zu sehen
„Eisige Ewigkeit? Die Vergänglichkeit und Schönheit von Eis und Schnee“ ist der Titel der neuen Ausstellung im Erdgeschoss des Museums im alten Ramsteiner Rathaus, die am vergangenen Donnerstag eröffnet wurde. Gezeigt werden dabei in der Tat auf ebenso ungewöhnliche wie originelle Art konservierte Schneeflocken beziehungsweise deren Abbildungen und die Projektionen von hauchdünnen Schnitten aus Eisbohrkernen. Außerdem gibt es viel Wissenswertes rund um den pfälzisch-bayerischen Polarforscher und Geophysiker Georg von Neumayer und die nach ihm benannte Forschungsstation in der Antarktis zu erfahren.
Denn genau dort, etwa 2000 Kilometer nördlich des Südpols der Erde, nahm die Geschichte ihren Anfang, die in die Ausstellung mündete: Die aus Schrollbach stammende Physikerin und Klimaforscherin Helene Hoffmann und ihr (späterer) Mann Thomas waren 2018 zu Forschungszwecken für ein ganzes Jahr Gast auf der deutschen Südpolar-Forschungsstation – die RHEINPFALZ berichtete damals in einer Serie darüber. Zu ihrem Programm gehörte auch die Überwinterung im ewigen Eis, wobei die Besatzungsstärke von 60 Personen, die im arktischen Südsommer in der Station arbeiten und forschen, auf zehn Personen reduziert wird.
Eine Freizeitbeschäftigung
„Das Betrachten und Untersuchen von Schneeflocken und Eiskristallen wurde zu einer Art Freizeitbeschäftigung für uns“, berichtete Helene Hoffmann am Donnerstag in den proppenvollen Museumsräumen. Nach einigen Versuchen habe man herausgefunden, dass man die Abdrücke der höchstens zwei bis drei Millimeter großen Schneeflocken in einem Kleber fixieren kann, wobei sich ein exaktes Negativ der überaus filigranen und zarten Struktur der eisigen Gebilde festhalten und konservieren lässt, die bei Zimmertemperatur natürlich sofort schmelzen würden. „Wir haben auf diese Weise die Abdrücke von mehreren 100 Schneeflocken erhalten, die nach unserer Rückkehr aus der Antarktis zuerst einmal in Schubladen verschwanden und sprichwörtlich verstaubten. Erst später sind wir auf die Idee gekommen, die winzigen Abdrücke zu vergrößern und waren selbst fasziniert von den künstlerischen Ergebnissen, die man erhält, wenn man das Foto einer Schneeflocke in Postergröße betrachtet“, berichtet die Paläoklimatologin, die sich an der Universität in Tübingen und dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven der Erforschung sogenannter Eisbohrkerne widmet, die aus der Antarktis stammen.
Dabei handelt es sich um Eisproben, die in einer Tiefe von bis zu 3000 Metern aus den Gletschern gewonnen werden, die über dem antarktischen Kontinent liegen. Der Schnee, der sich zu diesem Gletschereis verdichtet hat, ist vor mehreren 100.000 Jahren gefallen und hat dabei in kleinen Blasen die Luft aus der Zeit eingeschlossen, in der er gefallen ist. Er stellt für die Wissenschaftler eine Zeitkapsel dar, deren Inhalt ihnen beispielsweise offenbart, wie hoch der CO2-Gehalt damals war. Helene und Thomas Hoffmann ist es auch hier gelungen, hauchdünne Schichten dieser Eisbohrkerne einschließlich der kleinen Luftbläschen in Kunststoff zu konservieren und in der aktuellen Ausstellung zu zeigen.
Direkt aus der Antarktis
Wie Thomas Christmann vom Förderkreis Heimatmuseum betonte, widme sich die neue Sonderausstellung zum einen der künstlerischen Inszenierung der Schnee- und Eisproben aus den Polargebieten und vermittle wissenschaftliche Forschung auf künstlerisch sehr anziehende Art und Weise. Zum anderen spanne sie jedoch auch den Bogen hin zur Vergänglichkeit der Natur und sei vor dem Hintergrund des Klimawandels als eine Mahnung zu verstehen, die Zerstörung der Natur aufzuhalten.
Nicht zu viel versprochen hatte Museumsleiter Mario Aulenbacher eingangs der Ausstellungseröffnung, als er eine Überraschung ankündigte. Diese bestand aus einer gut halbstündigen Liveübertragung via Satelliten-Telefon und -Kamera zu Thomas Hoffmann, der sich derzeit rund 13.000 Kilometer von Ramstein entfernt für einige Wochen erneut in der Neumayer-Station aufhält. Bei bestem antarktischem Hochsommer-Wetter, strahlendem Sonnenschein auf der Südhalbkugel und Tageshöchsttemperaturen von wohl ausschließlich für Pinguine kuscheligen minus zwölf Grad berichtete er vom Leben im ewigen Eis und ging gerne auf die Fragen aus dem Kreis der Ausstellungsbesucher ein.
Info
Zu sehen ist die Sonderausstellung bis 31. März 2024. Das Museum ist mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.