Kreis Kaiserslautern Sommer, Sonne, Stockbetten

Die mit dem Teleobjektiv aufgenommenen Pinguinküken sind schon bald so groß wie ihre Eltern.
Die mit dem Teleobjektiv aufgenommenen Pinguinküken sind schon bald so groß wie ihre Eltern.

Der Sommer ist da in der Antarktis, und für Forscherin Helene Hoffmann bedeutet das: Die Zeit der Isolation ist seit Anfang November vorüber. Mehr und mehr andere Wissenschaftler und Techniker treffen auf der Neumayer-Station ein, um Expeditionen und Projekte zu starten. „Nun herrscht hier ein reges Treiben, woran wir Überwinterer uns erst wieder gewöhnen müssen“, berichtet die Schrollbacherin.

Man muss es sich vorstellen: Acht Monate lang war das zehnköpfige Team alleine auf der Neumayer-Station. Und dann kommt nach dem Winter wieder das allererste der Polarflugzeuge, die in der Saison die Versorgung der einzelnen Stationen übernehmen, auf Durchreise vorbei. „Wir standen zusammen am Flugfeld und sahen zu, wie der winzige Punkt am Horizont langsam größer wurde, man schließlich ein Brummen hörte“, beschreibt die 32-Jährige diesen „Moment mit hohem Gänsehautpotenzial“ an Allerheiligen, als die ersten anderen Menschen wieder bei ihnen landeten. Am 2. November traf dann schon die erste Sommerbesatzung ein. Rund 50 Menschen bietet die Station prinzipiell Platz. Diese Kapazität werde im Sommer in der antarktischen Forschungssaison auch meistens ausgeschöpft, meint Hoffmann. Dann herrsche dort schon viel Betrieb. Tagsüber sind bei gutem Wetter zwar die meisten Bewohner draußen unterwegs und mit ihren Experimenten oder sonstigen Aufgaben beschäftigt. Aber besonders zu den Essenszeiten füllt sich die Station zusehends. Mit einem Schmunzeln meint die Schrollbacherin: Dafür sei dann aber abends an der Bar mehr los als nur bei zehn Leuten, „was ja auch eine schöne Abwechslung ist“. Jetzt, zu Beginn der Saison, sind um die 30 Personen vor Ort. Noch müssen Helene Hoffmann und die anderen Überwinterer ihr Zimmer nicht teilen – durchaus angenehm, wenn man mal abends seine Ruhe haben möchte, wie sie findet. Damit ist es allerdings spätestens mit der Ankunft ihrer Nachfolger kurz vor Weihnachten zu Ende: „Dann teilen wir uns mit den neuen Teammitgliedern ein Zimmer, und die Stockbetten werden wieder ausgeklappt.“ Die Sommergäste sind dagegen in Vierbettzimmern untergebracht, die im Moment bereits gut belegt sind. Die aktuell 30 Stationsbewohner teilen sich im Übrigen zwei Badezimmer. „Da wir im Moment nur fünf Frauen sind, geht es bei uns weitaus komfortabler zu als bei den Herren“, bericht die Wissenschaftlerin. Falls es dann irgendwann richtig viel Trubel geben sollte auf der Neumayer-Station, stehen noch Kabausen als Ausweichquartiere zur Verfügung: bewegliche Häuschen auf Schlitten, in denen jeweils bis zu sechs weitere Antarktisforscher unterkommen können. Das Herbeischaffen von solchen Wohn- und auch von Tankcontainern zählte für Hoffmann und ihre Kollegen ebenso zu den Vorbereitungen der vergangenen Wochen wie der gründliche Frühjahrsputz in der Station. Die Häuschen befanden sich zuvor im Winterlager – einer langen Containerreihe, die sich einige Kilometer entfernt befindet. Wie Hoffmann ausführt, werden die gesamten Treibstoffvorräte jedes Jahr mit Schiffen an die Schelfeiskante geliefert und in diesem Lager zwischengeparkt: „Bei Bedarf werden die Container ausgegraben, sie schneien fürchterlich tief ein, und mit Pistenbullys an die Station gezogen.“ Ein Teil der Wohn- und Tankcontainer geht mit auf mehrtägige Expeditionen von Forschern, ein Teil bleibt an der Neumayer-Station. Mit den neuen Menschen gibt es auch viele weitere spannende Projekte, wie Helene Hoffmann findet: „So haben wir jetzt zum Beispiel vier Pinguinforscher hier, es kommen eine Reihe Glaziologen, die durch das Schelfeis auf den Meeresgrund bohren werden und vieles mehr.“ Das alles mitzuerleben, findet die Schrollbacherin ganz schön interessant. Für sie gibt es nun im Sommer auch endlich wieder frisches Obst. „Es ist schon sehr lustig, wenn zehn Leute andächtig um eine Obstschale sitzen und sich wie die Kinder über Nektarinen freuen“, erzählt sie. Weitere schöne Seiten des Sommers auch in der Antarktis: Licht und „Wärme“ kehren zurück. Minus acht Grad waren es zum Beispiel an einem sonnigen, windstillen Tag in der vergangenen Woche – „buchstäbliches T-Shirt-Wetter“. 24 Stunden lang ist es jetzt hell, wodurch sich die Gelegenheit bietet, auch einmal abends längere Ausflüge aufs Meereis und zu den Pinguinen zu machen. „Die Küken wachsen in wirklich rasendem Tempo und sind zum Teil schon halb so groß wie ihre Eltern“, berichtet Hoffman, die zudem hofft, noch ein paar Robben mit Nachwuchs entdecken zu können.

Die Lidia ist da und damit die allererste Maschine nach dem Winter – eines der Hauptversorgungsflugzeuge in diesem Antarktissekt
Die Lidia ist da und damit die allererste Maschine nach dem Winter – eines der Hauptversorgungsflugzeuge in diesem Antarktissektor. Die kleinen Flugzeuge pendeln zwischen Novo Runway, wo die großen Interkontinentalmaschinen aus Kapstadt landen, und den anderen Stationen, verteilen Fracht und Menschen.
Eine Kabause mit frechen Pinguinen davor: Solche Wohncontainer bieten Platz für bis zu sechs Personen. Ein Teil der Kabausen wir
Eine Kabause mit frechen Pinguinen davor: Solche Wohncontainer bieten Platz für bis zu sechs Personen. Ein Teil der Kabausen wird mitgenommen auf mehrtägige Expeditionen, ein Teil bleibt an der Station zur Erweiterung der Bettenkapazität.
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