Sembach
Ein Besuch im Wasserturm
Er ist eine Landmarke, der Wasserturm von Sembach. 43 Meter hoch ragt er am Rande des heutigen Gewerbegebietes und ehemaligen Militärflughafens zwischen den Bäumen auf. Von außen kennt ihn wahrscheinlich jeder der rund 1150 Sembacher. Aber wie sieht es eigentlich im Inneren aus? Der erste Eindruck, nachdem Alfred Zolobczuk, der Leiter des Wasserwerks der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn, die blaue Tür aufgeschlossen hat: Es gibt jede Menge Treppen. Aber wo ist das Wasser? Ganz oben natürlich, wie der Wasserwerker erläutert. „Man baut die Behälter hoch, um den Druck aufzubauen.“ Schließlich soll das Wasser mit einem Druck von rund vier Bar zu den Haushalten gelangen, sagt Zolobczuk. Wird das Wasser in 40 Metern Höhe bevorratet, entsteht dieser Druck und es wird keine Druckerhöhungsanlage benötigt. Gäbe es rund um Sembach Berge, wären auch sie ein geeigneter Standort für ein Trinkwasserreservoir.
So aber wurde vor 25 Jahren der Wasserturm neben dem alten Hochbehälter errichtet. Der ist, anders als sein Name vermuten lassen würde, im Vergleich zum Turm eher niedrig, genau wie der 2005 gebaute neue Hochbehälter dahinter. In den von Gras bewachsenen Bauwerken, die dadurch ein wenig an Hobbithöhlen erinnern, werden zusammen 950 Kubikmeter Trinkwasser vorgehalten, im Turm sind es noch einmal 200 weitere, insgesamt also 1,15 Millionen Liter. Das reiche im Winterhalbjahr nicht einmal für eine Woche, berichtet Zolobczuk. Durchschnittlich würden in der für ihn deutlich entspannteren Jahreshälfte 1450 Kubikmeter, was 1,45 Millionen Litern entspricht, von den 1150 Bürgern verbraucht. Im Sommer, wenn die Leute häufiger duschten, ihre Gärten bewässerten und ihre Swimmingpools befüllten, werde noch mehr benötigt.
Ohne Aufzug, aber mit toller Aussicht
Nicht zu vergessen: Es müsse auch immer eine ausreichende Menge an Wasser zu Brandschutzzwecken vorgehalten werden, gerade in der Nähe eines Gewerbegebietes. Die Anlage ist daher so eingestellt, dass die Kammern immer wieder nachgefüllt werden. Fällt zum Beispiel der Wasserpegel im Turm unter einen bestimmten Wert, springen die Pumpen in dessen Untergeschoss an. Sie transportieren dann das trinkbare Nass aus den Hochbehältern über Steigleitungen in den Edelstahlbehälter unterm Dach.
Zu Fuß sind es 230 Stufen von ganz unten bis ganz oben. Einen Aufzug gibt es nicht. Dafür aber eine tolle Aussicht aus den bullaugenförmigen Fenstern kurz unter dem Wassertank. Die Greens der Fußballgolfanlage sind von hier aus gut zwischen dem ansonsten wintergrauen Gras zu erkennen und die früheren Strukturen des Flugplatzes noch zu erahnen. Wassermeister Zolobczuk hat auch schon Tage erlebt, an denen er von dort den blauen Himmel sehen konnte, während unter ihm die Welt in Nebel versank. Ein Fenster ist allerdings blind, von tausenden feiner Sprünge durchzogen. „Das war wahrscheinlich ein Vogel, der dagegen geflogen ist“, vermutet der 65-Jährige.
Zehn Grad kaltes Wasser
Durch die Fenster ist das Innere des Wasserturms lichtdurchflutet und die Temperatur schwankt, je nach Sonneneinstrahlung. Das Wasser aber, das habe immer um die zehn Grad Celsius, sagt der Wasserwerkleiter, während er auf dem Behälter eine massiv verschraubte Klappe und damit den Blick hinein öffnet. So temperiert komme es aus den drei Tiefbrunnen in Baalborn, die die Sembacher Anlage speisen. Ganz ruhig und bis knapp unter die Öffnung steht das Trinkwasser in diesem Moment in dem Edelstahltank, die Pumpen sind verstummt, das Reservoir ist voll aufgefüllt und, sobald sich die Klappe wieder schließt, nicht zu sehen.
Damit herrscht im Turm eine ganz andere Atmosphäre als im Hochbehälter. Dort fasst ein Betonrund die mehreren Hundert Kubikmeter und obwohl dessen Decke ganz grau und roh aussieht, schimmert das Wasser darunter leicht bläulich, als spiegele sich der Himmel in ihm. Eine flache Treppe führt mitten hinein in das Nass, in unregelmäßigen Abständen fällt ein zuvor verdunsteter und dann wieder abgekühlter Tropfen von der Decke zurück ins Becken, sodass sich sanft ausbreitende Kreise auf der Wasseroberfläche bilden. Wer Lust auf ein Bad hätte, könnte sich beinahe eingeladen fühlen, einmal hindurchzuschwimmen.
Der pH-Wert wird angehoben
Das ist natürlich streng verboten, schließlich soll das Wasser so rein und frei von schädlichen Stoffen wie möglich bei den Bürgern ankommen. Viel müsse allerdings nicht dafür getan werden, um den strengen Ansprüchen an Trinkwasser in Sembach gerecht zu werden. Lediglich etwas Kalk werde zugesetzt, um das Wasser zu entsäuern, sagt Zolobczuk. Denn in den Brunnen liege der pH-Wert zwischen 5,5 und 6, und damit im leicht sauren Bereich. Verlässt das Wasser Turm und Hochbehälter habe es einen pH-Wert von 7,5 bis 8.
Deutlich mehr Aufwand würde es bedeuten, den 2017 still gelegten Mehlinger Brunnen wieder in Betrieb zu nehmen. Dort wurden PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien, nachgewiesen, die einst auf dem militärisch genutzten Flugplatz zum Beispiel bei Feuerlöschübungen eingesetzt worden waren und so ins Grundwasser gelangt sind. Mit Hilfe von Aktivkohle könnten sie aus dem Wasser gefiltert werden, nennt Zolobczuk eine Möglichkeit.
Mehlinger Brunnen weiter unter Beobachtung
Ob sich das allerdings wirtschaftlich lohne, müsse erst noch durchgerechnet werden, sagt Thorsten Kruska. Der technische Leiter bei den Werken der Verbandsgemeinde, seit Herbst 2024 in dieser Funktion, hat daran aber Zweifel: „Der Einsatz von Aktivkohlefiltern ist ein sehr hoher zusätzlicher Aufwand.“ Der Brunnen würde aber weiterhin vierteljährlich überprüft, die Messungen im Blick behalten und der Austausch mit den Behörden gepflegt. Seit kein Wasser mehr daraus entnommen werde, fügt Zolobczuk eine interessante Beobachtung hinzu, seien die PFAS-Werte zwar weiterhin nachweisbar, aber gesunken. Würde jedoch wieder Wasser von dort gezapft werden, könnte sich das schnell ändern, denn vermutlich würde belastetes Wasser nachströmen.
Also sorgen Zolobczuk und sein Team dafür, dass der Bedarf über die bestehende Infrastruktur gedeckt werden kann, auch wenn jetzt der Frühling und der Sommer und damit die verbrauchsstärkere Zeit bevorsteht. Dann zeigt dem Wasserwerker ein Blick auf die Veränderungen des Wasserstands in den Behältern, dass die Leute wieder verstärkt auf den Friedhof strömen und gießen oder die Firma Becker ihre Spülfahrzeuge für die Kanalreinigung auffüllt. Die Pumpen in Turm und Hochbehältern kommen dann, genau wie Zolobczuk, seltener zur Ruhe. Die Bürger aber bekommen davon im Idealfall nichts mit, denn bei ihnen läuft’s einfach, das Wasser. In konstant guter Qualität und – dem Turmbau sei Dank – mit konstantem Druck.
Die Serie
In der losen Reihe „Wasserwissen“ widmen wir uns übers Jahr verschiedenen Aspekten rund ums Wasser. Wo kommt das Trinkwasser her? Wie sieht der Wasserkreislauf aus? Wer kontrolliert die Badegewässer? Diesen und anderen Fragen gehen wir nach.