Kommentar Die goldenen Zeiten sind vorbei

Handwerk hat goldenen Boden, sagt ein altes Sprichwort. Was waren das noch goldene Zeiten, als gerade mal zwei Straßen weiter ein Bäcker sein Brot und seine frischen Brötchen offerierte und man in nächster Nähe beim Metzger frische Wurstwaren und Fleisch kaufen konnte? Mehr als zehn Bäckereien und kaum weniger Metzgereien gab es vor einigen Jahrzehnten noch in Landstuhl. Heute findet man noch eine Bäckerei und ab Freitag keine Metzgerei mehr. Wer Brot oder Wurst kaufen möchte, muss in Filialbetriebe oder zum Supermarkt. Dabei ist dieser Rückgang durchaus kein Phänomen, das nur Landstuhl betrifft. Aber woran liegt das? Möglicherweise auch am fehlenden Nachwuchs. Wer möchte schon gerne nachts um drei statt morgens um sieben Uhr aufstehen? Das Online-Portal für Statistik „statista“ veröffentlicht als Anzahl der Azubis im Fleischerhandwerk im Jahr 2000 über 9500 und im Jahr 2022 noch nicht einmal ganz 2500. Doch das allein ist nicht der Grund. Hans Hamann hat in seinem langen Berufsleben etliche junge Menschen ausgebildet. Die Suche nach einem Nachfolger für seinen Betrieb jedoch blieb ohne Erfolg. Für ihn sind alle „Unwägbarkeiten“ der Grund für den allgemeinen Rückgang der Betriebe. Damit meint er im Wesentlichen die Konkurrenz durch die Supermärkte und die ständig wechselnden Auflagen, die von den Handwerksbetrieben erfüllt werden müssen.
