Landstuhl
Der letzte Fleisch- und Wurstwaren-Fachbetrieb schließt
Es gab wohl kaum einen Arbeitstag, an dem Hans Hamann nicht selbst im Betrieb mitgearbeitet hat. Am kommenden Freitag, 16. Juni, wird in der Verkaufsstelle in der Landstuhler Ringstraße zum letzten Mal seine Ware über die Theke gehen. Damit schließt der letzte Landstuhler Metzgereibetrieb seine Pforten. Hamann kann nach dem Verkauf einiger restlicher Einrichtungsteile mit fast 85 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Die Filialen in Kaiserslautern hatte Hamann schon vor zwei Jahren verkauft, sie bleiben daher von der Schließung unberührt.
Stets hohe Auflagen erfüllt
1953 hatte Hamann damit begonnen, das Metzgerhandwerk zu erlernen. Sein Vater, der ebenfalls den Vornamen Hans trug, hatte bereits 1937 einen Metzgereibetrieb gegründet. Schon im Jahr 1960 wagte Hans Hamann Junior den Schritt in die Selbstständigkeit. Sechs Jahre später übernahm er den Gebäudekomplex in Landstuhl. Enorm hohe Investitionen waren in den Folgejahren notwendig, schließlich mussten stets hohe Auflagen für seinen Fleisch- und Wurstwaren-Großhandel erfüllt werden. So ließ er einen Anbau errichten und auch die Inneneinrichtung musste völlig erneuert werden. Noch vor einigen Jahren standen in Landstuhl und an den Standorten in Kaiserslautern rund 50 Menschen in Lohn und Brot. Zuletzt waren es in Landstuhl zehn Mitarbeiter, davon sind – nachdem er seiner Belegschaft die bevorstehende Schließung bekanntgegeben und die Form der fristgemäßen Kündigung eingehalten hatte – mittlerweile vier Mitarbeiter bereits ausgeschieden.
Bei Festen viele Vereine beliefert
Hamann belieferte mit seinem Betrieb nicht nur zahlreiche gewerbliche Kunden. Bei fast jedem kleineren wie größeren Fest wurden viele mitwirkende Vereine von ihm unter anderem mit Bratwürsten, Frikadellen und Schwenkbraten beliefert. Auch viele Privatkunden, die bisher den Direktverkauf in der Ringstraße genutzt haben, bedauern das Aus des renommierten Fachbetriebs. Für sie stehen jetzt neben den Discountern nur noch eine Metzgereifiliale und der Fleisch- und Wurststand auf dem Wochenmarkt in der Sickingenstadt als Alternative zur Verfügung.
Der Landstuhler Schlachthof wurde 1902 erbaut. Ein Jahr, nachdem die große Wiesenflur „im Bastert“ in die Bauplanung der Stadtverwaltung einbezogen wurde und die Fabrik-, Garten-, Schlachthaus-, Linden-, Wiesen- und Ringstraße hier entstanden sind.