Kreis Kaiserslautern
Corona sorgt für Veranstaltungsabsagen und Verunsicherung bei Eltern
„Wir hätten uns eine landeseinheitliche Regelung und Anordnung gewünscht“, sagt Landrat Ralf Leßmeister (CDU) in der Pressekonferenz im Lauterer Rathaus. Doch so liegt es in der Verantwortung jedes Landkreises, wie genau er auf die Pandemie reagiert. Das gilt ebenso für die Ebene darunter, die Städte und Verbandsgemeinden. Während Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) am Freitagmorgen verkündet, dass die Lauterer Freibäder geschlossen bleiben, liegt diese Entscheidung im Landkreis bei jedem einzelnen Träger, sprich den Verbandsgemeinden. Die Freibadsaison ist noch fern, aber was ist mit dem Freizeitbad „Azur“, dem einzigen Hallenbad im Kreis? „Das Bad bleibt bis auf weiteres geöffnet“, sagt der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, Marcus Klein. Aber sind da nicht eventuell 200 Leute und mehr am Planschen? Eine Messlatte, die weitgehende Auflagen nach sich zieht – etwa die Vorgabe, dass in diesem Fall die Personalien jedes Besuchers dokumentiert werden müssen. Von der RHEINPFALZ darauf angesprochen, rudert Marcus Klein zurück. „Ich spreche lieber noch mal mit dem Gesundheitsamt, ob wir das Azur auflassen können oder nicht.“
Kulturzentren lahmgelegt
Das gleiche Bild in Landstuhl: Dort hatte die Geschäftsführerin der Stadthalle am Donnerstagmittag noch betont, dass die Aufführungen weiter stattfinden und man den Menschen ein Stück normalen Alltag bieten wolle. Am Freitagmorgen ist alles anders. Nun teilt Kornelia Bernheine mit, dass die Stadthalle ihren Spielbetrieb – wie am Tag davor bereits das Ramsteiner Congress Center – mit sofortiger Wirkung eingestellt habe. „Ich hab die halbe Nacht im Fernsehen Sendungen zu Corona geschaut“, sagt Bernheine. Am Morgen beschloss die Stadt, das Kulturzentrum bis auf Weiteres zu schließen und alle Veranstaltungen abzusagen – „voraussichtlich bis 10. Juli“, sagt Bernheine. Auch die Freitagabendvorstellung – Moving Shadows – , auf die sich so viele Menschen gefreut hätten, fällt aus. „Wir tun das schweren Herzens“, sagt Bernheine. „Wir sind tieftraurig, aber die Sicherheit und die Gesundheit unserer Gäste geht vor.“
Stadtbürgermeister Ralf Hersina (SPD) teilt mit, dass die hohen Auflagen die Kommune zu diesem Schritt bewegt hätten. Ebenfalls abgesagt sind die Maikerwe und das Totengedenken zu Ehren von Franz von Sickingen am 7. Mai. „Uns ist bewusst, dass wir mit dieser Entscheidung das soziale Leben in Landstuhl nahezu lahmlegen. Ich appelliere daher auch an die Eigenverantwortlichkeit der Bürger und bitte darum, dass jeder die empfohlenen Hygienemaßnahmen ernst nimmt und somit eine weitere Verbreitung des Virus auch im eigenen Umfeld erschwert.“
Geschlossen ist ab dem morgigen Samstag auch die Landstuhler Sauna- und Wellnessanlage Cubo. Und zwar bis auf Weiteres, wie Bürgermeister Peter Degenhardt (CDU) mitteilt. „Die Lage wird ständig neu bewertet, über eine Wiedereröffnung wird rechtzeitig informiert.“
Wenig Info für Betroffene
Völlig unklar ist die Situation bis in den Freitagnachmittag hinein auch bei den Schulen und Kitas. Schulschließungen ab Montag stehen im Raum. Doch der Unterricht geht zu Ende, ohne Information für die Eltern – bis zumindest das Ministerium die Mitteilung kurz nach 14 Uhr an die Medien gibt. Die Schulen hingegen warten noch länger auf diese Nachricht auf dem für sie vorgeschriebenen Informationsweg. Und berufen sich teils darauf, dass sie vorher keine Information herausgeben dürfen. „Keiner weiß was“, kritisiert denn auch der Ramsteiner Beigeordnete Marcus Klein, selbst CDU-Landtagsabgeordneter. Und so ist die Unsicherheit der Eltern von Schul- und Kitakindern groß.
Kita-Notfallgruppe
Daniel Schäffner, SPD-Landtagsabgeordneter und Ortsbürgermeister von Mackenbach, hat kurzerhand die Sache selbst in Angriff genommen. Als Träger der kommunalen Kita ist er mittags in die Einrichtung gegangen und hat eine Notfallgruppe mit der Kita-Leitung eingerichtet. Dieses Angebot könnten Eltern, die privat keine Betreuungsperson finden, entweder durchgängig nutzen oder auch nur punktuell bei kurzer beruflicher Unabkömmlichkeit. Die Ansteckungsgefahr dort sei wesentlich geringer, da sich mehr Erzieherinnen um weniger Kinder kümmern und diese auch besser für die Corona-Gefahr sensibilisieren könnten.
„Extrem positiv überrascht“ ist er von der Reaktion der Eltern, die er antraf: „Die sind äußerst verständnisvoll!“ Und offenbar „nicht völlig überrascht“ von der Schließung, sondern haben sich schon Gedanken gemacht. Eine Mutter, die Lehrerin ist, habe zum Beispiel gleich angeboten, Nachbarskinder mitzubetreuen.
Schäffner hat sich „mit der Kreisverwaltung und Bürgermeisterin Pfeiffer“ kurzgeschlossen und aus den Nachbarorten mitbekommen, dass auch dort auf diese Weise die Betreuung von Kindern geregelt werde.