Trippstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bleibt der Wolf in unserer Region?

Ob der Wolf noch in der Gegend ist, kann niemand sagen.
Ob der Wolf noch in der Gegend ist, kann niemand sagen.

Der Wolf ist schon länger zurück in Deutschland. Dass er den Pfälzerwald und auch den Landkreis Kaiserslautern betreten wird, war nur eine Frage der Zeit. In Martinshöhe ist ihm bereits eine Ziege zum Opfer gefallen. Nun stellt sich die Frage, ob er bleibt und was zu tun ist.

Hinter der Bezeichnung GW 2886m verbirgt sich – genetisch bewiesen und ziemlich nüchtern betrachtet – ein Wolfsrüde. Genau dieses Tier hat seine Spuren im Landkreis hinterlassen – sehr deutliche. GW 2886m war nach Übergriffen auf ungeschützte Schafe und Ziegen in angrenzenden Kreisen auch bei Martinshöhe im unterwegs. Dass er da war, dass er gefressen hat – nicht nur Wild –, ist laut dem in Trippstadt angesiedelten Koordinationszentrum Luchs und Wolf Rheinland-Pfalz (Kluwo) Fakt. Daran ist nicht zu rütteln.

Unklar ist allerdings, ob er noch da ist oder längst woanders umherzieht. Eigentlich logisch, Wölfe sind scheu, wollen mit Menschen keine Begegnungen haben. Das heißt: Ein Wolf tapst nicht einfach durch unser Blickfeld und lässt sich bewundern. Das finden die meisten Menschen im Grunde ja durchaus auch gut so. Wissen, wo er ist, das würden wir doch ganz gerne.

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Das will auch Michael Back, Großkarnivorenbeauftragter in Rheinland-Pfalz. Der Kluwo-Mitarbeiter beschäftigt sich von Amts wegen seit Jahren neben dem Luchs auch mit den Wölfen, kennt ihre Fähigkeit, in einer Nacht locker 70 Kilometer weit zu wandern, und er weiß von einem Wolf zu berichten, der ohne größere Aufenthalte auch mal eine Strecke von 1500 Kilometern zurückgelegt hat. Es ist das sogenannte Monitoring der Großkarnivoren, also der großen Fleischfresser, das dieses Wissen ermöglicht. Anhand zahlreicher Nachweise über Fotofallen, Haarfunde oder wissenschaftlich zuzuordnenden Rissen weiß Back über die Wanderschaft des von Süden kommenden Wolfs sowie über seine bisherige Wanderschaft – mal nach Nordost, dann Nordwest und nun Richtung Südwest – Bescheid.

Was Back und auch niemand sonst beantworten kann, ist die Frage danach, wo er steckt und ob er bleibt. Was der Wolf als nächstes tut und wohin er seine Pfoten setzt, das weiß nur der Wolf alleine. Klar kann man vermuten und spekulieren, das wird der Situation aber nicht gerecht. Untätig sind die Trippstadter natürlich dennoch nicht.

Fotofallenmonitoring ausgebaut

„Wir haben das Fotofallenmonitoring um die letzte Stelle, an der er sicher war, ausgebaut“, berichtet Back davon, dass sich nun deutlich mehr Auslöser von Fotofallen auf den Wolf richten. Das reicht aber nicht, sagt Back. Jede Meldung von Bürgern, die etwas wahrgenommen haben, sei wichtig. „Ich glaube zunächst einmal alles, so lange, bis ich das Gegenteil bewiesen habe“, bittet Back darum, sich auch im Zweifel, ob es überhaupt ein Wolf war, an eine offizielle Stelle zu wenden. Er gehe jeder Spur nach. Er bittet allerdings auch darum, keine Meldungen in den sozialen Netzwerken zu verbreiten, die nicht bestätigt sind. Meist handele es sich um die Sichtung eines Hundes. Falschmeldungen schürten nur die Angst in der Bevölkerung.

Panik müsse niemand haben – auch jetzt nicht, da ein Wolf da war oder noch da ist. Im europäischen Raum sei kein Fall „Wolf frisst Mensch“ bekannt. Die Gefahr, von einem Hund verletzt oder getötet zu werden, sei dagegen deutlich höher und sie sei real. Davon spreche aber kaum jemand. Back will den Wolf dabei nicht verharmlosen, er sei nun mal ein Wildtier, und da sei generell ein Risiko gegeben. Deshalb aber nicht mehr in den Wald zu gehen, dafür gebe es absolut keinen vernünftigen Grund.

Zurück zu GW 2886m. Erst wenn sich der Wolfsrüde innerhalb von etwa sechs Monaten mehrfach nachweisen lässt, kann von einer Ansiedlung im Pfälzerwald gesprochen werden. Ob es dann zu einer Paarbildung kommt und sich auch ein weiblicher Wolf einstellt, ob die beiden dann als Paar alleine bleiben oder ein Rudel bilden, ob sie nur eine Weile bleiben und dann weiterziehen oder ob GW2886m längst gar nicht mehr in der Gegend ist – das liegt bis zu gesicherten Nachweisen alles im Reich der Spekulation.

Info

Weitere Informationen gibt es im Internet auf https://fawf.wald.rlp.de/de unter dem Menüpunkt „Forschung und Monitoring – Unsere Aufgaben“.

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