Kreis Kaiserslautern
Birdrace 2026: Mehr als 100 Vogelarten im Kreis Kaiserslautern nachgewiesen
24 Stunden lang Vögeln „hinterherzurennen“ – das ist eine Aufgabe, die Kondition erfordert. Denn bei einem sogenannten Birdrace (übersetzt: „Vogelrennen“) rennen nicht Vögel um die Wette , sondern Vogelbeobachter versuchen in kleinen Teams innerhalb eines Tages möglichst viele Vogelarten in einem festgelegten Gebiet zu sehen oder zu hören.
Um möglichst viele Arten zu entdecken, braucht es Fachwissen und eine akribische Vorbereitung. Das sagt Heiner Ackermann vom Naturschutzbund (Nabu) Weilerbach, der aus Erfahrung spricht. Denn gemeinsam mit den anderen Hobbyornithologen Peter Schmidt, Alfred Klein, Kilian Ackermann und Ingo Stiegemeyer ist es ihm beim jüngsten Birdrace gelungen, 100 unterschiedliche Vogelarten im Kreis Kaiserslautern nachzuweisen.
Optimale Bedingungen erforderlich
Der Dachverband Deutscher Avifaunisten ruft seit 20 Jahren am ersten Maiwochenende zum Birdrace auf. Der bundesweit stattfindende Wettstreit soll auf die bedrohte Vielfalt der heimischen Vogelwelt aufmerksam machen. Durch die immer gleichen Beobachtungsgebiete teilnehmender Gruppen kann im Laufe der Jahre festgestellt werden, ob Arten verschwunden oder neu aufgetaucht sind. Beim Birdrace 2026 waren deutschlandweit 1129 Teams mit insgesamt 3126 Teilnehmern unterwegs. Insgesamt konnten so in Deutschland mehr als 320 Vogelarten nachgewiesen werden.
Vogelbegeisterte des Nabu Weilerbach sind seit zehn Jahren dabei. „Im Zuge der allerersten Planungen erfolgte auch eine Schätzung, wie viele Vogelarten man an einem Tag im Kreis Kaiserslautern nachweisen könnte. 100 schien eine optimistische, aber durchaus realistische Anzahl zu sein“, erklärt Ackermann. Um das Ziel zu erreichen, müssten viele Bedingungen erfüllt sein: kein Regen, kaum Wind und Zugstau in den Tagen zuvor. Erreicht worden war die Zahl bis zum Birdrace 2026 lediglich in den Corona-Jahren, als nur Einzelpersonen unterwegs sein durften. Ein Team hatte es bislang noch nicht geschafft, 100 Arten im Landkreis zu zählen.
„Die Ausgangslage für das tolle Ergebnis war eine akribische Vorbereitung und, im Vergleich zu den Vorjahren, auch eine geänderte Strategie“, schildert Ackermann. Los ging es am Morgen um 4 Uhr. Wachtel, Waldkauz und Nachtigall konnten als Erstes notiert werden. Bei erstem Tageslicht wurde gezielt ein Mischwald mit vielen alten Bäumen und einem hohen Totholzanteil bei Schneckenhausen aufgesucht.
Fast alle Waldvogelarten dabei
Dort konnten fast alle Waldvogelarten entdeckt werden – darunter auch Schwarz- und Mittelspecht, Waldlaubsänger, Waldbaumläufer und Baumpieper. Vom Wald ging es in die Heckenlandschaft bei Schallodenbach. Dort zeigten sich unter anderem Grauammer und Neuntöter. Stiegemeyer entdeckte sogar einen ungewöhnlich hellen Vogel in größerer Entfernung auf einem Busch: einen Gleitaar, eine Ausnahmeerscheinung. Er kommt aus Afrika und Südwesteuropa, wird aber immer häufiger auch in Deutschland beobachtet.
Weitere Höhepunkte folgten mit Wendehals, rastenden Steinschmätzern und Schafstelzen am Amoshof und der Wasseramsel in Niederkirchen. Ein brütender Uhu am Steinbruch war die nächste große Überraschung. Richtung Westpfalz fuhren die „Birdracer“ mit dem Auto. Dort sangen Türkentaube, Baumfalke, Teichrohrsänger, Rohrweihe, Orpheusspötter, Trauerschnäpper. Selbst ein ansonsten heimlicher Gimpel wurde an einem Futterhaus erwischt. In der Westpfälzer Moorniederung sowie am Kranichwoog und Umgebung wurden vor allem Wasservögel gesichtet – und das Traumziel von 100 Arten erreicht.
Teams registrieren 104 unterschiedliche Arten
Ein zweites Team des Nabu Weilerbach war mit dem Fahrrad und zwei ganz jungen Birdern (englisch für Vogelbeobachter) im Osten des Kreises unterwegs. Ihnen gelang der Nachweis von 66 Arten, darunter ein ziehender Schilfrohrsänger, der rund um Kaiserslautern nur alle paar Jahre beobachtet wird. Mitglieder des Nabu Kaiserslautern konnten beim Birdrace 73 Arten im Stadtgebiet und angrenzenden Vororten nachweisen.
Obwohl die Teams in Kaiserslautern und im Kreis 104 unterschiedliche Arten nachweisen konnten, bestätigt sich laut Ackermann der Eindruck aus den Vorjahren: „Die Anzahl der Vögel nimmt ab.“ Der Feldsperling, eine ehemalige „Allerweltsart“, sei komplett verschwunden; Rebhuhn und Gimpel seien bereits selten, und auch die Rohrammer, einst sehr häufig vorkommend, nehme stark ab.