Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wintervogelzählung: Kranich überrascht in Kaiserslautern

Platz 25 im Stadtgebiet, Platz 22 im Landkreis: Der Kernbeißer lebt ganzjährig bei uns, ist in der wärmeren Jahreszeit aber kaum
Platz 25 im Stadtgebiet, Platz 22 im Landkreis: Der Kernbeißer lebt ganzjährig bei uns, ist in der wärmeren Jahreszeit aber kaum zu entdecken.

Kälte und Sturm Elli trieben Tausende Kraniche über Kaiserslautern – sie landen sogar auf Platz eins der Wintervogelzählung. Der Spatz hingegen verliert deutlich.

Seit vielen Jahren ruft der Naturschutzbund Nabu zur Aktion „Stunde der Wintervögel“ auf. Dabei melden Vogelfreunde ihre Sichtungen an einem festgelegten Wochenende. In diesem Jahr fiel der Termin mit einem kräftigen Wintereinbruch und dem Sturm Elli zusammen. Trotz widriger Bedingungen beteiligten sich deutschlandweit mehr als 140.000 Menschen. Die Beobachtungsdaten liegen inzwischen vor.

Spatz führt bundesweit – doch mit Rückgang

Im Bundesdurchschnitt behauptete der Haussperling, in der Pfalz eher als Spatz bekannt, erneut den Spitzenplatz. Der seit Jahren zu beobachtende Rückgang setzte sich allerdings fort.

In der Stadt Kaiserslautern landet der Spatz diesmal nur auf Rang fünf, im Landkreis auf Rang zwei. Regional beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr rund 30 Prozent – ein deutlicher Einschnitt.

Fehlende Nistplätze und weniger Insekten

„Das ist ein Drama und hat nichts mit dem Wetter am Zählwochenende zu tun“, bewertet Alfred Klein vom Nabu Weilerbach die Entwicklung. Der Haussperling gilt als typischer Kulturfolger, der in Siedlungen eng mit dem Menschen lebt. Laut Klein fehlen heutzutage geeignete Nistmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Menschen.

Hinzu kommt der Mangel an Insekten, die Spatzen für die Aufzucht ihrer Jungen benötigen. „Hier schlägt der Insektenrückgang brutal zu“, sagt Klein und spricht von einer „harten Nuss“ bei der Erhaltung dieser Art.

Erfolg auf Stoppelfeldern

Klein zählte in diesem Jahr gemeinsam mit einer Gruppe von 17 Vogelfreunden bei Steinwenden. Eis und Kälte hielten die Ehrenamtlichen nicht vom Zählen ab. Besonders auf nicht umgebrochenen Stoppelfeldern wurden zahlreiche Kleinvögel gesichtet: binnen kurzer Zeit 80 Goldammern und 120 Bluthänflinge, dazu weitere Kleinvögel. Auf solch einem Stoppelacker, der über Winter unbearbeitet bleibt, suchen und finden vor allem die Kleinvögel Reste von ausgefallenem Getreide. Dort, wo Getreide und Wildkräuter ungehindert auflaufen können, zeigt sich Grünes, das zusammen mit den Stoppelresten wenigstens ein kleines bisschen Deckung bietet.

Kernbeißer: Der größte Finkenvogel der Region

Neben Kleinvögeln, Amseln, verschiedenen Meisenarten, Tauben, Greifen und Krähen zählte die Gruppe unter anderem auch 20 Kernbeißer, den größten Finkenvogel der Region. „Den sieht man eher nur in den Wintermonaten“, erläutert Klein. Im Sommer halten sich die Vögel ebenfalls in der Gegend auf, bleiben jedoch unauffällig in Baumkronen.

Dieser Kleiber holt sich die Erdnuss an der Futterstelle: Platz 15 im Landkreis, Platz 18 im Stadtgebiet.
Dieser Kleiber holt sich die Erdnuss an der Futterstelle: Platz 15 im Landkreis, Platz 18 im Stadtgebiet.

Besonders auffällig waren in diesem Jahr die vielen Kranichsichtungen. Normalerweise taucht diese Zugvogelart in den Winterstatistiken der Region kaum auf.

Rekordmeldungen aus mehreren Bundesländern

„Frost, Schnee und Sturm Elli haben Zehntausende in Deutschland überwinternde Kraniche in die Flucht geschlagen“, erläutert Klein. Die Tiere verließen zugefrorene Seen und kalte Rastgebiete und wurden auf ihren Flügen in vielen Regionen gezählt.

Laut Nabu wurden mehr als 37.000 Kraniche bundesweit gemeldet. Allein in Rheinland-Pfalz waren es knapp 7400, in Nordrhein-Westfalen 8700, in Hessen 4800 und in Niedersachsen 3800. Auch über Kaiserslautern und Umgebung waren zahlreiche Formationen zu sehen.

Sorge um Vogelgrippe-Folgen

Der Kranichflug hat mittlerweile wieder nachgelassen. Bei milderem Wetter könnten jedoch wieder Züge in umgekehrter Richtung beobachtet werden.

Wie sich die Vogelgrippe und der Verlust vieler Kraniche im vergangenen Zugjahr auswirken, ist unklar. Damals verendeten mehrere Tausend Tiere, einige auch im Kranichwoog. Kraniche leben in lebenslanger Partnerschaft. „Was sie wohl tun, wenn sie im Frühjahr an ihre Brutplätze zurückkehren und der Partner fehlt?“, fragt Klein.

Info

Rangliste „Stunde der Wintervögel“ 2026
Stadt Kaiserslautern: 1. Kranich, 2. Kohlmeise, 3. Blaumeise, 4. Amsel, 5. Haussperling, 6. Star, 7. Straßentaube, 8. Saatkrähe, 9. Rotkehlchen, 10. Elster
Landkreis Kaiserslautern: 1. Kohlmeise, 2. Haussperling, 3. Blaumeise, 4. Amsel, 5. Star, 6. Kranich, 7. Elster, 8. Feldsperling, 9. Buchfink, 10. Rotkehlchen
Weitere Informationen unter: www.nabu.de/stunde-der-wintervoegel

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