Kreis Kaiserslautern
Bewertung „sehr schlecht“: Diese drei Orte bei Kaiserslautern trotzen den Zahlen
Was haben Frankelbach, Langwieden und Waldleiningen gemeinsam? Alle drei Orte im Landkreis Kaiserslautern haben keine eigene Schule im Ort, keinen Arzt und kein gutes Mobilfunknetz – und sind damit „sehr schlecht“ versorgt. Das behauptet zumindest ein aktueller „Gemeinde-Check“ des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), das die Versorgung aller 10.871 Gemeinden in Deutschland anhand von fünf Kategorien bewertet hat. Sechs Gemeinden im Landkreis Kaiserslautern schneiden bei diesem Versorgungs-Überblick mit „sehr schlecht“ ab. In Frankelbach, Langwieden und Waldleiningen sieht es hier in der Region in den Kategorien Gesundheit, Bildung und Digital am schlechtesten aus – zumindest den Zahlen nach. „Dass wir da weit hinten sind, ist klar“, bemerkt der Erste Ortsbeigeordnete von Waldleiningen Markus Böhm, der in Abwesenheit von Ortsbürgermeister Volker Jeblick, die Geschäfte im Ort übernimmt.
Zugang zu allem – nur nicht immer im Ort
Laut dem Check des IW ist Waldleiningen besonders im Bereich Bildung schlecht versorgt. Betrachtet wurde hierbei die Erreichbarkeit der nächsten Schule und die Anzahl der Kitas. Tatsächlich werden die Zahlen der Realität hier aber nicht ganz gerecht. Eigene Bildungseinrichtungen gibt es im Ort zwar nicht, die Kinder können aber den Kindergarten und die Grundschule in Hochspeyer besuchen. Mit dem Auto sind das etwa sieben Minuten Fahrt. Kein wirkliches Problem befindet Böhm, im Gegenteil: In dem kleinen Ort mit etwa 400 Einwohnern würden sich eigene Einrichtungen gar nicht lohnen. Schlecht versorgt sei man damit aber in diesem Punkt nicht unbedingt. „Wir haben Zugang zu allem, die Versorgung ist nur nicht immer lokal gelöst“, erklärt er.
Ähnlich verhält es sich in Frankelbach. Im Kreis angeblich Schlusslicht bei der gesundheitlichen Versorgung. „Diese Auswertung ist schon nicht verkehrt, wir sind schlecht versorgt“, bemerkt Ortsbürgermeister Hans-Peter Spohn. Das Thema Gesundheit sei aber nicht das größte Problem, der nächste Arzt in Olsbrücken sei zwei Kilometer entfernt. Ein eigener Arzt im Ort sei bei den etwa 300 Einwohnern einfach nicht realistisch.
„Man weiß sich zu helfen“
In Langwieden geht es für die meisten Erledigungen und auch für Kita- und Schulkinder nach Bruchmühlbach. Einen Arzt gebe es auch im benachbarten Martinshöhe, erklärt Ortsbürgermeisterin Hannah Havel. Dass kleine Gemeinden im ländlichen Raum nicht alles vor Ort haben, sei selbstverständlich. Der Nachteil der Abgeschiedenheit habe aber auch Vorteile. „Oft müssen wir gar nicht nach Bruchmühlbach, sondern fragen beim Nachbarn“, erklärt Havel. Der Zusammenhalt sei in einem Ort wie Langwieden mit etwa 270 Einwohnern ein ganz anderer als in größeren Gemeinden. „So wie’s früher war, ist es bei uns heute noch“, beschreibt sie das Dorfleben. Diesen besonderen Zusammenhalt kennen auch Hans-Peter Spohn und Markus Böhm. „Der Mangel ist da, aber man weiß sich zu helfen“, beschreibt Böhm die Lage in Waldleiningen. Auch hier sei die Nachbarschaft sehr hilfsbereit, der Zusammenhalt zeige sich zum Beispiel in spontanen Straßenfesten, zu denen alle eingeladen seien. In Frankelbach seien ebenfalls Vereine und zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr sehr aktiv. „Wer in Frankelbach wohnt, sucht die Ruhe“, beschreibt Spohn außerdem die für viele attraktive Lage inmitten der Natur.
„Grottenschlechtes“ Mobilfunknetz ist Problem
Ein Problem, das hingegen alle drei Gemeinden teilen und das sich tatsächlich auch im Gemeinde-Check widerspiegelt, ist das schlechte Mobilfunknetz. Langwieden ist hier eine der Gemeinden, die beim Punkt Digital nicht nur regional, sondern auch deutschlandweit den schlechtesten Rang innehat. Tatsächlich liegen große Teile des Ortes in einem Funkloch, bestätigt Havel. Das gleiche Problem zeigt sich auch in Frankelbach: „Unser Mobilfunk ist grottenschlecht“, bemerkt Spohn. An einigen Orten gebe es gar kein Netz, darunter auch das Dorfgemeinschaftshaus, bei dem es als Versammlungsort besonders wichtig wäre, auch mal einen Notarzt rufen zu können. Der Glasfaserausbau stocke ebenfalls in allen drei Gemeinden und sei ein Dauerproblem. Immerhin, im angeblichen Schlusslicht Langwieden sei die Internetverbindung auch ohne Glasfaser recht gut. Und auch ein Funkmast könnte bald in der Nähe errichtet werden, verkündet Havel.
Kaum Investitionen möglich
Das eigentliche Problem der Gemeinden liege aber weniger in einzelnen Punkten als in der Quelle dahinter: Es geht ums Geld. „So gut wie alle Ortsgemeinden in der Pfalz haben ein Problem mit der Unterfinanzierung“, stellt Böhm fest. Schon wenn es um Kleinigkeiten geht wie den neuen Boden im Gemeindesaal, werde es mit den Mitteln eng, sagt Spohn. In die Infrastruktur und damit die Versorgung zu investieren, sei daher so gut wie unmöglich. Und in Böhms Augen hat das noch weitreichendere Konsequenzen. Wenn Gebühren ständig erhöht werden müssen und kein Geld für freiwillige Leistungen – und sei es nur die Unterstützung des Sportvereins – bleibt, fördere das die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger. „Wenn es in der kleinen Zelle nicht funktioniert, verlieren die Bürger auch das Vertrauen in die große Zelle. Das wiederum öffnet Radikalen Tür und Tor“, stellt Spohn fest. Er mahnt an, die Ortsräte nicht zu überfordern und stattdessen besser zu unterstützen. „Früher hieß es gestalten, heute kann man nur noch verwalten“, kommentiert er den fehlenden finanziellen Spielraum.