Schopp / Rodenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Betreuungskrise: Wie Kita-Ausfälle Eltern unter Druck setzen

Einen Betreuungsnotstand gibt es an vielen Kindertagesstätten: Der Fachkräftemangel ist in diesem Bereich gravierend.
Einen Betreuungsnotstand gibt es an vielen Kindertagesstätten: Der Fachkräftemangel ist in diesem Bereich gravierend.

Wenn die Kita plötzlich früher dicht macht, haben Eltern ein Problem. In Schopp und Rodenbach sei dies sehr oft der Fall, beklagen drei Mütter: „So kann es nicht weitergehen!“

Die Deutschen sollen mehr arbeiten, fordert Kanzler Friedrich Merz. Darüber, wie auch über das vor Monaten kursierende Reizwort von der Livestyle-Teilzeit, können die Frauen nur bitter lachen: Alle drei würden gerne mehr arbeiten. „Nur, wie soll das gehen, wenn die Kinderbetreuung nicht funktioniert?“, fragen sie.

Weil Erzieherinnen fehlen, müssen Kinder in der Kita in Schopp sehr oft Stunden früher abgeholt werden – ein großes Problem für
Weil Erzieherinnen fehlen, müssen Kinder in der Kita in Schopp sehr oft Stunden früher abgeholt werden – ein großes Problem für berufstätige Eltern.

Zwei der Mütter stammen aus Schopp. Ihre Kinder gehen in die „Arche Kunterbunt“, die gerade ausgebaut wird. Sie ist die einzige Kindertagesstätte in der Holzlandgemeinde und normalerweise von 7 bis 16 Uhr geöffnet. „Aber seit den Sommerferien gab es nicht eine einzige Woche, in der es normal lief“, ärgern sie sich darüber, dass die Schließzeiten „ständig verkürzt“ würden: Statt um 16 Uhr müssten die Ganztagskinder dann bereits um 14 Uhr, manchmal sogar schon um 13 Uhr abgeholt werden. „Wir erfahren das dann morgens um 8.30 Uhr über die Kita-App, wenn wir schon auf der Arbeit sind! Wie soll man das dauernd organisiert kriegen?“, schimpfen die beiden Frauen, die der Redaktion namentlich bekannt sind, aber nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchten.

Auch in der protestantischen Kita in Schopp schließen sich die Türen häufig deutlich früher als eigentlich geplant.
Auch in der protestantischen Kita in Schopp schließen sich die Türen häufig deutlich früher als eigentlich geplant.

Mit dem gleichen Problem sieht sich auch eine Mutter aus Rodenbach konfrontiert, deren Tochter dort in die protestantische Kindertagesstätte geht. Beide Kitas haben denselben Träger, den protestantischen Kita-Verbund Nordpfalz, der zum Dekanat an Alsenz und Lauter gehört. Die Frauen haben sich zusammengetan, weil sich etwas ändern müsse. Ihre Kritik richtet sich an den Träger, ausdrücklich nicht an die Betreuer, wie das Trio betont. „Die Mitarbeiter gehen auf dem Zahnfleisch und müssten dringend entlastet werden.“

„Nicht jeder Chef macht das mit“

Wie Rodenbach gehört auch die weit vom Lautertal entfernte Kirchengemeinde Schopp-Linden-Krickenbach (vormals Dekanat Kaiserslautern) seit 2024 dem Dekanat an Alsenz und Lauter an. „Als der Wechsel kam, haben wir gleich befürchtet, dass wir hinten runterfallen“, sagen die Schopperinnen. Diese Sorge sei abgewiegelt worden. „Aber jetzt ist es genauso gekommen“, finden sie. Wobei die Probleme in Rodenbach dieselben sind. „Ein Vater musste schon seinen Flug umbuchen, um sein Kind abholen zu können, weil die Kita plötzlich früher zugemacht hat“, nennt die Mutter aus Rodenbach ein Beispiel und fügt an: „Nicht jeder Chef macht das mit, wenn so was öfter passiert.“ Auch sie selbst habe schon berufliche Nachteile gehabt, weil ihr Kunden abgesprungen seien, nachdem sie ihre Termine wegen der Kita dauernd habe verlegen müssen, beklagt sie.

Noch schlimmer traf es nach Aussage der beiden Frauen aus der Holzlandgemeinde einen Vater aus Schopp: „Er hat seinen Job deswegen verloren!“ Auch die beiden Angestellten sorgen sich um ihren Ruf am Arbeitsplatz. Wenn man ständig früher gehen müsse, verlören Vorgesetzte und Kollegen womöglich irgendwann die Geduld, befürchten sie. „Ich pendele jeden Tag eine Stunde einfach zu meiner Arbeitsstelle und kann nur 50 Prozent Homeoffice machen“, schildert die eine Mutter ihre berufliche Situation. „Selbst wenn die Kita von 7 bis 16 Uhr offen wäre, könnte ich nicht Vollzeit arbeiten, denn die Betreuungszeiten sind an sich schon dafür zu kurz.“ Die andere Mutter aus Schopp hatte ihre Stelle bereits aufgestockt, aber dann wieder aufgehört, weil es mit der Betreuung nicht klappte.

„Ohne Großeltern geht es nicht“

„Wir Frauen müssen arbeiten, weil sonst in der Familie das Geld nicht reicht“, bringt es die Rodenbacherin auf den Punkt. „Und wir würden gerne mehr Geld verdienen. Aber wenn es an der Kita-Betreuung hapert, sind es doch immer noch in den allermeisten Fällen die Frauen, die beruflich zurückstecken.“ Ohne Großeltern, die immer wieder einspringen, gehe es nicht. „Doch die sind auch mal in Urlaub oder arbeiten selbst noch.“ Ganz schlimm sei die Situation von Alleinerziehenden. „Die sind völlig aufgeschmissen.“

Die Frauen fordern vom Kita-Träger Planungssicherheit für die Eltern. Das Kita-Personal müsse aufgestockt werden, um diese Planungssicherheit auch im Krankheitsfall zu gewährleisten. Sowohl in Rodenbach als auch in Schopp sei je eine Stelle ausgeschrieben. „Aber das wird nicht genügend publik gemacht.“ Je zehn Kinder dürften von einer pädagogischen Fachkraft betreut werden, von einer Sozialassistenz fünf, erklären sie. Im Krankheitsfall sei die maximale Kinderzahl dann unter Umständen schnell erreicht. Dass „Azubis und Praktikanten überhaupt nicht zählen“, verstehen die Mütter nicht. Sie fordern, dass der Träger einen Pool an Vertretungskräften für die Nachmittage suchen solle, die dann kurzfristig einspringen könnten.

Während des Ausbaus läuft der Kita-Betrieb weiter

Unter dem Personalmangel hätten nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder zu leiden: „Ausflüge fallen dauernd aus, die Vorschule findet kaum je statt“, kritisieren die Mütter und befürchten, dass ihre Kinder schlechter vorbereitet als andere in die Grundschule starten und so Nachteile hätten. In Schopp werden die Kinder während des laufenden Ausbaus betreut. „Direkt vorm Fenster rumort der Bagger“, berichten die Mütter und fragen nach den Ausweichquartieren, die man ihnen vor Beginn des Ausbaus versprochen habe.

Was sagt der Träger zur Klage der Mütter? „Wir wissen, dass die Situation unbefriedigend ist und verstehen auch die Eltern“, betont Sonja Noseck, Verwaltungsleiterin und Geschäftsführerin des Kita-Verbunds Nordpfalz, dass deren Nöte dem Träger „nicht egal“ seien. Aber offene Stellen zu besetzen, sei äußerst schwierig.

„Voll im Fachkräftemangel“

„Der Bedarf ist riesig. Es gibt niemanden mehr auf dem Arbeitsmarkt, der arbeitslos ist. Wir sind da voll im Fachkräftemangel drin.“ Alle Kita-Kinder in Rheinland-Pfalz hätten einen Rechtsanspruch auf sieben Stunden Betreuung pro Tag, erläutert Noseck. Zunächst werde daher grundsätzlich versucht, diese sieben Stunden Rechtsanspruch zu sichern. „Deshalb sind Kürzungen der Öffnungszeiten am Nachmittag eine häufige Maßnahme“, räumt sie ein, dass dann bereits um 14 Uhr Schluss sei. „Dass das kurzfristig kommuniziert wird, ergibt sich, wenn der Personalmangel aufgrund akuter Krankheitsausfälle entsteht.“ Die Situation in Schopp sei besonders schwierig: Dort habe es mehrere Leitungswechsel gegeben. „Und als der Stellenschlüssel voll besetzt war, sind drei Fachkräfte kurz hintereinander schwanger geworden.“ Dies bedeute, dass der Betriebsarzt aufgrund der Risiken, etwa den Ansteckungsgefahren für das ungeborene Kind, ein Beschäftigungsverbot für die Mitarbeiterinnen ausspreche. Hinzu kämen hohe Krankenstände beim Personal in Schopp. Den Vorwurf der Eltern, es werde nicht energisch genug nach Ersatz gesucht, weist Sonja Noseck deutlich zurück. „Das stimmt nicht! Wir bemühen uns sehr.“

„Auszubildende zählen nicht mit“

Jede Kita habe einen vorgeschriebenen Personalschlüssel, der nicht überschritten werden dürfe. Eine Fachkraft dürfe laut Gesetz nicht mehr als zehn Kinder betreuen, wobei man auch Urlaub oder Fortbildung der Fachkraft miteinpreisen müsse. Wenn sich niemand als Ersatz finde, müsse die Anzahl der betreuten Kinder reduziert werden, erläutert Noseck. „Auszubildende oder Praktikanten zählen nicht. Das ist aus Haftungsgründen so vorgeschrieben.“

Springer zu finden, sei ebenfalls schwierig, denn: „Die Springer, die wir hatten, sind inzwischen alle in feste Arbeitsverhältnisse gewechselt. Das geht ganz schnell. Aufgrund des grassierenden Fachkräftemangels können sie es sich mittlerweile aussuchen, wohin sie gehen“, erklärt Noseck das Dilemma. „Wir sind an verschiedenen Lösungsmöglichkeiten dran.“ Eine Fachkraft im Ruhestand solle in Schopp zur Unterstützung kommen. „Und dann hoffen wir auf das Ende des Ausbildungsjahres im Sommer. Dann sind wieder mehr Fachkräfte auf dem Markt.“

Dass der laufende Kita-Ausbau die Situation in Schopp nicht einfacher mache, weiß auch die Geschäftsführerin des Trägerverbunds. Was andere Unterbringungsmöglichkeiten angehe, sei „man immer noch in Gesprächen“, sagt sie und verweist auf die Hürden der Bürokratie: „Um für Ausweichräume grünes Licht zu kriegen, brauchen wir die Betriebserlaubnis von fünf Fachbehörden.“

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