Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Altenpflege: Welche Rolle spielen Roboter?

Sieht so die Pflegekraft der Zukunft aus? Roboter wie „Pepper“ werden teilweise schon eingesetzt. Sie können sich unterhalten un
Sieht so die Pflegekraft der Zukunft aus? Roboter wie »Pepper« werden teilweise schon eingesetzt. Sie können sich unterhalten und mit Patienten und Heimbewohnern in Interaktion treten.

Wie wird das Heim der Zukunft aussehen? Werden weiterhin Menschen Menschen pflegen oder werden Maschinen das übernehmen?

Sie heißen Ameca, Oskar oder Pepper, schauen freundlich, unterhalten sich gerne, sind immer geduldig und könnten in nicht allzu ferner Zukunft überall im Land in Altenheimen anzutreffen sein. Die Rede ist von Robotern. Eingesetzt werden könnten die programmierten Gesellen, um Pflegekräfte zu entlasten. Dass dies in zunehmendem Maße notwendig sein wird, davon gehen Prognosen aus. Denn immer mehr Menschen in Deutschland werden immer älter und viele davon auch pflegebedürftig. Da es aber zu wenige Pflegerinnen und Pfleger gibt, könnten Maschinen einspringen.

Geforscht wird in Sachen Robotik schon seit geraumer Zeit, unter anderem auch an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Im September wurde auf der Seniorenmesse Ameca ein aus England stammender humanoider Roboter vorgestellt, der von den Kaiserslauterer Wissenschaftlern derzeit weiterentwickelt wird. In Serie werden die elektronischen Helfer hierzulande jedoch noch nicht produziert. Da sind andere Länder, vor allem im asiatischen Raum, deutlich weiter.

Unterstützen ja, ersetzen nein

Gedanken über das Thema aber machen sich die Pflegeeinrichtungen auch in der Westpfalz. Thomas Matz, Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Nikolaus in Landstuhl, hat bei sich im Haus noch keine Roboter im Einsatz. In bestimmten Bereichen könnte er sich aber vorstellen, die moderne Technik einzusetzen – Reinigungsroboter etwa, die das Personal unterstützen oder Künstliche-Intelligenz-Systeme, die die Dokumentation für die Pflegekräfte übernehmen. „Wenn Technik den Mensch unterstützt, wenn das dazu führt, dass ich wieder mehr Zeit für die Bewohner habe, dann bin ich der größte Fan“, sagt Matz. Als Ersatz für die Pfleger, das Küchen- oder Reinigungspersonal sieht er die Roboter allerdings nicht.

Da ist er ganz bei Gerda Hasselfeldt, der Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die gegenüber der Funke-Mediengruppe gesagt hat, dass Roboter niemals menschliche Zuwendung, die aber in der Pflege und gerade bei dementen Menschen entscheidend sei, ersetzen werden. Dieser Devise entsprechend nutzt der DRK-Kreisverband Kaiserslautern-Land bislang lediglich „punktuell und situativ“ Reinigungsroboter und Mähroboter in den Gärten der Einrichtungen. „Die Entwicklungen in diesem Bereich beobachten wir jedoch mit großem Interesse“, teilt der DRK-Kreisverband mit. Gleichzeitig gehen auch die Rotkreuzler vor Ort davon aus, „dass die Kernversorgung pflegebedürftiger Menschen auch in den kommenden Jahren von Menschlichkeit geprägt und dominiert sein wird“.

System kaum noch finanzierbar

Das hofft auch Ines Radtke. Die 37-Jährige hat im August in Landstuhl ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen. Im Arbeitsalltag hatte sie noch keinen Kontakt zu Robotern. Sie findet aber, dass das „ein unglaublich spannendes Thema ist“, wenngleich sie auch betont, dass sie es schöner fände, wenn auf den Einsatz der Maschinen verzichtet werden könnte. Dass die technischen Helferlein Menschen wie sie, die in die Pflege gehen, gänzlich überflüssig machen, glaubt Radtke nicht. „Es ist ein Gerät und bleibt ein Gerät. Wir aber werden immer Menschen in diesem Beruf brauchen“, ist die Kindsbacherin überzeugt.

Matz ist zwar derselben Meinung, sieht aber ein Finanzierungsproblem auf die Gesellschaft zukommen. „Wenn die Politik ihren Kurs nicht verlässt, gibt es, sage ich, in 20 Jahren keine normalen Heime mehr“, sondern nur noch welche für Reiche. Wenn sich die Kosten weiterhin so entwickelten, wie in den vergangenen Jahren, könne das kein Sozialsystem mehr tragen, befürchtet der Heimleiter.

Technik könnte junge Menschen locken

Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine. Auch Alexander König, der sich als Professor am Lehrstuhl für Robotik und Systemintelligenz an der Technischen Universität München auch mit dem Thema Robotik in der Pflege befasst, äußert sich ähnlich: „So hart es klingt, wir werden uns das finanziell in Zukunft nicht leisten können, dass alle Menschen, die Pflege benötigen, stationär aufgenommen werden.“ In diesem Fall könnten Roboter einspringen und diese Personen zuhause unterstützen, ihnen etwa bei der Medikamenteneinnahme helfen oder beim Kochen. Mitarbeiter mobiler Pflegedienste hätten dadurch Zeit, sich um mehr Pflegebedürftige zu kümmern, weil sie seltener bei jedem Einzelnen vorbeikommen müssten.

Aber Roboter könnten das Pflegesystem nicht nur insofern entlasten, dass sie den Fachkräften Arbeit abnehmen. Sie könnten, glaubt König, auch den Pflegeberuf für junge Menschen wieder attraktiver machen. „Roboter sind cool, Technologie macht Spaß und kann begeistern“ – und könnte so für mehr Auszubildende sorgen.

Thomas Matz hingegen könnte sich noch etwas ganz anderes vorstellen. Er meint, einen gewissen Wandel in der Gesellschaft zu beobachten. Während die heutigen Senioren es für sich noch in Betracht ziehen und, wenn es nicht mehr anders geht, es auch annehmen würden, im Heim zu wohnen, sei das für viele Jüngere eher keine Option mehr. Wie lange es noch Altenzentren in der jetzigen Form geben wird und wie sich die Pflege der Betagten von morgen gestalten wird, muss also abgewartet werden.

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