Kaiserslautern
Pflege am Limit: Können humanoide Roboter den Alltag erleichtern?
Sein schwarz-graues, metallähnliches Äußeres erinnert an einen Außerirdischen, seine Stimme klingt künstlich, doch sein Gegenüber hat er fest im Blick: „Ameca“, ein humanoider Roboter, der mithilfe von ChatGPT sprechen und lachen kann, weckte das Interesse von Gästen aus Pflegeeinrichtungen. Das Seniorennetzwerk Kaiserslautern hatte diese am Abend vor der Seniorenmesse – diese ist auch am 13. September noch geöffnet – zu einer Vorstellung des Roboters in die Fruchthalle eingeladen.
„Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und Fachkräfte in der Pflege fehlen“, skizzierte Markus Lambrecht, Vorsitzender des Seniorennetzwerks Kaiserslautern, die aktuelle Situation. Gleichzeitig erwarteten Pflegebedürftige eine würdige Unterstützung mit Herz und Nähe im Alltag. „Ob Robotik und Technik dazu in der Lage sind? Ob sie menschliche Zuwendung in der Pflege ersetzen können?“
Sprechen, singen, aber nichts transportieren
Professor Patrick Wolf und sein Team von der Roboterforschung an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) Kaiserslautern nutzten angesichts des Pflegenotstandes die Gelegenheit, über den Entwicklungsstand von Robotern zu informieren. Das Beispiel „Ameca“, ein in England entwickelter menschenähnlicher Roboter, dessen Aktivitäten wie Sprache, Gesichtsausdruck, Bewegungsabläufe und Interaktion von Wolf und seinem Team weiterentwickelt werden, nahmen die Besucher zum Anlass, den Einsatz von Robotern in der Pflege zu hinterfragen.
Wolf erklärte, der Roboter könnte ein persönlicher Assistent in der alltäglichen Unterstützung von Pflegebedürftigen sein. Im Gegensatz zu einem „Avatar“, einer künstlichen Person mit nur geringer Akzeptanz, habe „Ameca“ in Testversuchen bessere Werte erzielt. Er räumte ein, dass der Roboter noch nicht laufen und insofern nur bedingt interagieren könne. „Er kann sprechen und singen, aber kein Essen bringen.“ Dafür gebe es Serviceroboter, die Gegenstände transportieren können.
„Gruseliges Erscheinungsbild
Im Dialog zwischen Wolf und den Besuchern kamen Vor- und Nachteile des Robotereinsatzes in der Pflege zur Sprache. Von einem „gruseligen Erscheinungsbild“ des Roboters war die Rede, ebenso von einem starren Blick und einem mächtigen Aussehen, das Angst mache. „Hoffentlich liege ich noch lange nicht pflegebedürftig im Bett“, meinte eine Besucherin. Ein Teilnehmer erinnerte das Erscheinungsbild des Roboters an Figuren aus dem Film „Star Wars“.
Wolf hingegen berichtete von positiven Wirkungen von „Ameca“ auf Menschen. „Durch die Augenbewegungen wirkt sie unglaublich menschlich. Erstaunlich realistisch.“ Meinungen über den Roboter lauteten: „Je mehr ich ,Ameca’ befragte und je mehr ich mit ihr in Kontakt kam, desto mehr Sympathie empfand ich für sie.“
Kann Pflegepersonal nicht ersetzen
Wiederholt betonte Wolf, dass der Roboter Pflegepersonal nicht ersetzen, sondern nur ergänzen könne. „Ameca“ sei am Lernen. Indem der Roboter mit künstlicher Intelligenz lerne, Blicke zu halten, baue er mit seinem Gegenüber emotionale Momente auf. Wichtig sei es, Roboter sinnvoll einzusetzen. Noch sei dieser nicht in der Lage, medizinische Notfälle zu erkennen.
Ein Besucher erinnerte daran, dass 40 Prozent der Arbeitszeit in der Pflege für Dokumentation aufgebracht werden müsse. „Zeit, die das Personal besser am Bett von Pflegebedürftigen verbringen könnte.“ Insbesondere Auszubildende könnten vom sozialen Miteinander profitieren. Die Dokumentation könnte man der Künstlichen Intelligenz überlassen.
Jakub Pawlak, wissenschaftlicher Mitarbeiter, stellte die Kunstfigur und ihr Können vor. Unter der grauen Silikonhaut von „Ameca“ sei viel Technik versteckt. Sechs unterschiedliche Gesichtsausdrücke seien dem Roboter möglich – vom Lächeln bis zum traurigen Aussehen. Er könne die Arme bewegen, nicht aber die Beine. Die Entwicklung von Pflegerobotern sei noch lange nicht am Ende, betonte Pawlak.