Germersheim / Speyer
Im Frachtzentrum: Welche Weihnachtspäcken der Zoll abfängt
Kleine Pakete, große Pakete, Päckchen, Sporttaschen und Koffer türmen sich in vielen Gitterwagen, warten darauf, dass sie in die Hand genommen werden. Die Mitarbeiter des DHL-Paketdienstes arbeiten ruhig, jeder hat eine kleine Nische, in der er steht oder am Tisch sitzt. Doch sie alle machen das Gleiche – sie sortieren die Päckchen. Es ist Vorweihnachtszeit und damit Hochsaison. Dazwischen stehen Männer und Frauen in den blauen Uniformen des Zolls und fordern die DHL-Mitarbeiter ab und an auf, ein Paket zu öffnen.
Vergangenes Jahr wurden „rund 700.000 Postsendungen in der IFS (internationale Frachtstation Speyer) durch uns kontrolliert“, sagt Niklas Armbrust vom Hauptzollamt Saarbrücken. Zirka „2000 davon waren Aufgriffe unterschiedlicher Natur, wo irgendwas nicht in Ordnung war“, sagt Armbrust. Das IFS Speyer ist eins von insgesamt vier solcher Frachtzentren in Deutschland (Frankfurt/Main, Niederaula und Radefeld). Alle haben besondere Aufgaben: Speyer ist hauptsächlich für den Postverkehr aus Großbritannien und der Schweiz zuständig. Das heißt, dass alle Pakete und Päckchen aus „diesen Ländern hier vom Zoll abgefertigt werden“, ergänzt Natalie Gütermann vom Zoll. Und als Besonderheit „wird die gesamte Feldpost hier kontrolliert“.
Postmitarbeiter öffnet Pakete
Erleichtert wird die Arbeit der Zöllner dadurch, dass alle Pakete durch die Post elektronisch angemeldet werden. Ist etwas bei den Dokumenten unklar oder vielleicht widersprüchlich, passt das Paket nicht zum angekündigten Inhalt, bittet der Zoll den DHL-Mitarbeiter, das Paket zu öffnen. Und manchmal staunt man nicht schlecht, „was in den Paketen zu finden ist“, sagt Stephan Klink, der seit 21 Jahren Abfertigungsbeamter beim Zoll ist. Mehrere Kilo Marihuana seien auch schon dabei gewesen. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit werde viel im Internet bestellt. „Lichterketten zum Beispiel, ohne CE-Kennzeichnung oder gefälschte Produkte“, sagt Klink. Armbrust ergänzt: Alle Jahre wieder kommt es zu Unglücken, weil minderwertige Ware „aus dem Ausland bestellt wird“.
Klink zeigt auf einen Tisch, auf dem Parfüms, ein Trikot des FC Barcelona, Sportschuhe und mehr zu finden ist. Kein Gabentisch zu Weihnachten für die Zöllner, aber alles gefälschte Waren, die in jüngster Zeit entdeckt wurden. Gütermann und Klink verweisen darauf, dass die Parfümhersteller mit Profianwälten oftmals noch zivilrechtlich gegen die Empfänger der bestellten Waren vorgehen. „Das kann teuer werden“, sagt Klink. Natalie Gütermann zeigt auf ein kleines Paket, das kurz zuvor geöffnet worden ist. Darin sind kleine Tütchen in einer Aufmachung, die an Pokémon erinnern. In den Tütchen ist deutlich riechbar eine Hanfmischung. Weiter sind im Päckchen blaue Handcremedosen, die Schriftart ähnlich dem Original, der Produktname anders. Sie beinhalten eine Creme mit Hanf – ebenfalls stark nach Marihuana duftend, wie an manchen Ecken in Germersheim. Damit der Duft dem Zoll nicht gleich auffällt, wurde der Inhalt in Bauschaum eingeschlossen. „Doch dafür haben wir die Röntgengeräte“, sagt Klink.
Eine Patrone im Paket
Die Geräte sind Flugreisenden nicht unbekannt, werden doch vor jedem Flug sämtliche Gepäck- und Handgepäckstücke durchleuchtet. Der Abfertigungsbeamte Klink ist Profi. Gerade wird Feldpost von Soldaten geröntgt, die sich zurzeit im Ausland befinden und etwas in die Heimat schicken. Auf dem Bildschirm taucht eine Patrone auf. Auf den ersten Blick befremdlich, denn Waffen und Munition dürfen nicht einfach so verschickt werden. Doch beim Nachjustieren wird deutlich, dass die Hülse kein Schwarzpulver enthält, leer ist. Beim Öffnen des Pakets wird festgestellt, dass es sich um einen Flaschenöffner handelt. Andere Pakete erscheinen auf dem Bildschirm, der Inhalt in den Farben grün, blau und orange. Der Zollbeamte erkennt auf den ersten Blick bei den Stichproben, was verdächtig ist und was nicht.
Die 20 Zöllner am FIS gehören zum Zollamt Germersheim, in dem weitere 13 sich um das Eintreiben der Kfz-Steuer, das Abfertigen von Lkws und mehr kümmern. Durch das Lkw-Werk in Wörth und das Ersatzteillager in Germersheim gibt es viel zu tun – doch für einen Großteil der Arbeit sorgt auch das US-Depot. Im Schnitt haben wir „bis zu 6000 Lkw für das Depot im Vierteljahr“, sagt der stellvertretende Leiter des Germersheimer Zollamtes, Michael Ahrens. Manchmal, wenn es Krisen gebe, seien es auch mal so viele in einem Monat. Ahrens nennt ein Beispiel. Aus der Schweiz komme ein ganzer Zug mit Energydrinks. Diese müssen in Deutschland eingeführt und ins Depot geliefert werden. Von dort gehen die Dosen in alle Niederlassungen der US-Armee weltweit.
Ein weiter Weg
An der Tür klingelt es. Ein Kunde hatte eine Nachricht bekommen, dass er ein Paket im Zollamt in der Wörthstraße im Hafen abholen kann. Nun steht er hier, und ein Mitarbeiter des Zolls sucht das entsprechende Paket. Er erklärt, dass auf den Schriftstücken außen am Paket etwas unklar und unleserlich sei, deswegen das Paket geöffnet werden muss. Dies geschieht vor den Augen des Zöllners. Im Paket waren gebrauchte Kleidungsstücke. Kein Problem, der Empfänger darf das Paket mitnehmen. Kosten entstehen keine. Manchmal „werden Pakete auch nicht abgeholt“, sagt Ahrens. Dann ist den Empfängern „vielleicht der Weg zu weit, und der Wert des Päckchens zu gering“. Denn von Bad Dürkheim bis Germersheim könne es schon mal eine Stunde sein.
Langweilig wird es den Zollbeamten in Speyer und Germersheim sowie ihren rund 46.000 Kollegen deutschlandweit nicht. Im Einsatz an Grenzen, Flughäfen oder Verkehrsknotenpunkten enttarnen sie Schmuggler und unterbinden den illegalen Handel mit bedrohten Arten, gefälschten Produkten, Waffen und Drogen. Aber auch die „Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit gehört zu deren Aufgaben“, wie Niklas Armbrust sagt. Klink zeigt derweil auf einen weiteren Tisch, auf dem Gürtel aus Schlangenhaut oder eine Tasche aus Krokodilleder steht. Diese Produkte, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen, benötigen immer ein Gutachten. Denn es könne durchaus sein, dass beispielsweise eine Krokodilledertasche aus der Haut von Zuchtkrokodilen besteht, und diese darf Klink zufolge, „wenn das entsprechende Gutachten vorliegt, eingeführt werden“. Näheres zum Zoll, seien Aufgaben und Bewerbungsfristen unter www.zoll.de oder www.karriere-zoll.de.