Kreis Germersheim
Zeugnisse und Homeschooling: Zwischenbilanz der Schulen
„Der Leistungsstand der Schüler zum Halbjahr ist nicht auffallend negativer als sonst auch“, antwortet Ariane Ball, Schulleiterin des Goethe-Gymnasiums in Germersheim auf Anfrage. Es gebe zwar Schüler, die aufgrund der ausgesetzten Nichtversetzung in dieses Schuljahr „gerutscht“ seien und die ihre Defizite nicht aufholen konnten – das sei jedoch nicht unerwartet gekommen. Der Unterricht über das Internet funktioniere sehr gut. Seit der ersten Schulschließung habe das Lehrerkollegium sich in Sachen Digitales auch weitergebildet.
Ähnliche Erfahrung mit dem Homeschooling verzeichnet auch die Ludwig-Riedinger-Grundschule in Kandel. „Wir und unsere Schüler kommen gut mit den Systemen zurecht. Auch, wenn der Regelunterricht durch nichts zu ersetzen ist“, sagt Schulleiterin Beate Lehr. Gut 10 Prozent der 300 Schüler würden aktuell die Notbetreuung in Anspruch nehmen. Einen Leistungsabfall kann aber auch Lehr nicht bei den Schülern erkennen. „Es ist nicht anders als sonst. Pauschal lässt sich das nicht sagen.“
Weitab der Normalität
Das sagt auch Elmar Frick, Schulleiter der Realschule-Plus in Lingenfeld: „Bei unseren Schülern ist kein großer Leistungsabfall bemerkbar.“ Seiner Meinung nach liegt das auch daran, dass es eine ganze andere Art der Leistungsbewertung sei. „In ein bis zwei Jahren werden wir wohl erst einen brauchbaren Vergleich ziehen können – wenn es wieder Präsenzunterricht ohne Maßnahmen gibt und wir im Nachhinein sehen, welche Tendenz das hatte“, sagt er. Denn auch der Unterricht mit den Hygienemaßnahmen im Sommer sei weitab der Normalität gewesen. „Jede Maßnahme nimmt Zeit und natürlich auch Nerven in Anspruch – das vergessen viele.“
Doch nicht jeder Schüler hat das vergangene halbe Schuljahr so einfach weggesteckt. „Wir versuchen, manche Schüler mit der Notbetreuung abzufangen. Das sind Schüler, bei denen wir Bedenken haben, dass es mit dem selbstständigen Lernen Zuhause funktioniert. Wir tun das in Absprache mit unseren Sozialarbeitern“, erzählt Frick. Aktuell habe die Schule 25 Schüler in der Notbetreuung.
In der Eduard-Orth-Grundschule in Germersheim nehmen aktuell sogar 90 bis 100 Kinder die Notbetreuung in Anspruch. Auch hier gibt es laut der Schulleiterin Simone Trösch keine Tendenz, was die Leistung der Schüler angeht. „Klar, bei manchen Kindern merkt man schon, dass es besser wäre, sie würden hier lernen. Aber es ist nun mal wie es ist. In der aktuellen Lage würde ich auch nicht gern alle Kinder da haben wollen – für unser aller Sicherheit.“ Sie persönlich hält einen Präsenzunterricht gerade an Grundschulen für essenziell, ist mit dem Homeschooling aber momentan zufrieden. „Wir sind auf einem guten Weg und lernen täglich dazu. Durch diese Zeit schaffen wir es auch noch“, sagt sie.
Land finanziert 64 iPads
Auch Elmar Frick teilt ihre Meinung. „Klar ist, es wird Lücken geben. Schließlich ersetzt nichts den Präsenzunterricht“, erklärt er. Diese Lücken können dann durchaus individuell sein – je nachdem, wie konsequent ein Schüler im Homeschooling gelernt habe. Der Online-Unterricht könne eben nicht alles abfangen – schon gar nicht bei den Schülern, die von Zuhause aus keinen Zugriff zur nötigen Technik bekämen. Momentan kämen einige seiner Schüler sogar noch vorbei, um sich Arbeitsblätter ausdrucken zu lassen. An seiner Schule wurden deshalb in den vergangenen Wochen 64, von Fördermitteln des Landes finanzierte, iPads an jene Schüler verteilt. Und es sollen noch 15 weitere dazukommen.
„Bei der Digitalisierung stecken wir noch in den Kinderschuhen, aber wir lernen jeden Tag dazu. Es gibt noch viel zu tun, aber ich bin relativ zufrieden“, fasst der Schulleiter zusammen. Obwohl nach seiner Ansicht momentan das Homeschooling mit der Plattform Moodle bis auf ein paar Ausnahmen gut funktioniere, könne er es kaum abwarten, bis der reguläre Präsenzunterricht wieder starte: „Wir tun unser Bestes und doch stoßen wir täglich an ungeahnte Grenzen.“ Die Schüler seiner Schule bekommen ihr Zeugnis übrigens per Post zugeschickt. „Eine zugegeben seltsame Art, sein Zeugnis zu bekommen“, sagt er und muss lachen.