Kandel Wohnungsbau: Weiter sozial gerecht und klimafreundlich
Die Wohnbaurichtlinien der Stadt Kandel werden nicht gestrichen. Mit einer Mehrheit von 12 Stimmen lehnte der Stadtrat jetzt einen Antrag der FDP-Fraktion ab. Die FDP, so Ratsmitglied Markus Schowalter, sieht in den erst 2023 beschlossenen Wohnbaurichtlinien für einen „klimabewussten und sozial gerechten Wohnungsbau“ vielmehr eine „Wohnbau-Verhinderungsrichtlinie“, er sprach gar von einem „absoluten Schwachsinn“.
Die FDP argumentiert damit, dass man in Kandel dringend Wohnraum benötige. Nur bei einem ausreichenden Angebot werde sich auch die Bezahlbarkeit der Wohnungen verbessern, schrieb Schowalter in seinem Antrag. Außerdem geben Baugesetzbuch und die Bebauungspläne genügend Möglichkeiten, eine Bebauung zu reglementieren.
Schowalter verweist in seinem Antrag auch auf geplante Vorhaben zur Wohnbebauung, die von den Investoren jedoch zurückgezogen worden seien. Die FDP vermutet einen Zusammenhang mit den Wohnbaurichtlinien, über die im Stadtrat und den zuständigen Ausschüssen lange diskutiert worden war, ehe sie der Stadtrat in seiner Sitzung am 18. Juli vergangenen Jahres mit Mehrheit beschlossen hatte. Gegen 4 Nein-Stimmen und bei einer Enthaltung. 13 Ratsmitglieder waren damals dafür gewesen.
Pläne für Just-Gelände
Hintergrund der Überlegungen und für die Beauftragung des Büros Modus Consult waren damals mehrere Anträge auf Wohnbauprojekte im Innerortsbereich von Kandel. Unter anderem gab es Pläne für das Just-Gelände zwischen Markt- und Scheffelstraße. Auf diesem 7880 Quadratmeter großen Grundstück im Herzen der Stadt Kandel („Grüne Lunge“) sollten „alters- und sozialgerechte Wohnungen in sieben Gebäuden“ entstehen und außerdem 126 Stellplätze für Autos der Bewohner, davon 95 in einer Tiefgarage. Investor Machmeier aus Sandhausen zog jedoch im Dezember 2023 sein Vorhaben zurück.
„Alle haben damit leben können“
Mit Vehemenz gegen die Streichung der Wohnbaurichtlinien argumentierte Stadtratsmitglied Jutta Wegmann von den Grünen. Die frühere Beigeordnete hatte in dem von ihr geleiteten Ausschuss für die Stadtentwicklung auch auf die Erarbeitung der Wohnbaurichtlinien hingearbeitet. Mit allen Investoren sei gesprochen worden, und alle hätten damit leben können, sagte sie in der jüngsten Sitzung. Die Stadt schaue sich alle Projekte ja vorher genau an.
Auch Stadtbürgermeister Michael Gaudier (CDU) meinte, dass es immer wieder auch Ausnahmen geben müsse. Allerdings seien die im Antrag der FDP genannten Projekte nicht an den Wohnbaurichtlinien gescheitert. Dafür habe es andere Gründe gegeben, sagte der Bürgermeister. Die Wohnbaurichtlinien würden immer wieder daraufhin überprüft, ob sie sich bewährt hätten. Acht Ratsmitglieder folgten dem FDP-Antrag, das waren nicht genug, um die Wohnbaurichtlinien schon nach einem Jahr wieder abzuschaffen.