Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wochen-Spitze zur Wahl: Der Blick in die Glaskugel

1000060284

Die Bundestagswahl bescherte Thomas Gebhart schlaflose Nächte. Trotz hoher Chancen schien der Einzug nach Berlin ungewiss. Ein Wahlkrimi mit Happy-End für den Jockgrimer.

Mit Prognosen ist das ja so eine Sache. Kaum sind sie aufgestellt, sind sie schon überholt. Denken Sie nur an die Wettervorhersage oder den Fußball: Spanien gehörte bei der WM 2014 zu den Favoriten. Nach der Gruppenphase war für das Team aber schon Schluss. Am Ende holte Deutschland den Pokal. Was nicht alles schon vorausorakelt wurde: Das Internet wird spektakulär scheitern (1995), das Automobil ist eine vorübergehende Modeerscheinung (1903), Star Wars wird ein Flop (1977). Heute wissen wir: Es kam anders.

Prognosen von Wahlanalytikern bereiteten auch dem CDU-Kandidaten Thomas Gebhart vor der Bundestagswahl Bauchgrummeln. Zwei Tage vorher hieß es noch, er gewinne zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit den südpfälzischen Wahlkreis, aber werde zu 63 Prozent trotzdem nicht den Sprung nach Berlin schaffen. Der Grund des Übels war das neue Wahlrecht, wonach nicht jeder Wahlkreis-Sieger garantiert in den abgespeckten Bundestag einziehen würde. Gefühlt blieb es auch für Gebhart bis zum Schluss eine Zitterpartie. Beim Kaffeeplausch am Sonntagnachmittag im Jockgrimer Zuhause war die Angst, dass es ihn treffen könnte, ganz real. Der Blick in die Glaskugel war trüb.

Die Bedenken waren nicht aus der Luft gegriffen, denn am Ende gingen tatsächlich drei CDU-Wahlkreis-Sieger im Land leer aus. Sie hatten die schwächsten Erststimmen-Ergebnisse, ihnen hat die Wahlrechtsreform einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch große Namen waren vor den Auswirkungen nicht gefeit: Ex-CDU-Landeschefin und Ex-Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die in Bad Kreuznach antrat, musste ebenfalls mit den Zähnen klappern. An ihr ging der Kelch dann aber gerade so vorüber.

Letztlich hatte auch der Südpfälzer Thomas Gebhart umsonst gebibbert: Er kam auf traumhafte 38,2 Prozent – und landete landesweit unter den Top drei der Unionskandidaten. Wie ein Erdrutsch dürfte dem Abgeordneten am späten Wahlabend ein Stein vom Herzen gefallen sein.

Ob Sport, Politik oder Technologie: Häufig erweisen sich Vorhersagen als Flop. Oder wie schon der Schriftsteller Mark Twain und der Physiker Niels Bohr – und einige andere Berühmtheiten – gesagt haben sollen: „Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“.

Ein schönes Wochenende wünscht Natascha Ruske

x