WÖRTH
Wählen, auch wenn es nicht zählt
„Wir finden das ganz spannend“, lautet der Kommentar von vier Elftklässlern des Europa-Gymnasiums Wörth (EGW). Jonas Gutheil, Emma Seifert, Penelope Neff und Jana Steeg nehmen genau wie ihre Mitschüler an der Juniorwahl zum Deutschen Bundestag teil. Insgesamt 4513 deutsche Schulen sind bei dem unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten stehenden und seit 1999 stattfindenden Projekt dabei, seither beteiligten sich über 3,8 Millionen Jugendliche.
„Man kann sich mit einbringen, auch wenn es letztendlich nicht zählt“, berichten die Elftklässler, die gerade im Wahllokal in der Sporthalle ihre Stimme abgegeben haben. Man wisse jetzt, wie es geht, meint einer schmunzelnd. Bei der Bundestagswahl dürfen diese Schülerinnen und Schüler noch nicht wählen, da sie das erforderliche Wahlalter von 18 Jahren noch nicht erreicht haben. Würden sie gerne auch am Sonntag wählen gehen? „Ich würde schon gerne wählen“, sagt Jonas. Seine Mitschülerin ergänzt, dass es allerdings schon auch viel Verantwortung sei.
Mit Hilfe des Wahl-O-Mats informiert
Informiert hätten sich die Jugendlichen mithilfe des Wahl-O-Mats, erklärt Penelope. Im Unterricht hätten sie auch darüber gesprochen, sowie mit ihren Eltern und untereinander. Politik sei ihnen schon wichtig, meinen die Schüler, jedoch fühle man sich als Jugendliche oft eher weniger angesprochen.
Der angehende Abiturient Henrik Lederer (18) ist im Sozialkunde-Leistungskurs und organisiert mit diesem und dem der zwölften Jahrgangsstufe die Juniorwahl am Europagymnasium. Er berichtet, dass sie die Wahl vorbereitet hätten und es auch Info-Plakate im Schulhaus gebe, bei denen sich die Schüler nochmals über die einzelnen Parteien und ihr Programm informieren könnten. „Ich gehe am Sonntag ebenfalls wählen“, sagt er und berichtet weiter, dass er auch sehr politikinteressiert sei. „Deshalb habe ich auch Sozialkunde-Leistungskurs gewählt“. Für eine Herabsetzung des Wahlalters ist er jedoch nicht. „Ich glaube, dass bei den unter 18-Jährigen die Reife für diese wichtige Entscheidung nicht bei jedem gegeben ist“. Dennoch finde er die Aktion Juniorwahl sehr gut, auch weil sie das Interesse von den nächsten potenziellen Erstwählern wecke.
Zu diesen gehört auch der Zehntklässler Niklas Grasmehr. Er war sich bei seiner Entscheidung allerdings nicht ganz sicher, denn er findet, dass die Politik zwar viel verspreche, er aber „im Garten immer noch kein mobiles Netz“ habe. „Was wird wirklich gemacht, von dem, was sie sagen?“, hinterfragt er. Er scheint sich schon ein wenig für Politik zu interessieren, während seine Lehrerin Nicole Schimmel erzählt, dass sie anderen Schülern auf dem Weg ins Wahllokal noch mal „das mit der Erst- und Zweitstimme“ erklären musste. Ein paar Schüler meinen, sie hätten sich aber auch über den Unterricht hinaus informiert, zum Beispiel über soziale Medien wie Instagram.
Alle Schüler ab der 9. Klasse dürfen wählen
Am Europagymnasium findet die Juniorwahl dieses Jahr zum ersten Mal statt. Sozialkunde-Lehrer und Organisator Nick Larsen erzählt, er habe sich dieses Mal mit seinen Fachschaftskollegen dazu entschlossen, die Aktion durchzuführen. „Bei uns können alle Schüler ab der 9. Klasse wählen, also alle, die bereits Sozialkunde haben“, erklärt er. Sein Leistungskurs wird die Stimmen auszählen und weitermelden, am Sonntagabend um 18 Uhr werden die Ergebnisse online dann bundesweit veröffentlicht und am Montag auch in der Schule ausgehängt.
Übrigens: Ganz sicher sind sich die Juniorwähler nicht bei der Frage, ob das Ergebnis ihrer Wahl anders sein wird als das bei der Bundestagswahl am Sonntag. Da reichen die Meinungen von „ja, auf jeden Fall“ und „wahrscheinlich schon ein deutlicher Unterschied“ bis zu „nein, das glaube ich nicht“ und „kein großer Unterschied“. Die Erkenntnis bringt der Sonntagabend.
Info
Das Gesamtergebnis der Juniorwahl wird am 26. September 2021 um 18 Uhr veröffentlich unter www.juniorwahl.de