Nachgehakt RHEINPFALZ Plus Artikel Verdächtiger Fotograf vor Schule und in Schulbus: Alle Bilder gelöscht

Bei dem Versuch, die Situation in Schulbussen zu dokumentieren, ist ein Mitarbeiter der Verwaltung über das Ziel hinausgeschosse
Bei dem Versuch, die Situation in Schulbussen zu dokumentieren, ist ein Mitarbeiter der Verwaltung über das Ziel hinausgeschossen. Unser Bild ist ein Symbolfoto von einer Nachrichtenagentur.

Ein Mann fotografiert vor einer Schule und im Schulbus. Nach Ermittlungen der Polizei stellt sich heraus: Ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung wollte die Situation im ÖPNV dokumentieren. Eine Nachfrage ergibt, dass da einiges schiefgelaufen war.

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt. Eine 14-jährige Schülerin hatte vergangene Woche beobachtet, wie ein Mann während einer Busfahrt Fotos angefertigt hat. Die Eltern verständigten die Polizei. Zwei Tage später wurde der Mann gesehen, wie er vor dem Schulzentrum Kandel erneut fotografierte. Daraufhin leitete die Polizei eine Fahndung ein, der Mann wurde recht schnell ausfindig gemacht: Es handelte sich um einen Mitarbeiter der Kreisverwaltung, der für den ÖPNV zuständig ist und der die Situation in Schulbussen dokumentieren wollte.

Für die Schulkinder war dies jedoch nicht offensichtlich. Zudem war ihre Sensibilität zu diesem Zeitpunkt, kurz nach der Entführung eines Mädchens vor einer Schule in Edenkoben und dem späteren Missbrauch des Kindes , erhöht. Die RHEINPFALZ hat daher bei der Kreisverwaltung nachgefragt, wie es zu dem Einsatz des Fotografen kam.

„Die Fotos sollten die Ist-Situationen abbilden, um damit die Notwendigkeit für Verbesserungen im ÖPNV darzustellen“, heißt es dazu von der Pressestelle. Eltern hatte sich über die Situation in überfüllten Bussen beschwert, dies sollte überprüft werden. Der Mitarbeiter habe bereits beim Fotografieren von sich aus darauf geachtet, dass keine Kinder auf den Bildern zu identifizieren sind. Die Bilder von den beiden betreffenden Tagen seien inzwischen alle gelöscht worden.

Es wird immer wieder kontrolliert

Es gebe keine generelle Regel dafür, wie oft Mitarbeiter in den Schulbussen mitfahren. Die Mitarbeiter seien insbesondere zu Beginn des Schuljahres und bei Hinweisen auf beispielsweise sehr volle Fahrten an Bushaltestellen oder in Bussen unterwegs, häufig alleine, so die Kreisverwaltung. Auch gebe es Fälle, in denen Mitarbeiter hinter einem Bus herfahren, um die Situation, zum Beispiel die Überfüllung, an den einzelnen Haltestellen zu kontrollieren.

Für die Schulkinder war auch nicht ersichtlich, dass es sich um den Mitarbeiter einer Behörde handelte, da der Mann weder die entsprechende Kleidung trug, noch ein Dienstausweis zu sehen war. Normalerweise ist laut Verwaltung jedoch vorgesehen, dass Mitarbeitende der Kreisverwaltung je nach Aufgabenbereich mit einer mit „dem Landkreiswappen gekennzeichneten Dienstjacke beziehungsweise -weste, in jedem Fall aber durch einen mit Kreiswappen, Kreislogo und Dienstsiegel versehenen Dienstausweis ausgestattet“ sind. Dieser Dienstausweis enthält neben Name und Funktion auch ein Foto des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin.

Kreisverwaltung entschuldigt sich

„Wir entschuldigen uns ausdrücklich für den Vorfall und werden intern Schritte zur weiteren Information und Sensibilisierung vornehmen, zum Beispiel weitere Schulungen“, heißt es von der Kreisverwaltung. Gleichzeitig habe man „besonderen Respekt vor den Kindern, die die Abläufe beobachtet, mögliche Zusammenhänge hergestellt und auch entsprechend reagiert haben“.

Der betreffende Mitarbeiter sei „leider sicherlich nicht sensibel und achtsam“ gewesen und habe die Tragweite der Handlung nicht erkannt. Darauf angesprochen habe der Mitarbeiter diesen Vorfall sehr bedauert und versichert, dass er „künftig von der Dokumentation von Sachverhalten durch Fotos, wo nicht zwingend notwendig, absehen werde“.

Grundsätzlich verdeutliche dieser Fall, „dass immer und immer wieder für Themen wie Datenschutz, Bild- und Persönlichkeitsrechte sensibilisiert werden muss, zum Beispiel durch Schulungen.“ Mitarbeiter der Kreisverwaltung müssten seit Jahren verpflichtend regelmäßig und intensiv an Schulungen zu unterschiedlichen Situationen, Rechten und Pflichten aus dem Bereich Datenschutz teilnehmen und nachweisen. „Dass es dennoch zu einem solchen Vorfall gekommen ist und das Fotografieren große Unsicherheiten ausgelöst hat, bedauern wir sehr.“

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