Neupotz / Knittelsheim
Trotz Krise den Stern auf die Teller bringen
„Wir kommunizieren sowieso mit den Gästen, bevor sie kommen. Das wird jetzt halt ausführlicher“, beschreibt Kerstin Bettioui den Beginn eines Abends im Sternelokal. Wer reserviert hat, wird angerufen, das Menü wird vorgestellt, die Hygiene- und Abstandsregeln erklärt und – ganz wichtig – der Zeitpunkt des Eintreffens besprochen. „Wir wollen nicht, dass mehrere Gäste gleichzeitig eintreffen“, erklärt Bettioui. Sie sollen sich schließlich nicht zu nahe kommen. Trotzdem muss jeder von der Ankunft bis zum Platznehmen am Tisch einen Mundschutz tragen. „Die Gäste können den Mundschutz abnehmen, so lange sie am Tisch sitzen.“ Der Service arbeite dagegen durchgehend mit Mundschutz.
Es sei nicht nur schön, dass endlich wieder geöffnet wird, freut sich Kerstin Bettioui. Toll sei, dass das Serviceteam gemeinsam durch die schwierigen acht Wochen gekommen sei und sich wie sie und ihr Mann auf den Neustart freue. Wirtschaftlich habe die Zwangspause der Krone zwar zugesetzt, aber „wir haben gute Geschäftspartner“ so dass man jetzt durchstarten könne. „Es ist aber auch ganz wichtig für die Moral, dass es weitergeht.“
In den Hygiene- und Abstandsregeln sieht die Patronin der Krone keine großen Probleme, verlässt sich auch auf die Vernunft ihrer Gäste. Schwierig sei dagegen der Einkauf von erstklassigen Zutaten, zumal Märkte ausfallen oder weniger bestückt und vor allem die Grenzen geschlossen sind. Vor allem Spezialitäten aus Frankreich und Spanien seien nicht ganz leicht zu bekommen. Das sei mit ein Grund, weshalb es zunächst nur ein Menü auf der Karte gebe statt der bisherigen zwei. „So ist es möglich, den Gästen die gewohnte Qualität zu bieten“, so Bettioui. Schließlich gilt es in der Krone den zum zweiten Mal erreichten Michelin-Stern zu verteidigen.
Den Michelin-Stern hat Peter Steverding nach 20 Jahren abgegeben, kocht seit einiger Zeit nach dem Slogan „schnörkellos gut“ und für eine nach wie vor anspruchsvolle Kundschaft. Der wird an Zweier- und Vierertischen im Lokal serviert – aber sie muss auch was tun. Um den Abstand zu den höchstens 16 Gästen zu wahren, steht neben jedem Tisch ein Beistelltisch, auf dem serviert wird und von dem sich die Gäste dann selbst bedienen. „Das sichert den Abstand und ermöglicht trotzdem eine angenehme Atmosphäre“ ist Steverding überzeugt.
Ansonsten lassen die Regeln wenig Spielraum, Mundschutz ist wie in der Krone auf dem Weg zum Tisch und vom Tisch weg Pflicht. Jeder Gast muss reservieren, dabei werden nicht nur wie vorgeschrieben Name, Adresse und Telefonnummer notiert, sondern auch eine Ankunftszeit vereinbart. Es sollen nicht alle Gäste auf einmal erscheinen. Aber für alle ist um 22 Uhr Schluss, mehr lässt die Gesetzeslage momentan nicht zu.
Mit der wirtschaftlichen Situation ist Steverding nach der Zwangspause einigermaßen zufrieden, die Soforthilfe vom Land sei angekommen. Und er hat sich seinen Humor bewahrt: „Wir arbeiten jetzt den ganzen Sommer durch, Urlaub haben wir ja lange genug gehabt.“