Kreis Germersheim
Trinkwasser: Wann das Abkochgebot enden kann
Erst gab es vor einer Woche nach einer Routineprüfung einen Verdacht im Brunnen in Steinweiler. Doch zwei Tage später war die Probe dort wieder in Ordnung. Allerdings wurde daraufhin das gesamte Netz überprüft. Das Ergebnis am Mittwoch: Im Trinkwasser in Minfeld und Teilen der Saarstraße in Kandel befinden sich Keime, in Steinweiler weiter nicht. Das Gesundheitsamt des Kreises hat daraufhin ein Abkochgebot erlassen.
Man arbeite nun eng mit dem Gesundheitsamt des Kreises zusammen, sagt Werkleiterin Inge Grein. Das gesamte Netz werde nun gechlort und damit desinfiziert. „Das ist relativ aufwändig.“ Allerdings betont die Werkleiterin mit Blick auf Italien oder Frankreich auch: „Wir chloren jetzt nicht mehr, wie es viele andere Länder sowieso immer machen.“ Das Chlor tötet sämtliche Bakterien, die sich vielleicht im Trinkwasser befinden, ab. Deshalb werden auch erst Anfang kommender Woche wieder Proben genommen, denn vorher ergibt sich kein echtes Bild über eine mögliche Belastung.
Es kommt auf den Brunnen an
Und warum ist in Kandel nur ein Teil der Saarstraße betroffen? Das hängt mit der Wasserversorgung in der Verbandsgemeinde Kandel zusammen. Das Wasserwerk Kandel hat drei Werke, jeweils eines in Kandel, Winden und eben Steinweiler. Das Wasser der drei Brunnen in Steinweiler wird gefiltert und gelangt dann in die Druckerhöhungsanlage in Minfeld, auch als Wasserreservoir bezeichnet. Dort befinden sich zwei kleine Behälter, die je 150 Kubikmeter umfassen, und zwei große Behälter, die je 400 Kubikmeter umfassen. Von diesem Wasserreservoir aus wird Minfeld versorgt und ein ganz kleiner Teil von Kandel, nämlich ein Teil der Saarstraße.
Ansonsten nutzt die Stadt Kandel die drei Brunnen des Wasserwerks Kandel. „Hier ist alles unproblematisch“, versichert die Werkleiterin. Etwaige Gerüchte, dass schon Anwohner mit Magen-Darm-Beschwerden in die Klinik eingelieferten werden mussten, konnten weder das Gesundheitsamt noch die Klinik bestätigen.
Drei Proben müssen negativ sein
Werkleiterin Grein hofft vielmehr, dass das Abkochgebot vielleicht schon in der kommenden Woche wieder aufgehoben werden kann. Das ist allerdings erst der Fall, wenn drei Proben hintereinander negativ waren. Weniger zuversichtlich ist sie, dass die Ursache für die Verkeimung gefunden werden kann.Es komme zwar auch im Landkreis immer wieder zu Verunreinigungen im Trinkwasser, aber abgesehen von zwei Vorfällen 2021 in Kandel habe es vorher 20 Jahre in der Verbandsgemeinde keine entsprechenden Meldungen gegeben, sagt Grein.
Ende Juli 2021 war zunächst eine Keimbelastung im Bettentrakt der Kandeler Asklepios-Klinik aufgefallen. Das Leitungswasser wurde in der Klinik sofort für den Trinkgebrauch gesperrt und erst Ende August wieder freigegeben. Die Keime wurde auf einen nicht mehr genutzten Hausanschluss zurückgeführt.
Anfang August wurde dann bei einer Trinkwasserprobe in der Nordgruppe festgestellt, dass Grenzwerte überschritten worden waren. Es folgte ein Abkochgebot für die Verbandsgemeinde Lingenfeld und Zeiskam, das erst einen knappen Monat später wieder aufgehoben werden konnte. Als Verursacher galt ein Kreuzstrombelüfter. Schließlich hatte Ende August noch eine Baustelle an der Integrierten Gesamtschule Kandel für Keime im Trinkwasser gesorgt. Auch dort wurde ein Trinkverbot ausgesprochen.