Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Trinkverbot bleibt bestehen

Das Leitungswasser wird streng überwacht. Manchmal gibt es Abkochgebote oder Trinkverbote.
Das Leitungswasser wird streng überwacht. Manchmal gibt es Abkochgebote oder Trinkverbote.

Im Trinkwasser wurden in den vergangenen Wochen unterschiedliche Keime gefunden. In der Folge waren unter anderem die Kandeler Südpfalzklinik, die Integrierte Gesamtschule Kandel, die Verbandsgemeinde Lingenfeld und Zeiskam betroffen. Bis zur Entwarnung dauerte es teilweise über einen Monat. Nun gelten nur noch an einer Stelle Vorsichtsmaßnahmen.

Wasser aufkochen und danach zehn Minuten abkühlen lassen: Diese Devise galt in den vergangenen Wochen an vielen Stellen im Kreis, auch wenn es nur um das Zähneputzen ging. Los ging es Anfang August: Bei einer Trinkwasserprobe in der Nordgruppe der Wasserversorgung wurden Grenzwertüberschreitungen bei coliformen Keimen festgestellt. Das sogenannte Abkochgebot galt zunächst für die Verbandsgemeinde Lingenfeld und Zeiskam. Vor allem eine Vorsichtsmaßnahme, hieß es damals vom Kreis, um zum Beispiel immungeschwächte Menschen zu schützen. Gefunden worden waren coliforme Keim, die als sogenannte Indikatorkeime auf Probleme im natürlichen „Schutzschild“ des Wassers schließen lassen. Später war von einem „Umweltkeim“ die Rede.

Als Verursacher 

wurde laut Wasserwerk der Verbandsgemeinde Lingenfeld ein Kreuzstrombelüfter ausgemacht. Sicherheitshalber sei auch das Umfeld rund um den Lüfter behandelt sowie eine gefundene Standwasserleitung in diesem Gebiet entfernt worden, teilte die Kreisverwaltung mit.

Entwarnung gibt es jedoch erst knapp einen Monat später: Bei erneuten Messungen im Wasserversorgungsnetz der Germersheimer Nordgruppe wiesen die Ergebnisse am Freitag, 3. September, zum dritten Mal in Folge keine Überschreitung der Grenzwerte bei der Zahl der coliformen Keime aus, heißt es einer Mitteilung der Kreisverwaltung. Die vorsorgliche Abkochempfehlung sei aufgehoben.

Bettentrakt der Klinik betroffen

Mitte August informierte dann die Verbandsgemeinde Kandel, dass an zwei Hydranten in der Region Luitpoldstraße und Robert-Koch-Straße positive Befunde für coliforme Keime gefunden worden waren. Bei der Recherche der RHEINPFALZ kam heraus, dass schon Ende Juli eine Keimbelastung in einem Leitungsstrang eines Bettentraktes der Kandeler Asklepios-Klinik aufgefallen war. Die Klinik hatte dies zwar umgehend der Kreisverwaltung gemeldet, diese hatte die Informationen allerdings nicht an die Bürger weitergegeben.

Innerhalb des Krankenhauses gab es jedoch umgehend Vorsichtsmaßnahmen: Das Leitungswasser wurde für den Trinkgebrauch gesperrt, die Patienten und Mitarbeiter bekamen Wasser aus Flaschen zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde das Leitungssystem gespült.

In diesem Fall wird vermutet, dass die Keimbelastung auf einen alten Hausanschluss – die ehemalige Wäscherei des Krankenhauses – im Bereich der Luitpoldstraße zurückzuführen ist. Da dieser Anschluss nicht mehr genutzt wurde, zirkulierte dort auch das Wasser nicht mehr. Der Hausanschluss wurde von der Hauptleitung getrennt.

Auch hier dauerte es einige Wochen, bis die Maßnahme Wirkung zeigte: Proben von Montag, 30. August, wurden wieder zum Landesuntersuchungsamt Landau geschickt. „Die jetzt übermittelten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass das Leitungswasser in der Klinik Kandel frei von coliformen Keimen, E. coli und Pseudomonas aeruginosa ist“, schreibt Frank Lambert, Geschäftsführer der Südpfalzklinik. Das Leitungswasser in der Klinik sei deshalb in Absprache mit dem Gesundheitsamt wieder für den Gebrauch frei gegeben.

Baustelle ist vermutlich die Ursache

Bleibt noch die Integrierte Gesamtschule (IGS) Kandel: Dort wurden vor einigen Tagen bei Routineuntersuchungen wegen der Baustelle an der Schule im internen Wasserleitungssystem ebenfalls Keime entdeckt. Die Pseudomonaden sind ein in der Umwelt sehr häufig vorkommender Keim. „Es ist daher davon auszugehen, dass alle Menschen diesem Erreger in verschiedenen Konzentrationen täglich begegnen können“, heißt es in der Mitteilung der Kreisverwaltung. Probleme könne dieser Erreger für Immungeschwächte und Kranke in medizinischen Einrichtungen darstellen, zumal er – wie es in der Fachliteratur heißt – gegen viele Antibiotika resistent ist. An der Schule wurde ein Trinkverbot ausgesprochen. Dieses werde wohl noch eine Weile gelten, in jedem Fall noch in der kommenden Woche, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Am Donnerstag wurden Leitungen im Trinkwassersystem der IGS zurückgebaut, beziehungsweise erneuert.

Zudem wurden an zwei Messstellen nochmals geringe Grenzwertüberschreitungen festgestellt. „Eine der beiden Messstellen liegt innerhalb der Baustelle und hat somit keine Relevanz für das Schulgebäude selbst“, heißt es von der Kreisverwaltung. Auch an einem älteren Wasserhahn innerhalb der Schule konnten zwei Keime pro 100 Milliliter festgestellt werden. Hier mache die Bauart des betroffenen Hahns Wasserablagerungen möglich und allein aus diesem Grund sei eine Verkeimung an dieser Stelle nicht ungewöhnlich, so der Sprecher weiter. Weitere Proben an anderen Hähnen hätten zwar aufgrund der Baustellensituation vor Ort eine geringe Belastung ausgewiesen, doch handele es sich hierbei durchweg um Bakterien, die nicht krankheitserregend seien.

Das Trinkverbot diene der Sicherheit, es bestehe jedoch kein Grund zur Beunruhigung, so Landrat Fritz Brechtel.

Das Leitungswasser in der Asklepiosklinik in Kandel darf wieder getrunken werden.
Das Leitungswasser in der Asklepiosklinik in Kandel darf wieder getrunken werden.
An der IGS besteht weiter Trinkverbot.
An der IGS besteht weiter Trinkverbot.
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