KANDEL
Städtische Plätze in vielen Facetten erlebbar machen
Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative der Kandler Künstlergruppe bestehend aus Patricia Bonaudo, Daniel Bonaudo-Ewinger, Benjamin Burkard und Julia Barthruff in Kooperation mit der Stadt Kandel und dem Citymanagement. In zwei Veranstaltungen pro Jahr sollen der Lebens- und Wirtschaftsraum von Kandel aktiviert und gestaltet werden, erklären die Künstler. Rurreal ist ein Kunstbegriff, zusammengesetzt aus „rural“, was dörflich oder ländlich bedeutet und real, löst Patricia Bonaudo das Rätsel um das Wort.
Benjamin Burkard erläuterte die Situation am Plätzel. Das einstige Zentrum sei eher ein Durchgangsort geworden, zum Verweilen lade nichts ein. „Der 150 Jahre alten Friedenslinde geht es auch nicht gut. Sie wird bald ganz verschwinden. Dann werden Ideen für einen Ersatz der Linde gebraucht.“ Dazu soll ein Lindenfond – ein Ideen- und Geldpool – aufgelegt werden. Die Besucher konnten selbst aktiv werden und unter Anleitung der Künstler zunächst Abdrücke der Lindenrinde auf ausgelegte Tonplatten nehmen und darauf ihren Namen hinterlassen. Diese werden nun gebrannt und lasiert. Die entstandenen Kunstwerke werden während des Weihnachtsmarktes – so er denn stattfinden kann – im Foyer des historischen Rathauses ausgestellt und versteigert.
Als Erinnerung an die Linde haben die Künstler eine Stele erstellt, die am Fachwerkhaus neben der noch stehenden Linde angebracht ist und am Freitagabend unter dem Beifall der Zuschauer enthüllt wurde. Mit einem QR-Code kann man dort die Geschichte des Plätzels und der Linde abrufen und Zukunftsideen unterbreiten. Auf die geschichtliche Entwicklung dieses Platzes nahm Werner Esser, der Kultur-Beigeordneter der Stadt, die Zuhörer mit. War dort erst der Friedhof, umgeben vom Pfarrhaus und Kindergarten sowie Wohnhäuser von Pfarrer und Lehrer, wurde er später zum Obst- und Gemüsemarkt. „Die nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 gepflanzte Friedenslinde hat auch einiges erlebt“, meinte Esser. Als 2001 der Platz neu gestaltet wurde, entdeckte man einen Brunnen. „Die Linde selbst litt im Dezember 2013 sehr unter einem Brand in einem Weihnachtsmarkthäuschen und in dem Multifunktionsgebäude dahinter und ihrer anschließenden Beschneidung, sodass sie wohl in absehbarer Zeit ganz entfernt werden muss“, so Esser.
Stadtbürgermeister Michael Niedermeier dankte den Künstlern für ihre Initiative und ihr Engagement in Kandel. „Bei uns gibt es viele Plätze, auf denen man Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begegnet, die wir so belebbar machen wollen.“