Wörth
So soll die Impfkampagne nach Schließung des Impfzentrums laufen
Insgesamt wurden im Impfzentrum im Wörther Hafengebiet seit Ende Dezember 2020 zirka 150.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Doch damit soll bald Schluss sein: Der Mietvertrag für die große Halle wurde vom Landkreis zum 30. April gekündigt. „Das ist schon einige Tage her“, sagt Landrat Fritz Brechtel (CDU) im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ein Anlass war eine Vorgabe des Landes Rheinland-Pfalz, ein anderer die nachlassende Nachfrage nach Impfungen.
Das Land gehe davon aus, dass sich rund 80 Prozent der Bevölkerung impfen lassen wollen, erläutert der Landrat. Von diesem Personenkreis würden wiederum 40 Prozent kommunale Einrichtungen wie ein Impfzentrum nutzen, die anderen 60 Prozent würden sich zum Beispiel beim Hausarzt impfen lassen. „Es wurde ein fiktiver Bedarf ermittelt“, sagt Brechtel. Der Kreis müsse dazu in der Lage sein, die Impfinteressierten innerhalb von zehn bis zwölf Wochen durchzuimpfen. „Für uns wurde der Bedarf von einer Impfstraße ermittelt.“
Kreis liegt weit unter Landesdurchschnitt
Für den Landkreis Germersheim mit seinen zirka 130.000 Einwohnern sehen die echten Zahlen tatsächlich etwas anders aus: Der Landrat geht davon aus, dass sich etwa 70 Prozent der Kreisbürger haben impfen lassen. Aus diesem Kreis waren aber deutlich weniger Menschen zum Impfen bei einem niedergelassenen Arzt, als im Landesdurchschnitt. Laut aktueller Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung wurden nur 25,53 Prozent der Kreisbürger, das sind 32.939 Patienten, in einer Arztpraxis geboostert. Damit ist der Landkreis hinsichtlich dieser Quote das Schlusslicht im Land.
Der Landrat ist dennoch überzeugt, dass man ein „schlankes Verfahren“ gefunden habe, welches das Impfzentrum ersetzen kann. Dieses Konzept wurde mit Blick auf die mobilen Impfteams des DRK entwickelt, die Ende 2021 innerhalb von drei Wochen vor Ort in den Dörfern des Kreises zirka 6000 Menschen geimpft haben. Die Gemeinden sollen nun überlegen, welche Räume sie künftig für Impfaktionen zur Verfügung stellen können. „Dann fahren wir zu den Kommunen.“ Außerdem könnten für eine Impfstraße noch Räume des Kreises genutzt werden: In der ehemaligen Realschule plus in Bellheim werden jetzt schon Bereiche von Gesundheitsamt und Katastrophenschutz genutzt.
Ehrenamtliche sollen nur ergänzen
Anders als im vergangenen Winter soll die Hauptlast jedoch nicht von Ehrenamtlichen getragen werden. Das Personal im Gesundheitsamt sei verstärkt worden, sagt Brechtel. In Normalbetrieb wolle man deshalb mit eigenen Kräften impfen. Sollte es wieder eine „Welle“ geben, die verstärktes Impfen erfordert, werde man zusätzlich weitere Menschen einstellen und „ergänzend“ auf das DRK und andere Ehrenamtliche zurückgreifen.
„Wir sind dann auf alles vorbereitet: auf den Normalbetrieb, wenn kaum etwas los ist, aber auch auf eine Impfwelle.“ Dann müsse man - zumindest laut Landesrechnung - binnen 10 bis 12 Wochen etwa 41.600 Menschen durchimpfen, vermutlich aber mehr. „Wir können auch mehr impfen, wenn wir merken, die Not ist größer“, versichert Brechtel. Dann könnte täglich jeweils ein Team im Norden und im Süden des Kreises unterwegs sein, „vielleicht auch am Wochenende“. Für die Bürgermeister bedeutet das auch, dass ihre Hallen dann nicht wochenlang gesperrt sein werden. Es gehe vielmehr um Tageseinsätze in allen Gemeinden.
Entsprechende Vorbereitungen hatten es in der Kreisverwaltung sowieso schon gegeben, „wir haben gemerkt, es kommen immer weniger Menschen“, sagt Brechtel. Dann habe sich das Land mit seinen Überlegungen gemeldet. „Wir hätten noch Zeit gehabt bis zum Jahresende, wir hätten auch im September noch umstellen können.“
Nur noch vier Impftage im Monat
Geld war nicht der Faktor, betont Brechtel. Aber man wolle auch nicht unnötig Geld ausgeben, selbst wenn Land und Bund in diesem Fall die Kosten übernehmen. Die Miete der großen Halle im Hafengebiet kostet monatlich 70.000 Euro. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Impfterminen auf der zentralen Website des Landes so zurückgegangen, dass für den gesamten April nur noch für vier Tage Termine vergeben werden, „jeweils 120 pro Tag“. In der Halle könnten je nach Anzahl der Impfstraßen täglich über 2000 Menschen geimpft werden. „Da macht es keinen Sinn, ein Riesenimpfzentrum zu betreiben“, sagt Brechtel. Der Besitzer der Halle, die Hafenbetriebe Rheinland-Pfalz, hätten zudem signalisiert, dass es schon einen anderen Interessenten für die Halle gebe.
Das Konzept stehe im Wesentlichen. Ab Anfang Mai soll es weiter Impfangebote des Kreises geben, bloß nicht mehr im Wörther Hafengebiet. Von dem Gedanken, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in der Halle unterzubringen, habe man sich schnell verabschiedet. Dafür sei die Halle aus verschiedenen Gründen denkbar schlecht geeignet. Außerdem setze man wie 2015 auf einen dezentrale Unterbringung. Die Sanitärcontainer, die derzeit in der Halle stehen, könnten allerdings an anderer Stelle zum Einsatz kommen, zum Beispiel an der Bienwaldschule.
Die Corona-Krise sei indes noch nicht vorbei: „Hätten wir diese Zahlen vor einem Jahr gehabt, wäre die Welt Kopf gestanden“, sagt Brechtel mit Blick auf über 700 Neuinfektionen vom Mittwoch. Nun sei jeder corona-müde und könne das Thema nicht mehr hören. Doch aktuell seien 5 bis 6 Prozent der Kreisbevölkerung infiziert. Zwar läge im Kreis gerade kein Covid-19-Patient auf der Intensivstation, aber es würden in den Kliniken in Kandel und Germersheim gerade insgesamt 43 Corona-Patienten behandelt, so der Landrat. Das sei entsprechend aufwendig. Auch seien derzeit viele Menschen in Institutionen betroffen, „das lähmt natürlich“.