Germersheim
Snacks, Kaffee, Popcorn: Das Geschäft hinter den Automaten
Ob Snacks, Limo, Wurst oder Gemüse aus dem Hofladen: Auch in kleinen Orten tauchen gefühlt immer mehr Automaten auf, die rund um die Uhr Waren anbieten. Ein regionaler Automaten-Aufsteller erklärt, wie das Geschäft funktioniert.
Vor vier Jahren hat Denis Tissberger mit seinem Geschäftspartner den ersten Automaten in Germersheim, vor einer Apotheke, aufgestellt. Es ist ein typischer Snackautomat mit Getränken und Süßigkeiten, und es war ein Versuchsballon. Schnell wurde mehr daraus, allerdings entwickelte sich ein anderer Schwerpunkt: Betriebsverpflegung. „Wir sind auf öffentliche Einrichtungen spezialisiert, insbesondere Krankenhäuser“, sagt Tissberger. Mittlerweile betreibe die Tiwi Solutions GmbH rund 60 Automaten hauptsächlich in der Pfalz und in Karlsruhe. Darunter sind Kaffeeautomaten, klassische Getränke- und Snackautomaten, aber auch Popcorn-Maschinen. In der Kinderklinik komme das frische Popcorn super an, erzählt der 33-Jährige. Der Mais stamme aus der Region, die Kaffeebohnen von lokalen Röstereien. Auch Salate, Wraps, Bowls und Sandwiches werden angeboten. „Die lassen wir fertig vom Bäcker liefern“, so Denis Tissberger.
Leere Regale in Echtzeit
Der Firmensitz und das Lager sind in Germersheim. Einmal in der Woche liefert ein Lkw Waren an. Die Standorte werden täglich mit Transportern angefahren. „Alle Automaten haben Telemetrie“, sagt der Geschäftsführer. Dadurch sei ersichtlich, welche Produkte verkauft wurden: „Wir sehen live alle Bestände.“ Die Mitarbeiter können die Waren „artikelgenau“ aus dem Lager holen und die Kästen auffüllen. Automaten-Tiwi, so der Rufname der Firma, beschäftigt drei Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit und als Aushilfe. Er sei stolz, was sein Geschäftspartner Christopher Winkler und er mit eigenen Mitteln auf die Beine gestellt haben, sagt Tissberger, der Erfahrung als Selbstständiger im IT-Dienstleistungsbereich mitbrachte. Winkler ist vor Kurzem ausgestiegen, sein Nachfolger als zweiter Geschäftsführer ist Markus Jung.
Neu koste ein Automat rund 10.000 Euro, ein Kaffeeautomat etwa das Doppelte. Um in der Branche Fuß zu fassen, müsse man Klinken putzen, ein sauberes Konzept erarbeiten – und Glück haben: „Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Bei einigen Kliniken hätten sie offene Türen eingerannt, weil diese mit Mitbewerbern nicht mehr zufrieden gewesen seien.
Die Reißleine gezogen
Es lief nicht alles so gut wie die Versorgung von Krankenhäusern und Reha-Stätten. Der Automaten-Kiosk am Pirmasenser Busbahnhof, den die Germersheimer 2024 eröffnet haben, hielt sich nur ein Jahr. Auf rund 300 Quadratmetern war hier rund um die Uhr alles Mögliche erhältlich, von Chips über Eis und Zigaretten bis hin zu Instantsuppen und Energy-Drinks aus Thailand. Allerdings war Vandalismus ein Riesenproblem, berichtet Tissberger. Die Fenster seien mehrmals eingeschlagen und der Laden besprüht, sogar Feuer sei gelegt worden. Es habe Delikte bis hin zu Raub und Körperverletzung gegeben. Tissberger und Winkler zogen daraufhin die Reißleine. Auch ein 24/7-Kiosk in Mannheim gibt Automaten-Tiwi bald ab. Es rentiere sich nicht mehr.
Produkt-Hype flacht ab
Der Markt habe sich verändert. Der Hype mit amerikanischen Trend-Süßigkeiten, der vor einigen Jahren das Automaten-Geschäft anfeuerte, sei abgeflacht. Die Preise seien gefallen und die Produkte gebe es mittlerweile in etlichen Supermärkten oder Tankstellen. Denis Tissberger spricht von Marktsättigung. Deshalb, so vermutet er, ziehen sich Einzelbetreiber seit einiger Zeit aus der Branche zurück. Für viele Privatpersonen, die einen Automaten geleast und aufgestellt hatten, gehe die Rechnung nicht mehr auf. Sein Eindruck: „Die Automaten verschwinden wieder.“
Kiosk mit Kirmes-Flair
Der allererste Snackautomat in Germersheim am Firmensitz ist der einzige, den Tiwi Solutions noch im Außenbereich stehen hat. Es gebe nur noch ein Minimal-Sortiment mit amerikanischen Nischenprodukten, Restbestände an Vapes werden abverkauft. Die zuckerhaltigen Snacks und Energy-Drinks an dem Standort nahe der Realschule und des Gymnasiums stoßen auch auf Kritik: Eltern und Lehrer haben angeregt, das Sortiment zu verändern. Denis Tissberger zeigt sich kompromissbereit. Hier gibt es zudem ein kleines Kiosk, das bis abends geöffnet ist und Kirmes-Flair hat. Bunt leuchtende Automaten, die mittlere fünfstellige Summen kosten, stellen Smoothies und Zuckerwatte her. „Wir hatten da einfach Bock drauf“, sagt der Geschäftsführer. Er habe schon ganze Kindergeburtstagsgesellschaften dort ein- und ausgehen sehen. Wirtschaftlich abhängig sei das Unternehmen von diesem Kiosk nicht. Der Fokus liege klar auf Automaten in öffentlichen Einrichtungen – und dieser Markt wachse.