Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schulkinder müssen zuhause bleiben

Im Landkreis Germersheim bleiben die Klassenräume in den Grundschulen bis auf Weiteres leer.
Im Landkreis Germersheim bleiben die Klassenräume in den Grundschulen bis auf Weiteres leer.

Die Infektionszahlen im Landkreis steigen weiter an. Der Landrat bestimmt deshalb am Sonntag in einer Eilentscheidung, dass Grund- und Förderschulen noch mindestens eine weitere Woche geschlossen bleiben. Er appelliert an die Eltern, Kinder nur im Notfall in die Notbetreuung der Kitas zu schicken.

Auch wenn die Grund- und Förderschulen landesweit am Montag mit dem Wechselunterricht starten: Die Klassen eins bis vier im Landkreis Germersheim bleiben im Fernunterricht. Allerdings bieten diese Einrichtungen weiter Notbetreuung an. Das hat die Kreisverwaltung am Sonntagnachmittag kurz vor 16 Uhr mitgeteilt.

Schon während der vergangenen Woche war die Inzidenzzahl, also die Anzahl der Menschen, die sich innerhalb von sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert haben, im Kreis Germersheim wieder in die Höhe geschnellt. Am Freitag lag sie bei 106 und war damit doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt.

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Notbremse gezogen

Schon am Donnerstagabend Öffnung hinterfragt

Noch am Donnerstagabend hatte sich Landrat Fritz Brechtel (CDU) deshalb an das Bildungsministerium in Mainz gewandt. Für ihn stelle sich die Frage, ob es in dieser Lage tatsächlich sinnvoll sei, die Schulen im Kreis wieder zu öffnen, hieß es in einer Mitteilung vom Freitagmorgen. Am Freitagnachmittag teilten Brechtel und die für die Schulaufsicht zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) dann zunächst eine Art Kompromiss mit: Die Schulen sollten in den Wechselunterricht starten. Allerdings sollte die Präsenzpflicht aufgehoben werden. Die Eltern hätten also selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder nicht.

Doch am Sonntag schrillten offensichtlich die Alarmglocken: Das Gesundheitsamt in Germersheim hatte von Freitag auf Samstag zwar einen leichten Rückgang der Coronainzidenzen gemeldet, von 106 auf 102. Doch am Sonntag gab es einen erneuten Anstieg, auf 124,8. Gleichzeitig ist bekannt, dass Infektionen mit der britischen Variante des Virus im Kreis Germersheim inzwischen gut ein Fünftel der Fälle ausmachen. Deshalb steige das Infektionsrisiko gerade an Schulen und Kitas, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung. In diesen Einrichtungen sei es in den vergangenen Tagen zu mehreren Infektionen mit der neuen Variante gekommen.

Daher hat Landrat Brechtel laut Pressemitteilung „im Einvernehmen mit der für die Schulaufsicht zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier (ADD)“ in einer Eilentscheidung am Sonntagnachmittag bestimmt, dass die Grundschulen sowie die Klassen eins bis vier der Förderschulen bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Diese Regelung gelte mindestens bis 26. Februar, also kommenden Freitag.

Eilentscheidung soll „unnötiges Risiko“ ausschließen

In seiner Pressemitteilung bittet der Landrat um Verständnis für sein Vorgehen: „Ich bin mir durchaus bewusst, dass diese Entscheidung Lehrer und Eltern sehr kurzfristig erreicht“, schreibt Brechtel. „Die Herausforderungen für Eltern, Kinder aber auch für das Lehrpersonal sind sicherlich sehr groß.“ Die Lage habe sich aber erst am Sonntag so entwickelt. Man habe so reagieren müssen, „um jedes unnötige gesundheitliche Risiko auszuschließen“. In diesem Zusammenhang dankt der Landrat den Mitarbeitenden des Gesundheitsamtes. Nur dank der sorgfältigen Ermittlungen auch am Wochenende habe man diese kurzfristige Entwicklung erkennen und rasch handeln können.

Zum Zeitpunkt der Pressemitteilung wussten die meisten Schulleitungen noch nichts von der Eilentscheidung. „Die ADD und Schuldezernent Christoph Buttweiler werden versuchen, mit den Schulleitungen noch am Sonntag Kontakt aufzunehmen und über das weitere Vorgehen zu informieren“, teilte die Kreisverwaltung mit.

Die Kindertagesstätten bieten wie die Schulen weiter eine Notbetreuung an. Hier appelliert der Landrat nun an die Eltern, dringend zu prüfen, ob sie diese wirklich in Anspruch nehmen wollen. „Wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, behalten Sie Ihre Kinder bitte weiterhin zu Hause.“

Das Gesundheitsamt hatte am Freitag mehrere Faktoren für die steigenden Zahlen genannt: Anfang Februar waren die ersten Genmutationen des Virus im Kreis festgestellt worden. Die Variante weise nicht nur eine deutlich höhere Infektionsgefahr auf, sondern habe auch eine längere Inkubationszeit, teilte das Amt mit. Außerdem hatten Reiserückkehrer aus Risikogebieten das Virus in den Kreis eingetragen. Gleichzeitig haben sich zahlreiche Arbeiter, die auf der baden-württembergischen Rheinseite bei Instandsetzungsarbeiten im Einsatz sind, aber im Kreis Germersheim übernachten, mit dem Virus infiziert.

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