Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schulen am Limit: Abstimmung zwischen Städten und Kreisen

Für die Gymnasialschüler in Rheinzabern gibt es freie Räume in der IGS. Ab dem übernächsten Schuljahr werden diese nicht ausreic
Für die Gymnasialschüler in Rheinzabern gibt es freie Räume in der IGS. Ab dem übernächsten Schuljahr werden diese nicht ausreichen. Ein Neubau ist geplant.

Die Anzahl der nächsten Fünftklässler ist so hoch wie nie. Das neue Gymnasium entspannt die Lage. Doch die Schullandschaft wird mit weiteren Herausforderungen konfrontiert.

Ziemlich genau vor einem Jahr herrschte Alarmstufe Rot in der Bildungslandschaft: Der Schulentwicklungsplan für den Kreis Germersheim hatte aufgezeigt, dass die Gymnasien in naher Zukunft nicht mehr ausreichen, um alle Schüler aufzunehmen. Schon in den Jahren zuvor hatte das Wörther Europa-Gymnasium mehr Nachfrage für die fünfte Klasse als es auf Dauer verkraften konnte. Sogar in der Mensa wurde zeitweise unterrichtet. Laut Prognose sollten die Anmeldezahlen weiter exorbitant steigen.

Im Gegensatz zu Integrierten Gesamtschulen haben Gymnasien auf dem Papier keine Kapazitätsbeschränkung. In der Realität ist irgendwann aber ein Limit erreicht. In diesem Fall darf die Schulbehörde ADD überzählige Kinder nur an ein anderes Gymnasium „umlenken“. Im Frühjahr 2024 reifte der Plan, ein neues Gymnasium in Rheinzabern, in Nachbarschaft der IGS, zu bauen. Die Idee, insbesondere das knallvolle Europa-Gymnasium (EGW) zu entlasten, ist aufgegangen: Die künftigen Gymnasialschüler haben sich „natürlich“, also ohne administrative Eingriffe, anders verteilt. 76 Kinder, drei Klassen, werden ab August am Gymnasium in Rheinzabern unterrichtet, zunächst noch in freien Räumen der IGS. Langfristig soll das Gymnasium auf vier Klassen pro Jahrgang ausgelegt sein.

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Blick über Kreisgrenze hinaus

Im südlichen Landkreis ist somit Druck aus dem Kessel. Was ist aber im Norden los? Während der Ansturm auf das Germersheimer Goethe-Gymnasium, die IGS in Rülzheim und die Weizsäcker-Realschule nicht nachlässt, sind die Zahlen in den anderen Realschulen im Keller. Um diese Entwicklung nicht aus den Augen zu verlieren, sollte der Schulentwicklungsplan bereits nach der nächsten Anmeldephase, also jetzt, aktualisiert werden. Besonders in Bellheim erhofft man sich neue Impulse für den Schulstandort. An der hiesigen Realschule plus haben sich bislang 38 Kinder für das nächste Schuljahr angemeldet.

Wie es mit dem Schulentwicklungsplan weitergeht, wurde nun im Schulträgerausschuss diskutiert. „Es sind genau die Zahlen eingetreten, die das Gutachten im März 2024 prognostiziert hatte“, sagte der Kreisbeigeordnete Christoph Buttweiler. Eine neue Datengrundlage gebe es nicht. Der Vorschlag: Im laufenden Jahr Gespräche mit benachbarten Kreisen und Städten führen, um ausreichend Informationen für eine „neue Begutachtung“ zu haben. Die Situation dort ist ähnlich, auch in Landau und Speyer sind Schulen am Maximum. Das Damoklesschwert, dass Kinder aus dem Kreis Germersheim irgendwann abgewiesen werden könnten, stand schon im Raum. Ein Aufnahme-Stopp würde ein ganz neues Bild zeichnen. Der Schulleiter der Paul-Gillet-Realschule in Edenkoben, Michael Eich, bestätigte in der Ausschusssitzung, dass es „auch in SÜW langsam anfängt zu brodeln“. Eine Abstimmung sei „absolut erforderlich“. Andere Anwesende sahen das ähnlich.

Ansturm auf Gesamtschulen

Genau hinschauen müsse man auf die Integrierten Gesamtschulen im Kreis, appellierte der Leiter des Europa-Gymnasiums Holger Hauptmann: „Alle sind jetzt voll.“ An den IGSen im Land sind die Plätze grundsätzlich begrenzt, sie dürfen jedes Jahr jeweils nur 112 Kinder aufnehmen. Drei von vieren im Kreis mussten diesmal Schüler ablehnen; an der Carl-Benz-Gesamtschule in Wörth bekamen allein 42 Kinder keinen Platz. Aus dieser Entwicklung entstehe weiterer Druck auf die Gymnasien, so Hauptmann. „Da wird eine Baustelle auf uns zukommen.“

Bis vergangenen Woche hatten sich 1151 angehende Fünftklässler an den weiterführenden Schulen im Kreis Germersheim angemeldet. „So viel waren es noch nie“, so Christoph Buttweiler. Fast 97 Prozent wohnen auch hier. Sprich: Es pendeln nicht viele Kinder von Nachbarkreisen ein. Die Anzahl der Auspendler aus dem Kreis Germersheim ist höher: Im laufenden Schuljahr sind es 99 Schüler, im kommenden 126 – das entspricht rund 11 Prozent. Vor allem das Herxheimer Pamina-Schulzentrum, eine kooperative Gesamtschule, war lange besonders beliebt bei Schülern aus dem Kreis Germersheim. Im Schuljahr 2022/23 sind noch 105 Kinder Fünftklässler von hier nach Herxheim gependelt. Ein Jahr später waren es nur 37, ebenso im Folgejahr. An der Pamina-Schule gab es Ängste, dass das neue Gymnasium in Rheinzabern diese Zahl weiter drückt, sagt Landrat Martin Brandl im RHEINPFALZ-Gespräch. Das ist nicht passiert: Bislang haben sich laut Verwaltung 33 Kinder aus dem Kreis Germersheim dort angemeldet. „Den Knick gab es vor vier Jahren“, so Brandl. „Das liegt nicht am neuen Gymnasium.“

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