Sondernheim
„Schützenhaus am See“: Chef macht bis zu 70 Essen pro Abend
Etwas außerhalb des Ortes, unweit des Sondernheimer Sees gelegen, lädt der Biergarten des „Schützenhauses am See“ zum Verweilen ein. Im Winter sorgt ein Kamin im großen Wirtsraum für Atmosphäre. Das dies so geworden ist und hoffentlich so bleibt, dafür sorgt seit 2019 Küchenmeister Sven Seewald. Der 55-Jährige ist Koch aus Leidenschaft. „Vor 40 Jahren habe ich über einen Freund meines Vaters ein Praktikum in einer Hotelküche gemacht“, erinnert sich der in Bayern geborene Seewald. Das habe ihn so begeistert, dass sein Beruf schnell festgestanden habe.
Der habe ihn unter anderem in die Schweiz und nach England geführt, eine Zeit lang auch auf ein Schiff, bevor Seewald im Schlosshotel Karlsruhe landete. Vor rund 20 Jahren hat er sich selbstständig gemacht, seine letzte Station vor dem „Schützenhaus am See“ war eine Gaststätte in Hördt.
„Fleischlastige“ Speisekarte
Im „Schützenhaus“ legt Seewald nach eigenem Bekunden sehr viel Wert auf die Qualität der Lebensmittel. Convenience-Produkte gibt es bei ihm nicht. So müsse beispielsweise seine Grundsoße, die er selbst herstellt, mindestens drei Tage kochen, erzählt er. Daraus zaubert er dann all die Soßen für die verschiedenen Gerichte, beispielsweise das Argentinische Rumpsteak oder Schnitzelvariationen, Putenfleischgerichte, aber auch Zander und Seehecht. Aber natürlich dürfen auch Saumagen und Pfälzer Bratwurst auf der Karte nicht fehlen.
„Meine Karte ist schon etwas fleischlastig“, gibt Seewald zu. Fügt dann aber an, dass er beim Einkauf sehr auf das Tierwohl achte. Aber auch für Vegetarier gibt es Gerichte wie „Gartengratin“ – eine Gemüsepfanne, Käsespätzle, überbackenen Schafskäse sowie verschiedene Salate. „Und wem das nicht reicht, für den lasse ich mir eigens was einfallen.“
Verein hilft bei möglichen Problemen
Auch nach 40 Jahren im Job mache ihm die Arbeit immer noch viel Spaß, versichert Seewald. Allerdings müsse er mittlerweile etwas kürzer treten, weshalb er sich jetzt an den zwei Ruhetagen (Montag und Dienstag) um ein Pferd kümmert. Und weil er überhaupt Tiere liebt, sind auch Hunde in seinem Lokal willkommen und würden meist noch vor dem Herrchen oder Frauchen bedient. Außerdem gönnt sich der Wirt viermal ein bis zwei Wochen Urlaube im Jahr. Insgesamt sechs Wochen, so viele wie angestellte Arbeitnehmer auch haben.
Als Seewald das Vereinsheim 2019 übernahm, hat er erst einmal viel Energie, Zeit und Geld in die Renovierung innen und außen gesteckt. Der Schützenverein Diana habe ihn dabei unterstützt, wo es ging. „Der Verein ist klasse“, sagt Seewald voller Überzeugung. Die Mitglieder würden bei Problemen immer helfen. Trotz der langen Corona-Phase habe sich die Gaststätte gut entwickelt. Fast schon zu gut: Obwohl er eigentlich viel mehr Platz habe, sei bei rund 70 Essen pro Abend Schluss.
Erfolglose Suche nach Küchenhilfe
Mehr schaffe er nicht, weil er alleine in der Küche stehe. „Es ist einfach keine Küchenhilfe zu finden“, bedauert Seewald. Jüngst erst habe er rund 2000 Euro in vier Anzeigen investiert, mit denen nach einer Kraft suchte. „Ich habe keine einzige Rückmeldung erhalten.“ Am liebsten wäre ihm sowieso ein jüngerer Geschäftspartner oder eine Geschäftspartnerin, der oder die genauso tickt wie er, sagt Seewald dann.
Bedienungen findet er hingegen leichter. Er hat einen Stamm von etwa einem Dutzend zuverlässiger Aushilfen. Die hält er auch bei der Stange, etwa indem sie sich abends ein Essen gratis mit nach Hause nehmen dürfen. Und ab und an lädt er seine Belegschaft auch zu einem Tagesausflug ein.
Gelegentlich schaut der Koch sogar der „Konkurrenz“ beim Kochen im Fernsehen zu. Allerdings seien die meisten Kochsendungen schlecht, denn sie gehen zu sehr an der Realität vorbei, sagt Seewald, der gleich auch eine Empfehlung für andere Fernsehzuschauer hat. „,Kitchen Impossible’ trifft noch am ehesten die Wirklichkeit“, meint der „Schützenhaus“-Wirt.
Info
Schützenhaus am See, Am Schützenhaus, Germersheim, Telefon 07274 9197744, im Netz: www.schuetzenhaus-am-see.de, Reservierungen per E-Mail sind nicht möglich. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 17 bis 22 Uhr, Donnerstag auch 11.30 bis 14 Uhr, Sonntag und Feiertag ab 11.30 Uhr, Küche bis 20 Uhr, Montag und Dienstag Ruhetag.
Die Serie
Seit dem großen Kneipensterben sind Vereinsheime in vielen Dörfern der Südpfalz die letzten Anlaufpunkte geworden für die Geburtstagsfeier der Oma, die Schafkopfrunde, den Bundesliga-Nachmittag. Manche von ihnen sind verpachtet. Wir wollen diese für die Ortschaften bedeutsamen Clubhäuser vorstellen, vor allem ihre Pächter. Welche Speisen und Getränke bieten sie an? Warum haben sie sich entschieden, ein Vereinsheim zu führen? Was macht ihnen das Leben schwer? Und was ist auch schön am Dasein als Clubhauswirt? Dem wollen wir in unserer Serie „Willkommen im Club“ nachgehen – empathisch, informativ, südpfälzisch.