Wörth
Schüler stehen in Bussen dicht an dicht
Schon vor dem offiziellen Schulende um 13.05 Uhr turnt ein Junge am rückwärtigen Hofausgang des Europa-Gymnasiums in einem Baum und macht Quatsch mit seinen Kumpels. Andere haben sich Schattenplätze gesucht. Noch ist alles ruhig. Auch um die Ecke in der Dorschbergstraße, wo auffällig viele Erwachsene in oder an ihren Autos herumlungern. Sie hängen eher weniger mit ihren Cliquen ab. Vielmehr gehören sie zu der legendären Gattung der „Eltern-Taxis“. Der Respekt vor einer Covid-Infektion ist immer noch groß, das Vertrauen in den regulären Schulbusverkehr offenbar gesunken.
So fährt Achim Kinerteder aus Berg mit seinem Sohn „seit Monaten“ regelmäßig die Strecke zum Wörther Europa-Gymnasium. „Die Busse sind halt regelmäßig voll, und ich möchte meinen Sohn schützen“, sagt er. Eine andere Mutter wiederum weist auf „die völlig überfüllten Straßenbahnen“ hin: „Wenn Sie das einmal gesehen hätten, was hier los ist. Der Landkreis hat von Anfang an gespart und das ist jetzt das Ergebnis.“ Überhaupt müsse der Landkreis mehr tun. Lüftungsanlagen, Unterricht im Freien oder in Zelten im Schulhof. „Aber diese Flexibilität fehlt halt“, sagt sie enttäuscht.
„Man steht zusammengequetscht“
Gegenüber warten Carlotta, Emma und Deborah an der Haltestelle. Sie kommen aus Kandel und Minfeld. Mehrere Busse auf einer Linie seien ja schön und gut, doch aufgrund deren unterschiedlicher Taktung würden die Schüler oft eben doch den ersten nehmen, der kommt. Carlotta blickt bereits skeptisch in Richtung des neuen Schuljahres: „Wenn die neuen Fünftklässler kommen, dann wird es erst einmal noch enger.“
Ein Problem scheint die Linie 598 nach Hördt zu sein. „Seitdem es wieder Präsenzunterricht gibt, ist er übervoll und steht man zusammengequetscht“, sagt Nisa aus Rheinzabern. Für Leute mit Platzangst und Furcht vor Corona sei das wirklich nichts. Wegen der Delta-Variante habe sie eigentlich keine Lust auf große Menschenansammlungen, aber ihre Eltern müssten eben arbeiten, sodass sie auf den Schulbus angewiesen sei. Eher gelassen sehen Erik, Jonas und Joel aus Jockgrim die Situation. Vor dem landesweiten Streik der Busfahrer, der seit Montag läuft, seien ja noch mehr Busse gekommen, aber jetzt sei es „letztens sogar passiert, dass morgens manche draußen bleiben mussten“, erzählt Erik. „Und manchmal kommt gar kein Bus zur Haltestelle Trifelsstraße, sodass wir die erst recht volle Bahn nehmen müssen“, ergänzt Jonas. Aber natürlich und auf gar keinen Fall mache es ihnen etwas aus, wenn es mal etwas enger wird. Cool wie Hundeschnauze sind sie ja, die Buben.
„Wie soll man da noch reinkommen?“
Dann beigt der 598er um die Ecke. Alle Sitze sind belegt und manche stehen bereits im Gang, da er bereits an der Berufsbildenden Schule (BBS) Kinder und Jugendliche aufgenommen hat. „Scheiße“, hört man noch, ehe eine Meute von rund 40 Schülern losstürmt. „Oh je, wie soll man da noch reinkommen?“, fragt sich nicht nur Jonas. Doch es funktioniert. Sogar vorne beim Fahrer, noch vor der Schranke, stehen Kinder. Kommt noch ein Bus? „Nein! Streik!“, ätzt der Fahrer. Dann fährt er los.
An der Haltestelle Dorschbergstraße hockt noch ein verlorenes Grüppchen. Die Geschwister Svenja und Florian sowie Paul aus Büchelberg und Ina aus Hagenbach. Ihr Bus kommt wieder nicht, „zum sechsten oder siebten Mal seit den Pfingstferien“, empört sich Paul. Die große Schwester der beiden Geschwister rollt heran und packt das Büchelberger Trio in den Kleinwagen. Ina ist fassungslos: „Ich verstehe nicht, wie die sich das mit uns erlauben dürfen. Zum dritten Mal in dieser Woche muss ich jetzt abgeholt werden!“ Die Mutter wird kommen.