Wörth
Sanierung: Apotheke zieht nach Brand in Container um
„Am Freitag, 4. März, haben wir die Apotheke nach Feierabend wie immer verlassen“, erinnert sich Johanna Gemenetzi noch ganz genau: „Eine Dreiviertelstunde später rief die Reinigungsdame an – mit Video: überall an der Decke, wo Scheinwerfer waren, lief Wasser heraus.“
Das Wasser kam aus einer Fuge, die zwei Häuser im Einkaufszentrum trennt. Diese Fuge war mit Dämmstoff-Platten ausgekleidet, die wie das Gebäude gut 50 Jahr alt waren. Sie sind in Brand geraten, während das Vordach mit Bitumenbahnen neu eingedeckt wurde. Dabei wurde mit Gasbrennern gearbeitet, um die Bahnen zu verschweißen. An der Trennfuge war ein Spalt frei, das hat offenbar genügt, um das Feuer in Gang zu setzen, so die Einschätzung der Feuerwehr.
Das Wasser läuft drei Tage
Weil aber im Erdgeschoss die Wände einige Meter versetzt sind, endet die Fuge über der Olympia-Apotheke. „Der Spalt war offen, wir haben ihn nur nie gesehen, weil die Decke abgehängt war“, erzählt Gemenetzi. Die Folge: „Was oben hinein geschüttet wird, kommt unten bei uns wieder raus.“ Dort lief das Löschwasser über die ganze Decke und verteilte sich. „Dort, wo Löcher für die Scheinwerfer waren, kam das Wasser heraus wie aus der Dusche“, so Gemenetzi.
Fugenbrände sind schwer zu löschen, drei Tage lief das Wasser, am Ende musste die Berufsfeuerwehr Karlsruhe mit Spezialgerät anrücken. Das bedeutete aber auch, dass drei Tage – vor Freitag bis Sonntag – Wasser in die Olypmpia-Apotheke lief. Dort wurde unterdessen schwer gearbeitet: „Wir haben mit gut 50 Leuten das Wochenende über die Apotheke ausgeräumt“, sagt Gemenetzi: „Am Ende kam dann noch die komplette Zwischendecke runter. Die hatte sich mit Wasser vollgesogen und war schwer geworden.“
„Sogar die Familien der Mitarbeiter haben mitgeholfen“, freut sich Gemenetzi heute noch. „Ich habe nur gerufen ,Hilfe!’ und dann sind sie alle gekommen. Mit allen nötigen Gerätschaften, mit Eimern, Wischmobs und Putzlappen. Das war etwas ganz Besonderes, sonst hätten wir es nicht geschafft.“
Bis April am Ausweichort
Dabei gelang es, die Arzneimittel zu retten. Das ist nicht trivial, denn die Olympia-Apotheke ist mittlerweile die Zentrale eines mittelständischen Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern. Sie beliefert als Krankenhaus-Apotheke die Kliniken im Landkreis, einen Rettungsdienst, Werksärzte und OP-Zentren – auch mit selbstgefertigten Medikamenten.
In der Apotheke wurde nach dem Ende der Löscharbeiten die Einrichtung herausgerissen. „Dann wurde getrocknet, ein paar Wochen lang, der Estrich wurde dazu sogar angebohrt“, sagt Gemenetzi. „Im hinteren Bereich waren nur noch die Hälfte der Fläche nutzbar. Ein feste Staubschutzwand sorgte dafür, dass im Rest der Apotheke weiter gearbeitet werden kann.“
Als erstes musste Gemenetzi ein neues Reinraum-Labor einrichten. Platz dafür fand sich im benachbarten Geschäft. Die Betreiberin von „Schreibwaren Molnar“ hatte aus Altersgründen aufgehört. Aber das dauerte: „Planung, Genehmigung, Bestellung und Bau“, zählt Gemenetzi auf. Aber Anfang der Woche wurde das Labor abgenommen, jetzt kann es in Betrieb gehen.
Dafür zieht jetzt am Wochenende die Apotheke für das Kundengeschäft um. In Richtung Parkplatz steht eine 18 mal 6 Meter große Containerkonstruktion. Aber ohne den Lagerautomaten: „Wir müssen alle Medikamente in alphabetisch geordnete Schubladen umräumen“, sagt Gemenetzi: „Und wir werden drei statt vier Beratungsplätze haben.“ Sei hofft, dass die Kunden der Olympia-Apotheke während der vier- bis fünfmonatigen Umbauzeit treu bleiben.
Nach der Kernsanierung – Boden, Decke, Wand, Elektrik – will die Apotheke Ende April am alten Standort wieder öffnen. Dann auch mit vergrößertem Kundenbereich: „Wir werden fünf Beratungsplätze haben“, sagt Gemenetzi.
Offen ist noch, wer wie viel bezahlt. „Die Versicherungen diskutieren noch. Ich habe bisher zwei Mal 10.000 Euro erhalten“, sagt Gemenetzi. Und das bei Kosten von mehreren Hunderttausend Euro.