Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Tödliche Gefahr: Mit Stahlhaken nach Glutnestern geangelt

Nächtlicher Einsatz im Einkaufszentrum.
Nächtlicher Einsatz im Einkaufszentrum.

Eine ganze Woche beschäftigte der Brand im Einkaufszentrum die Feuerwehr. Zu sehen war zwar wenig Spektakuläres. Aber hinter dem sperrigen Begriff„Trennfugen-Brand“ verbirgt sich eine tödliche Gefahr.

Viel Rauch und wenig Feuer – diesen Eindruck hatte der Laie von einem Brand, der die Feuerwehr Wörth ein langes Wochenende auf Trab hielt. Drei Tage arbeiteten die Feuerwehrleute jeweils etliche Stunden, bis ein sogenannter „Trennfugen-Brand“ im Wörther Einkaufszentrum gelöscht war. „Der erste Einsatz dauerte am Freitag, 4. März, von 16.45 bis 23.30 Uhr“, sagt Wehrleiter Jürgen Stephany. Samstags und sonntags dauerten die Einsätze von 8 bis 14.30 beziehungsweise 13.20 Uhr – das sind insgesamt fast 20 Stunden.

Der Grund für den langen Einsatz: Der Brand ist eigentlich nicht zugänglich. Er spielt sich in der Fuge zwischen zwei Gebäudeteilen ab. Und die war in diesem Fall vielleicht fünf Zentimeter breit, schätzt Stephany. Das klingt nach wenig, aber die Fuge erstreckte sich über vier Stockwerke und ist elf Meter tief.

Mit Gasbrennern gearbeitet

Und diese Fuge ist mit Dämmstoff-Platten ausgekleidet, die wie das Gebäude mittlerweile gut 50 Jahre alt sind. Sie sind in Brand geraten, während das Vordach mit Bitumenbahnen neu eingedeckt wurde, so Stephany. Dabei wird mit Gasbrennern gearbeitet, um die Bahnen zu verschweißen. An der Trennfuge war ein Spalt frei, das hat offenbar genügt, um das Feuer in Gang zu setzen. „Das ist oft die Ursache für solche Brände“, sagt Stephany. Die kämen immer wieder mal vor, oft an alten Gebäuden.

Mit Wasser war das Feuer im Einkaufszentrum nur schwer einzudämmen. „Die Platten waren an die Wand des Gebäudes geklebt, das zuerst fertig war. Von der Seite kamen wir deshalb nicht ran“, so Stephany. Zudem lagen zwischen den Platten wasserundurchlässige Bitumenschichten. Weshalb den Feuerwehrleuten nichts anderes übrig blieb, als mit Stahlhaken das Dämmmaterial regelrecht aus der Fuge zu kratzen. Eingesetzt wurde auch eine Spezialpumpe der Karlsruher Berufsfeuerwehr.

Kohlenmonoxid gemessen

Dafür, dass die Feuerwehr sich diese Arbeit macht, gibt es einen Grund: Solche Fugenbrände sind für die direkten Anwohner eine tödliche Gefahr. Weil sie oft nur schwelen, entsteht wie bei allen Bränden mit wenig Sauerstoff Kohlenmonoxid. Und das dringt auch durch feste Mauern in die daneben liegenden Wohnungen. „In Karlsruhe gab es vor etwa zehn Jahren deshalb einen Todesfall“, sagt Stephany.

Deshalb hat die Wörther Feuerwehr auch in allen acht Wohnungen, die an die Trennfuge angrenzen, den Kohlenmonoxid-Gehalt der Luft gemessen. „Das war unsere erste Maßnahme, zusammen mit der Polizei“, so Stephany. Und die Feuerwehrleute wurden fündig: Mit sieben bis elf ppm (parts per million, entspricht einem Milliliter pro Kubikmeter) lag die Konzentration allerdings deutlich unter den Werten, bei denen Menschen schnell sterben können. In Wohngebäuden liegt die normale Konzentration bei 0,5 bis 5 ppm.

Todesfall in Karlsruhe

Aber dennoch wurden alle Bewohner in der ersten Nacht außer Haus untergebracht. Denn niemand weiß, wie sich so ein Brand über Nacht entwickelt und möglicherweise ausdehnt. Das zeigt e der Todesfall in Karlsruhe: Dort hatte die Feuerwehr die Kohlenmonoxid-Konzentration am Abend bis in den achten Stock des betroffenen Hochhauses geprüft, so Stephany. Am nächsten Tag wurde im neunten Stock ein Toter gefunden.

Deshalb hat die Feuerwehr Wörth auch in den Folgetagen die Werte in den Wohnungen überprüft, aber schon am Samstag schlugen die Geräte nicht mehr an. Bis Freitag, 11. März, haben die Feuerwehrleute den Brandort dreimal täglich kontrolliert. Erst dann haben sie an die Hausverwaltung übergeben, so Stephany.

Mit den Folgen des Brandes hat auch die Apotheke im Einkaufszentrum zu kämpfen. Denn die Trennfuge ging nicht durch das Erdgeschoss, sie endete vielmehr über der Apotheke. Und weil sie nach unten offen war, floss drei Tage lang das Löschwasser in die Apotheke.

Frei gelegt: die Trennfuge.
Frei gelegt: die Trennfuge.
Noch unsichtbar: Die Trennfuge verläuft zwischen zwei Gebäudeteilen.
Noch unsichtbar: Die Trennfuge verläuft zwischen zwei Gebäudeteilen.
Kleine Ursache, großer Schaden.
Kleine Ursache, großer Schaden.
x