Kreis Germersheim
Prognose: Hochwasser bleibt bis gegen Monatsende
Am Samstag um die Mittagszeit wurden das Kulturwerk Kehl (Baden) und der Polder Altenheim bei Strasbourg geflutet. Ab welchen Schwellenwerten, welche Polder eingesetzt werden, sei durch internationale Vereinbarungen geregelt, so Friese.
Ab Sonntag Mittag stieg der Rhein bei Maxau wieder leicht an, weil die Kapazität der Rückhalteräume erschöpft ist, so Friese. Er rechnet damit, dass das Hochwasser in der Region noch einige Zeit stagniert, bis es voraussichtlich ab Dienstag abklingt. Bei Basel fange der Rhein bereits an zu fallen und für die nächsten vier Tage sei kein Regen vorhergesagt. Allerdings sieht die Vorhersage am Sonntagnachmittag vor, dass der Pegel Maxau bis zum Ende des Prognosezeitraums am 28. Juli nicht unter 7,10 Meter fällt – die Hochwassermeldemarke liegt bei 6,50 Meter.
Das derzeitige Hochwasser belegt Platz 3 der bisher am Pegel Maxau protokollierten. Am 24. Januar 2018 betrug der Scheitelpunkt 8,58 Meter. Nur 2013 (8,69 Meter) und im Jahr 1999 (8,84 Meter) war der Wasserstand höher.
Entlang der Dämme fanden am Samstag die 42 Dammläufer der Feuerwehren im Kreisgebiet 18 Sickerstellen. Fünf wurden mit Sandsäcken beschwert, um sie zu schließen, so Mike Schönlaub, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises. Eine akute Gefährdung gebe es aber nicht.
Bisher wurden über 5000 Sandsäcke gefüllt, so Schönlaub. Die Infos zur Lage aus den Städten und Verbandsgemeinden im Kreis laufen bei der Feuerwehr Wörth zusammen. Im dortigen Lagezentrum gibt es – solange die Hochwasserlage anhält – täglich um 12 Uhr ein Treffen der Feuerwehr-Führungskräfte. Mit dabei ist auch die Bundeswehr, jedoch nur in passiver Funktion. Bei einem Pegelstand ab 8,80 Metern würde dann der Landkreis die Führung übernehmen und dann auch Bundeswehr und THW ins Boot holen. Auch dann wäre das Lagezentrum in Wörth. Im Feuerwehrhaus wurden entsprechende Räume bereits vorbereitet. Nach aktueller Einschätzung wird dieser Fall jedoch nicht eintreten, so Schönlaub am Samstag.
Lauter schwappt über Kreisstraße
Von einer diffusen Lage spricht am Samstag Oswald Wagner, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Hagenbach. Eigentlich war für die vorherige Nacht bereits der Höchststand erwartet worden, doch der Rhein stieg weiter. Auch sonst seien einige Faktoren anders als bei sonstigen Hochwasserlagen, schon alleine der Zeitpunkt im Sommer, so Wagner.
Eine „seltsame Hochwassersituation“, bestätigen die Menschen, die sich an der Lauterbrücke bei Neuburg ein Bild von der Lage machen. Die Brücke ist nicht überflutet – das war sie auch in der Vergangenheit nie. Doch das Wasser reicht schon bis an die Unterseite. Die Dammscharten sind geschlossen. Eine Durchfahrt in Richtung Berg ist nicht möglich. Immer wieder kommen Rad- und Motorradfahrer, die jedoch genau dies vorhatten. Infoschilder und gar Absperrungen wurden bereits umfahren, um an diese Stelle zu kommen. „Wir fahren hier normalerweise immer lang“, meint ein Motorradfahrer und wendet. Wagner bestätigt, dass bei diesem Hochwasser mehr Absperrungen aufgebaut wurden. Als Grund nennt er die Erfahrungen mit Hochwassertouristen beim letzten Hochwasser.
Seit den Morgenstunden wird am Samstag die Kreisstraße 20 überflutet, berichtet Brandmeister Manuel Sitter von der Feuerwehr Berg. Bald wird hier zwischen Lauter und Rhein ein riesiger See sein, weiß er aus Erfahrung. Das Feuerwehrhaus ist rund um die Uhr mit mindestens zwei Einsatzkräften besetzt. Problematisch sei das Verhalten einiger Schaulustiger. So berichtet Sitter, dass die Straßenabsperrungen festgekettet werden mussten, da sie immer wieder verschoben wurden.
Krebse kämpfen sich über überflutete Straße
Doch nicht alleine die überflutete Fahrbahn macht die Sperrung der K 20 nötig. Auch Tiere nutzen den Bereich, um sich vor dem Wasser in Sicherheit zu bringen. Während die Feuerwehr unterwegs ist, rennt ein Wildschwein durch das wasserbedeckte Maisfeld. Ein ungewöhnlicher Anblick: Kalikokrebse kämpfen sich durch die Strömung. Beim Näherkommen katapultieren sie sich an eine tiefere Stelle oder stellen sich gar auf. Ähnlich kurios: Zwischen Fußballplatz und Hafenbecken in Maximiliansau schwimmen unzählige kleine Fische über die Straße. In Neuburg ist ein Eichhörnchen zu beobachten, das über die menschenleere Lauterbrücke zur Hochwasserschutzmauer rennt.
Die Füße im Hochwasser baumeln lassen
Auch in Maximiliansau haben es Ordnungsamt und Feuerwehr immer wieder mit leichtsinnigen Passanten zu tun. Stephan Rabenschlag von der Feuerwehr berichtet von Rollerskatern, die über das Erdreich der Dämme stapfen, um weiterzukommen. Dabei wird das Erdreich gelockert und somit die Stabilität der Deiche beeinträchtigt. In der Nacht zu Freitag wurde eine Absperrung umfahren. Die jungen Leute stellten ihr Auto an die Dammkuppe, setzten sich in den Kofferraum und ließen die Füße ins Wasser hängen. Auch war zu beobachten, wie direkt vor den Hochwasserschildern geparkt wurde, so dass kein Durchkommen für die Feuerwehr möglich war.
Während die Lage am Rhein für die Anwohner noch recht gelassen genommen wird, steigt in Maximiliansau durch den Druck der Wassermassen im Rhein der Pegel der im Ort gelegenen Kehle, einem kleinen See. Der See trat zur Eisenbahnstraße hin übers Ufer. Auch hier muss die Feuerwehr ran. Gepumpt wird auch auf dem Schenk-Gelände. Die Werksfeuerwehr von Daimler ist hier im Einsatz. Auf dem Gelände werden normalerweise fabrikneue Lastwagen geparkt. Diese wurden bereits vor ein paar Tagen in Sicherheit gebracht.
Feuchte Stellen sind in einigen Orten zu sehen: Das Wasser drückt aus Gullydeckeln. Einsätze wegen vollgelaufenen Kellern gab es jedoch noch nicht, erklären Wagner und Sitter. Die Anwohner seien gut vorbereitet, hätten Pumpen im Einsatz.
Kommentar
Der Druck bleibt
Die Diskussionen über Sinn und Zweck von Poldern war im Kreis Germersheim zeitweise heftig. Nach der Nacht zum Sonntag hat sich das endgültig erledigt.
In kurzer Zeit sank der Rhein bei Maxau um einen halben Meter. Ohne die Polder rheinaufwärts wäre der Rhein möglicherweise 1 bis 2 Tage bei 8,50 Meter gestanden. Und das will mit Blick auf die durchnässten Dämme keiner. Zumal die Dämme weiter unter Druck stehen: Laut Prognose soll der Pegel Maxau, beinahe bis Ende des Monats nicht unter 7,20 Meter fallen – die Hochwassermeldemarke liegt bei 6,50 Meter. In den vergangenen 50 Jahren dürfte das noch nicht vorgekommen sein. Auch wenn jetzt die Sonne scheint: Das viele Wasser bleibt.
